Benedikt XVI. würdigt Johannes Chrysostomos und ermutigt zur Ökumene

Botschaft zum 10. Interchristlichen Symposion von Katholiken und Orthodoxen

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ROM, 17. September 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat Kardinal Walter Kasper, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, zum 10. Interchristlichen Symposion von Katholiken und Orthodoxen eine Grußbotschaft zukommen lassen.

In dem Schreiben, das heute, Montag, vom Heiligen Stuhl veröffentlicht wurde, wünscht der Papst allen Tagungsteilnehmern viel Erfolg und Gottes Segen. Darüber hinaus bekräftigt er, dass das Ziel der vollen Einheit zwischen Katholiken und Orthodoxen in der gemeinsamen Feier der Eucharistie besteht.



Die Begegnung findet vom 16. bis zum 19. September auf der griechischen Insel Tinos statt.

Das interchristliche Symposion wird alle zwei Jahre vom Franziskanischen Institut für Spiritualität der Päpstlichen Universität „Antonianum“ und von der theologischen Fakultät der Universität „Aristoteles“ von Thessaloniki ausgerichtet. Sein Ziel besteht in der Suche nach dem gemeinsamen Erbe des Glaubens und der Traditionen der katholischen und der orthodoxen Kirche.

Das diesjährige Thema der Tagung lautet: „Der heilige Johannes Chrsysostomos – Brücke zwischen dem Osten und dem Westen“. In diesem Jahr wird der 1600. Todestag des großen Heiligen begangen, der als gemeinsamer Vater sowohl im Westen als auch im Osten angesehen ist.

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An den verehrten Bruder
Herrn Kardinal WALTER KASPER
Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen

Mit besonderer Freude habe ich erfahren, dass das 10. Interchristliche Symposion, das vom Franziskanischen Institut für Spiritualität der Päpstlichen Universität Antonianum und vom Departement für Theologie der theologischen Fakultät der Universität Aristoteles organisiert wird, auf der Insel Tinos stattfinden wird, wo Orthodoxe und Katholiken brüderlich zusammenleben.

Die ökumenische Kooperation im Bereich der Universität trägt dazu bei, die Ausrichtung hin zur erwünschten Einheit unter allen Christen wach zu halten. Diesbezüglich hatte das II. Vatikanische Konzil in diesem Gebiet eine angemessene Möglichkeit ausgemacht, um das ganze Volk Gottes in die Suche nach der vollen Einheit einzubeziehen. „Von der Ausbildung der Priester hängt ja die notwendige Unterweisung und geistliche Bildung der Gläubigen und der der Ordensleute an“ (Unitatis redintegratio 10).

Das Thema des Symposions „Der heilige Johannes Chrysostomos – Brücke zwischen Ost und West“ zum 1600. Jahrestag seines Todes am 14. September 407 wird Gelegenheit bieten, eines berühmten Kirchenvaters zu gedenken, der sowohl im Osten als auch im Westen verehrt wird; eines mutigen, erleuchteten und treuen Predigers des Wortes Gottes, auf dem er sein pastorales Wirken gründete; eines außerordentlichen Hermeneutikers und Predigers, so dass ihm seit dem fünften Jahrhundert der Beiname „Chrysostomos“, das heißt Goldmund, zugewiesen worden ist, und dessen Beitrag zur Ausformung der byzantinischen Liturgie allseits bekannt ist. Aufgrund des Mutes und der Treue seines evangeliumsgemäßen Zeugnisses musste er Verfolgung und Verbannung erleiden. Nach komplexen geschichtlichen Wechselfällen ruht sein Leib seit dem 1. Mai 1626 in der Basilika des heiligen Petrus, und am 27. November 2004 schenkte mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. einen Teil der Reliquien Seiner Heiligkeit, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. So wird jetzt sowohl in der Vatikanischen Basilika als auch in der Kirche des heiligen Georg im Fanar dieser große Kirchenvater verehrt.

Die Reflexionen eures Symposions, das sich mit einer Thematik auseinandersetzen wird, die sich auf den heiligen Johannes Chrysostomos und die Gemeinschaft der Kirche des Westens bezieht und dabei auch einige aktuelle Problemfelder analysieren wird, trägt dazu bei, die wahre, wenn auch unvollkommene Gemeinschaft von Katholiken und Orthodoxen zu unterstützen und zu stärken, so dass man zu jener Fülle gelangen kann, die es uns erlauben wird, eines Tages gemeinsam die eine Eucharistie zu feiern. Und es ist gerade jener gesegnete Tag, auf den wir alle auch dadurch mit Hoffnung schauen, indem wir umsichtige Initiativen wie diese lebendig werden lassen.

Mit solchen Gefühlen rufe ich den reichen Segen Gottes auf eure Begegnung und auf alle Teilnehmer herab: Der Heilige Geist erleuchte den Verstand, wärme die Herzen und erfülle einen jeden mit der Freude und dem Frieden des Herrn.

Schließlich nehme ich die Gelegenheit wahr, den orthodoxen und katholischen Gläubigen Griechenlands und in wirklich ganz besonderer Weise dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenlands, Seiner Seligkeit Christodoulos, einen brüderlichen Gruß zu übersenden, indem ich ihm baldige Genesung wünsche, damit er seinen pastoralen Dienst so bald wie möglich wiederaufnehmen kann, wozu ich mein Gebet zusichere. Die Theotokos, die mit besonderer Hingabe auf der Insel Tinos geliebt und verehrt wird, möge mütterlich darum bitten, dass unsere gemeinsamen Vorsätze vom erhofften geistlichen Erfolg gekrönt werden.

Aus Castel Gandolfo, dem 12. September 2007

Benedictus PP. XVI

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]