Bernhard Letterhaus (1894-1944)

Christlicher Gewerkschaftsführer und Zentrumspolitiker

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 325 klicks

Bernhard Letterhaus wurde am 10. Juli 1894 in Wuppertal-Barmen geboren. Seine Familie war tiefgläubig. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Letterhaus von 1908 bis 1912 eine Lehre und besuchte von 1912 bis 1914 die Höhere Fachschule für Textilindustrie. Nach dem Ersten Weltkrieg war Letterhaus von 1921 bis 1927 Sekretär im Zentralverband der christlichen Textilarbeiter. 1927 wurde er Verbandssekretär der katholischen Arbeitervereine in Westdeutschland und 1928 zog er als Abgeordneter der Zentrumspartei in den Preußischen Landtag.

Bereits 1931 warnte Letterhaus vor dem Nationalsozialismus; damals war er Vizepräsident des Katholikentages in Münster. Ab 1933 rief er zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten auf.

„Falsche Propheten mit einem Kreuz auf der Fahne, das aber nicht das Kreuz des Welterlösers ist, ziehen durch Städte und Dörfer. Sie verwüsten die Herzen des leidenden Volkes“, so Bernhard Letterhaus vor dem Wahlsieg der Nationalsozialisten. 

Auch im Zweiten Weltkrieg leistete Letterhaus Wehrdienst. Seit 1942 war er in der Presseabteilung beim Oberkommando der Wehrmacht tätig. Letterhaus näherte sich immer mehr den Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus an. Ab 1942 traf er sich regelmäßig mit den Mitgliedern des „Kölner Kreises“, einem Zusammenschluss von Katholiken im Rheinland, die dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber standen.

Nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Bernhard Letterhaus am 25. Juli 1944 verhaftet. Er wurde ins Gefängnis in Berlin gebrachte, darauf folgte die Deportation in das Konzentrationslager Ravensbrück, bis Letterhaus wieder nach Berlin-Tegel verlegt wurde. Ein Mitgefangener, Pater Delp, schrieb über den Gefängnisalltag: „Eine halbe bis eine Stunde pro Tag werden alle Insassen im Freien herumgeführt, gut bewacht mit Gewehren. Da gehen wir denn alle im Kreise, alle gefesselt: Beamte, Offiziere, Arbeiter, Diplomaten und Wissenschaftler. An manchen Ecken kann man gegen die Wand sprechen, dann hört es der Hintermann. Von Zeit zu Zeit wird der Kreis der Rundgänger kleiner, dann heißt es: ‚Der ist verlegt‘ oder ‚Der ist auch nicht mehr da‘, und das bedeutet Tod.“

Am 13. November 1944 fand die Gerichtsverhandlung gegen Bernhard Letterhaus vor dem Volksgerichtshof statt. Er wurde zum Tode durch Erhängen verurteilt. Bernhard Letterhaus starb am 14. November 1944 in Berlin-Plötzensee. Seine Frau, Grete Letterhaus, erhielt das nüchterne Schreiben:

„Der Oberstaatsanwalt beim Volksgerichtshof Berlin W 9, den 20. November 1944 Bellevuestr. 15

Geschäftszeichen, 0 J 28/44

An Frau Grete Letterhaus, geb. Thiel in Kastellaun/Hunsrück Bucherstr.284

Der Verlagsabteilungsleiter und frühere Hauptmann der Reserve Bernhard Letterhaus ist wegen Hoch- und Landesverrat vom Volksgerichtshof des Großdeutschen Reiches zum Tode verurteilt worden.

Das Urteil ist am 14. November 1944 vollstreckt.

Die Veröffentlichung einer Todesanzeige ist unzulässig.“

Die Verurteilten hatten vor der Vollstreckung des Urteils stets den Zuspruch eines Seelsorgers in Anspruch nehmen können, bis ihnen das Recht darauf durch einen Erlass Adolf Hitlers versagt wurde. Domherr Pfarrer Peter Buchholz, der viele Jahre als Seelsorger in Berlin-Plötzensee, wo auch Bernhard Letterhaus inhaftiert war, arbeitete, äußerte dazu: „Es war meinem Kollegen und mir möglich, mit ihnen vor der Hinrichtung noch kurz zu sprechen, bevor uns die Nachricht erreichte, dass durch ein besonderes Verbot Hitlers der seelsorgerische Zuspruch vor dem Tode zu versagen sei — eine besonders grausame Härte, wenn man bedenkt, was, abgesehen von den religiösen Momenten, in den letzten Augenblicken zwischen Leben und Tod die tröstliche Nähe eines mitfühlenden und mittragenden Menschen bedeutet.“