Bericht des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ zur Religionsfreiheit 2010

Situation anhand von 194 alphabetisch angeordneten Einzelreportagen veranschaulicht

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ROM, 25. November 2010 (ZENIT.org).- Verstöße gegen die Religionsfreiheit sowie Unterdrückung und Diskriminierung religiöser Minderheiten gibt es immer noch in vielen Ländern der Welt: Dies geht aus dem Bericht zur Religionsfreiheit 2010 des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not" hervor, der heute in Rom vorgestellt wurde.


Der Bericht veranschaulicht die Situation anhand von 194 alphabetisch angeordneten Einzelberichten zur Lage in den verschiedenen Ländern und einer übersichtlichen Landkarte zu den einzelnen Kontinenten. Im Hinblick auf die Situation auf dem amerikanischen Kontinent erinnert der Bericht vor allem an Kuba, wo „die Lage zwar unverändert ist, was die Gesetzgebung und die Unterdrückung durch die Behörden in religiösen Angelegenheiten anbelangt, es jedoch auch Zeichen der Öffnung gab, wie zum Beispiel die Genehmigung von religiösen Handlungen, die bisher verboten waren".

Im Norden Afrikas „gibt es Probleme, die durch das Zusammenwirken von Religion und Politik sowohl bei der Gesetzgebung in den meisten Ländern, als auch bei der unter der Mehrheit der Bürger verbreiteten Mentalität anbelangt.

Dies wirkt sich darin aus, dass als Bürger mit vollem Recht nur diejenigen betrachtet werden, die sich auch zur vorherrschenden Religion bekennen, während religiöse Minderheiten im besten Fall toleriert, sonst aber auch als Gefahr für die gesellschaftliche Stabilität betrachtet werden". Außerdem wird an Äthiopien erinnert, wo „trotz einer beispielhaften Gesetzgebung, was die Religionsfreiheit anbelangt, sich immer wieder Episoden sozialer Intoleranz ereignen, vor allem in den Regionen in denen eine islamische Mehrheit vorhanden ist", während „die Praxis der vom Islam abweichenden in ganz Somalia Intoleranz hervorruft und die Bekehrungen durch verschiedene Formen der Ächtung und der sozialen Ausgrenzung verhindert werden".


Im Nahen Osten ist es „in der Türkei den türkischen Bürgern bis heute nicht erlaubt, sich offen zum Christentum zu bekehren, da es gegenüber Konvertiten zu Diskriminierung kommt". Saudi Arabien und der Jemen gehören weiterhin zu den Golfländern, in denen eine strenge islamische Gesetzgebung gilt, die zum Beispiel auch die Todesstrafe für den so genannten Abfall vom Glauben vorsieht und jede religiöse Ausdrucksform und Praxis auch in privater Form verhindert, obschon in Saudi Arabien rund eine Million christlicher Zuwanderer leben".


Im Irak ist „die Lage der antiken christlichen Gemeinde zunehmend dramatisch, die nunmehr vom Aussterben bedroht ist und unter systematischen terroristischen Angriffen leidet", während im „Iran der schiitische Islam in seiner integralistischen Form von den religiösen Behörden garantiert wird und Staatsreligion bleibt. Dies führt zu einer Diskriminierung und Gewalt gegenüber anderen Religionen oder sogar gegen den sunnitischen Islam".


In Zentralasien gibt es in den „Republiken Kasachstan, Kyrgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan weiterhin mehr oder minder große Probleme, nicht nur im Hinblick auf die Religionsfreiheit, sondern auch, was die Achtung der anderen Menschenrechte anbelangt". In der islamischen Republik Pakistan wurden in der Zeit von „1986 bis 2010 mindestens 993 Menschen der Koranschändung oder der Beleidigung des Propheten Mohammed beschuldigt und damit Opfer des so genannten Blasphemie-Paragraphen". In Indien nimmt weiterhin „die Gewalt auf religiöser und ethnischer Basis zu", und Orissa ist dafür ein Beispiel.


Nordkorea gehört weiterhin zu den Ländern „in denen die Lebensbedingungen der Bürger am unmenschlichsten sind. Die Religionsfreiheit wird in allen ihren Aspekten verweigert, und die zur Verfügung stehenden Informationen über das, was im Land passiert, sind unzulänglich und schwer auffindbar." Der Bericht erinnert an große Hindernisse und Einschränkungen auch in Vietnam, Laos, Myanmar und China. Im bevölkerungsreichsten muslimischen Land, Indonesien, sind Christen und als „Häretiker" betrachtete muslimische Gruppen Opfer von Gewalt