Benedikt XVI. würdigt Journalisten und Widerstandskämpfer Odoardo Focherini

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ROM, 8. Juni 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch das Lebenswerk des italienischen Journalisten und Widerstandskämpfers Odoardo Focherini (1907-1944) gewürdigt, dessen Seligsprechungsprozess in Gang ist. Anlass war der 100. Geburtstag des aus Capri stammenden Journalisten.



Odoardo hatte in der Zeit des Nationalsozialismus 105 Juden zur Flucht in die Schweiz verholfen, ehe er für diese Tat in einem Konzentrationslager in Deutschland den Tod fand. Focherini war damals 37 Jahre alt.

Der Heilige Vater bezeichnete den Journalisten als die „unvergessliche Gestalt eines christlichem Ehemannes, dessen tugendhaftes Beispiel der Kirche auch heute viel zu sagen hat“.

In der Botschaft, die der Papst durch Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone der Heimatdiözese Focherininis, dem Bistum Capri, überbringen ließ, verleiht er seinem Wunsch Ausdruck, dass der 100. Geburtstag (6. Juni) dieses Mannes dazu dienen möge, die „leuchtende Botschaft und das mutige evangeliumsgemäße Zeugnis eines solch großzügigen Laien“ neu vor Augen zu halten, „der sich in der Nachahmung Christi unermüdlich für die Rettung seiner Geschwister eingesetzt hat“.

Der Journalist arbeitete vom Jahr 1939 an als Verwaltungsdirektor der italienischen Tageszeitung „Avvenire d'Italia“. Seit 1936 war er Präsident der Katholischen Aktion in Italien. Papst Pius XI. verlieh im 1937 das Kreuz des Sylvesterordens.

Odoardo Focherini organisierte im von den Nationalsozialisten besetzten Italien ein regelrechtes Hilfs-Netzwerk für Juden. Deswegen wurde er am 11. März 1944 in Bologna verhaftet und in verschiedenen Lagern, in Fossoli und Gries bei Bozen, festgehalten. Am 5. September wurde er nach Flossenbürg deportiert, wo er am 27. Dezember 1944 im Außenlager Hersbruck an den Folgen einer Blutvergiftung starb. Schuld war eine unbehandelte Verletzung am Bein.

Die Jüdische Kultusgemeinde in Italien zeichnete den Journalisten 1995 posthum mit der Goldmedaille für besondere Verdienste aus. 1969 wurde Focherini vom Staat Israel zum „Gerechten der Völker“ erklärt. Sein Seligsprechungsprozess wurde am 12. Februar 1996 eröffnet. 1998 konnte die diözesane Phase dieses Untersuchungsverfahrens abgeschlossen werden.

Zu Ehren des Dieners Gottes wird morgen, Samstag, in Capri ein Gedenkgottesdienst gefeiert, an dem unter anderem auch der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Francis Arinze, teilnimmt.