Bernhard Lichtenberg (1875-1943)

Priester und Märtyrer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 351 klicks

„In Berliner Häusern wird ein anonymes Hetzblatt gegen die Juden verbreitet. Darin wird behauptet, dass jeder Deutsche, der aus angeblicher falscher Sentimentalität die Juden irgendwie unterstützt und sei es auch nur durch ein freundliches Entgegenkommen, Verrat an seinem Volke übt. Lasst Euch durch diese unchristliche Gesinnung nicht beirren, sondern handelt nach dem strengen Gebote Jesu Christi: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.‘“ (Bernhard Lichtenberg)

Bernhard Lichtenberg wurde am 3. Dezember 1875 in Ohlau (Schlesien), dem heutigen Olawa (Polen), geboren. Nach dem Studium der Theologie wurde Bernhard Lichtenberg 1899 zum Priester geweiht und nahm in Berlin seine Tätigkeit als Seelsorger in verschiedenen Gemeinden auf. Seit 1913 betreute Lichtenberg die Herz-Jesu-Kirche in Charlottenburg.

1931 wurde Lichtenberg zum Domkapitular und Ordinariatsrat ernannt. Ein Jahr später, 1932, übernahm er die Gemeinde St. Hedwig in Berlin. 1938 wurde er von Papst Pius XI. zum Dompropst dieser Kirche ernannt.

Bernhard Lichtenberg, der Abgeordneter der Zentrumspartei in der Stadtverordneten-Versammlung war, warnte unermüdlich vor den „Mächten der Finsternis“ und fiel damit bei den Nationalsozialisten negativ auf. Hausdurchsuchungen, Verwarnungen und andere Einschüchterungsversuche, die er seit 1933 erdulden musste, konnten Lichtenberg jedoch nicht davon abbringen, immer wieder zum Widerstand und Gebet aufzurufen. „Mein Führer ist Christus!“. Lichtenberg war aktives Mitglied des „Friedensbundes Deutscher Katholiken“, der bis zum 1. Juli 1933 Bestand hatte.

Lichtenberg protestierte öffentlich gegen die Konzentrationslager. Auch nach der Reichskristallnacht, vom 9. auf den 19. November 1938, betete Lichtenberg weiter im öffentlichen Abendgebet für die verfolgten Juden. „Was gestern war, wissen wir. Was morgen ist, wissen wir nicht. Aber was heute geschehen ist, haben wir erlebt. Draußen brennt der Tempel. Das ist auch ein Gotteshaus.“ Er selbst half Verfolgten, sich vor den Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen.

Am 28. August 1941 protestierte Bernhard Lichtenberg öffentlich gegen das Euthanasieprogramm der Nazis. Am 23. Oktober 1941 wurde er schließlich von der Gestapo verhaftet und in Untersuchungshaft verbracht. Am 22. Mai1942 wurde Lichtenberg wegen „Kanzelmissbrauchs und Vergehen gegen das Heimtückegesetz“ zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Am 23. November 1943 wurde Lichtenberg entlassen, aber von der Gestapo in Schutzhaft genommen. Da Lichtenberg eine „Gefährdung der Öffentlichkeit“ darstellte, sollte er in das KZ Dachau deportiert werden. Lichtenberg, der durch den Gefängnisaufenthalt erheblich geschwächt und schwer herz- und nierenkrank war, starb bei einem Zwischenaufenthalt in Hof am 5. November 1943. Der damalige Pfarrer von St. Marien, Michael Gehringer, spendete Bernhard Lichtenberg im Krankenhaus die Sterbesakramente.

Bernhard Lichtenberg wurde am 16. November 1943 in Berlin auf dem Friedhof von St. Hedwig unter großer Anteilnahme der Bevölkerung bestattet. Im August 1965 wurden seine sterblichen Überreste in die Krypta von St. Hedwig überführt.

Bernhard Lichtenberg wurde am 23. Juni 1996 vom seligen Johannes Paul II. in Berlin seliggesprochen.

„Bernhard Lichtenberg erkannte klar, dass dort, wo die Wahrheit Gottes nicht mehr geachtet wird, auch die Würde des Menschen verletzt wird. Wo die Lüge herrscht, regiert auch immer das falsche und böse Handeln: ‚Die Taten eines Menschen sind die Konsequenzen seiner Grundsätze. Sind die Grundsätze falsch, werden Taten nicht richtig sein ... Ich bekämpfe falsche Grundsätze, aus welchen falsche Taten entstehen müssen‘, schreibt er im Protokoll seiner ersten Vorführung vor den Nazirichtern, Und er nannte auch einige dieser falschen Grundsätze klar und deutlich beim Namen: ‚... die Beseitigung des Religionsunterrichtes an den Schulen. Kampf gegen das Kreuz ... Verweltlichung der Ehe, absichtliche Tötung angeblich lebensunwerten Lebens (Euthanasie), Judenverfolgung...‘ “, so der selige Johannes Paul II. während der Seligsprechungsfeier. 

Die Hofer gedenken bis heute Bernhard Lichtenbergs. 1992 ließen sie in St. Marien eine Bronzebüste für den Seligen anbringen, der „eine Ermahnung und Ermutigung zu aufrechter Haltung, zum Eintreten für Gerechtigkeit in unserer Zeit“ sei. In Berlin erinnert seit dem 2009 ein „Stolperstein“, der von dem Künstler Gunter Demnig bei der Kirche St. Hedwig verlegt wurde, an den seligen Bernhard Lichtenberg.