Berufen - geweiht – gesandt. Mit Pater Kentenich ins Priesterjahr

Interview mit Msgr. Dr. Peter Wolf Generalrektor der internationalen Priestergemeinschaft des Schönstatt-Instituts der Diözesanpriester

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ROM, 18. Juni 2009 (ZENIT.org ).- Mit einer feierlichen Vesper im Petersdom eröffnet Papst Benedikt XVI. am morgen, Freitag den 19. Juni das „Jahr der Priester". eröffnen Das Gedenkjahr, das unter dem Motto „Die Treue Jesu - Die Treue des Priesters" steht, erinnert an den vor 150 Jahren verstorbenen und als Pfarrer von Ars bekanntgewordenen Schutzpatron aller Pfarrer und Beichtväter, Jean-Baptiste Marie Vianney (1786-1859).

Zur feierlichen Eröffnung des Priesterjahres werden die Reliquien des Pfarrers von Ars aus dem ostfranzösischen Ars-sur-Formans nach Rom gebracht. Zum Abschluss am 19. Juni 2010 werden Priester aus aller Welt bei einer Zusammenkunft auf dem Petersplatz in Rom öffentlich ihr Treueversprechen gegenüber Christus erneuern.

ZENIT sprach mit Msgr. Dr. Peter Wolf (62) über seine Erwartungen an das kommende Jahr. Wolf ist Priester der Erzdiözese Freiburg. Dort wirkte er in der Berufungspastoral, in der Ausbildung der Ständigen Diakone und als Direktor des Collegium Borromaeum in der Priesterausbildung. Seit 1993 ist er Generalrektor der internationalen Priestergemeinschaft des Schönstatt-Instituts der Diözesanpriester und Mitglied des Generalpräsidiums des internationalen Schönstattwerkes.

ZENIT: Morgen beginnt das Priesterjahr. Welche Erwartungen verbinden Sie als Verantwortlicher einer weltweit verbreiteten Priestergemeinschaft damit?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Wie beim Paulusjahr war es für mich zunächst eine Überraschung, als Papst Benedikt im März dieses Jahres ein Priesterjahr angekündigt hat, eine Fügung des Heiligen Geistes. Ich verbinde damit zunächst die Erwartung, dass das Priesterjahr für viele Priester zu einem Jahr der Ermutigung wird. Dann wünsche ich mir, dass es von vielen Mitbrüdern, Gemeinden und geistlichen Gemeinschaften aufgegriffen wird und wie das Paulusjahr Kreativität und Leben weckt. Insgesamt erhoffe ich mir für viele in der Kirche, dass der Dienst der Priester ganz im Sinne des Konzils als Dienst am gemeinsamen Priestertum aller Getauften verstanden wird und mehr und mehr auch so erfahren werden kann.

ZENIT: Kardinal Claudio Hummes hat den Priestern zum Priesterjahr einen langen Brief geschrieben. Was hat Sie persönlich an diesem Brief am meisten bewegt?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Angesprochen hat mich am Brief von Kardinal Hummes, dass er von einem „positiven Jahr“ spricht, in dem die Kirche zeigen möchte, dass sie auf ihre Priester stolz und für ihren Dienst dankbar ist. Zwar nennt er Versagen von Priestern - bis hin zu strafbarer Schuld - aber darüber übersieht er nicht den viel größeren Einsatz und das positive Lebenszeugnis der überwiegenden Mehrheit der Priester.

ZENIT: Kardinal Hummes lädt dazu ein, den Beginn des Priesterjahres auch vor Ort zu begehen. Wie wird das Priesterjahr in Schönstatt eröffnet?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: In Schönstatt werden wir die Eröffnung des Priesterjahres mit der Bündnismesse am Vorabend des Herz-Jesu-Festes verbinden. P. Franz Brügger, der Provinzial der Schönstattpatres in Deutschland und Vorsitzender des Landespräsidiums, wird der Eucharistiefeier vorstehen und die Schönstattfamilie zur Mitfeier des Priesterjahres einladen.

ZENIT: In seinem Brief lädt der Kardinal dazu ein, in diesem Priesterjahr exemplarische Priestergestalten aus den Diözesen und Gemeinschaften vorzustellen. An welche Priestergestalten erinnern Sie sich da spontan? Was könnten sie den Priestern und der ganzen Kirche zeigen? Welcher Priester ist für Sie Vorbild?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Ich bin überzeugt, dass alle Diözesen bis in ihre neueste Geschichte hinein auf geschätzte und zum Teil hervorragende Priestergestalten verweisen können. Ich könnte mir denken, dass es sich lohnen würde, die Erinnerung an solche vorbildlichen Priester wach zu halten und z.B. in Bistumsblättern Monat für Monat solche Priester vorzustellen. Mir selber ist spontan das Lebenszeugnis von Pater Josef Kentenich, des Gründers der Schönstattbewegung und meiner Priestergemeinschaft, vor Augen. In seinen Aussagen und seinem priesterlichen Dienst sind mir viele Seiten des Priesterseins aufgegangen und er ist für mich zum Vorbild für mein eigenes Priestersein geworden. Ich denke auch an den seligen Karl Leisner, der im KZ Dachau zum Priester geweiht wurde. Sein Ringen um die Entscheidung für den Priesterberuf scheint mir exemplarisch und hilfreich zu sein gerade auch für junge Leute und Seminaristen im Umgang mit der Frage nach der Berufung.

ZENIT: Sie haben zum Priesterjahr ein Buch herausgegeben? Um was geht es darin? Und was hat Sie dazu bewegt, es gerade jetzt zu tun?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Noch bevor ich von der Absicht des Heiligen Vaters wusste, ein Priesterjahr auszurufen, hatte ich zusammen mit Mitbrüdern aus meiner Priestergemeinschaft im Blick auf das 100jährige Jubiläum der Priesterweihe Pater Kentenichs (8.Juli 2010) eine Textsammlung mit Zeugnissen unseres Gründers zum Priestertum begonnen. Es sind Texte eines großen Priesterseelsorgers, bei dem in den 30er Jahren etwa ein Drittel des deutschen Klerus an Exerzitien teilgenommen hat. Bei der Auswahl der Texte hatte ich besonders Mitbrüder im Blick, die Stoff für die persönliche Besinnung und Reflexion auf ihren priesterlichen Dienst suchen. Es ist eine glückliche Fügung der Vorsehung, dass dieses Buch schon so weit geplant war, dass es nun zum Beginn des Priesterjahres zur Verfügung steht. Das Buch trägt den Titel: „Berufen - geweiht - gesandt“ und ist im Schönstatt-Verlag erschienen.

ZENIT: Welches sind die wichtigsten Themen, die in diesem Buch angesprochen werden, vor allem in Blick auf das Priesterjahr?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: In dem Buch finden sich Texte zu den Herausforderungen und gegensätzlichen Erwartungen an den Priester, Ausführungen zur Frage des priesterlichen Selbstverständnisses sowie zum geistlichen Leben und Lebensstil des Priesters. Vielleicht nenne ich Ihnen einfach einige der Überschriften: Erwartungen an die Priester. Teilhabe am Priestertum Christi. Eine zutiefst prophetische Aufgabe. Orientierung am Guten Hirten. Der Priester und die Gottesmutter. Priester nicht im Alleingang. Bereitschaft für neue Berufungen….

ZENIT: In welchen Sprachen wird das Buch erscheinen?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Aus ersten Rückmeldungen auf das Buch aus der Internationalen Schönstatt-Bewegung weiß ich bis jetzt um folgende Initiativen: In Chile haben die Schönstattpatres eine Übersetzung ins Spanische begonnen. In Brasilien gibt es den Plan einer Übersetzung ins Portugiesische durch die Provinz der Marienschwestern. In den USA ist eine englische Version am Entstehen und in Burundi wurde eine französische Übersetzung in Angriff genommen.

ZENIT: Wie werden die Priestergemeinschaften Schönstatts das Priesterjahr gestalten?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Die schönstättischen Priestergemeinschaften hatten bereits vor der Ankündigung aus Rom den Plan, das kommende Jahr im Licht des hundertjährigen Priesterjubiläums ihres Gründers zu begehen. Ihnen ist es ein Anliegen, dieses Jahr zur Besinnung auf das Priestertum und seine ureigene Sendung zu nutzen. Im Blick auf dieses Jubiläum sind außerdem zwei weitere Veröffentlichungen geplant: einmal ein Buch mit Lebenszeugnissen über den Priester Josef Kentenich und ein Buch in der Art einer Festschrift mit Reflexionen zum Priestertum. In unseren Priestergemeinschaften sind das Jahr über Exerzitien vorgesehen, die eine Besinnung auf die Gnade und Herausforderung der Priesterweihe anzielen. Die Textsammlung möchte eine Hilfe sein für die persönliche geistliche Besinnung, aber auch für Gespräche in den Gruppen und Kursen der Gemeinschaften. Eine Planungsgruppe arbeitet daran, vielen Mitbrüdern aus aller Welt eine Teilnahme am großen Abschlusstreffen des Priesterjahres mit dem Heiligen Vater auf dem Petersplatz zu ermöglichen. Darüber hinaus haben wir in Zusammenarbeit mit den Priestern der Focolarbewegung die Initiative zu einem großen Kongress in Rom ergriffen, der einen internationalen geistlichen Austausch unter Priestern in Gang bringen will. In Schönstatt werden wir den Abschluss des Priesterjahres im Zusammenhang mit dem Jubiläum der Priesterweihe unseres Gründers feiern. In Limburg werden wir den Weihetag des Gründers mit Bischof Dr. Tebartz-van Elst im Dom begehen und im Missionshaus der Pallottiner zu Gast sein, wo Pater Kentenich am 8.7.1910 geweiht wurde.

ZENIT: Was sehen Sie als Kernanliegen für das Priesterbild in dieser Zeit?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Es wird nach meiner Meinung entscheidend sein, dass Priester mit ihrem Dienst und ihrer Existenz für Gott einstehen und den Horizont für ihn offen halten. Ihre Aufgabe als „Brückenbauer“ gewinnt neue Aktualität, je mehr für dieseitsorientierte Menschen die Welt Gottes aus dem Blick zu geraten scheint.

ZENIT: Was sehen Sie als zentrale Botschaft Pater Kentenichs für die Priester heute?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Pater Kentenich hat sich selbst in seinem Priestersein sehr an Paulus orientiert; er hat deshalb die Mitbrüder oft eingeladen, bei Paulus in die Schule zu gehen. Sein Selbstverständnis als Priester zeigt ausgeprägt paulinische und prophetische Züge. Er versteht den Priester nicht primär oder gar ausschließlich von seiner hervorgehobenen Rolle in der Liturgie her, sondern versteht ihn als einen, der wie Paulus herausgefordert ist, wie ein Vater oder eine Mutter Lebensträger zu sein: in der Gründung von Gemeinden und der Weckung neuen christlichen Lebens. Für Pater Kentenich ist der Priester berufen, in selbstloser Weise der Berufung zum gemeinsamen Priestertum aller Getauften und der besonderen Berufung jedes und jeder einzelnen zu dienen. Pater Kentenich würde uns nach meiner Meinung sehr dazu ermutigen, das Priesterjahr als Fortführung des Paulusjahres zu begreifen und diese Verbindungslinien fruchtbar zu machen. Da unsere Zeit in vieler Hinsicht der des hl. Paulus ähnlich ist, braucht es ein paulinisch akzentuiertes Priesterbild, in dem die missionarischen und prophetischen Züge stärker aufleuchten

ZENIT: Sie haben Pater Kentenich noch persönlich erlebt – was ist Ihre stärkste Erinnerung an ihn als Priester?

--Msgr. Dr. Peter Wolf: Wenn Sie mich nach dem persönlichen Erleben mit Pater Kentenich fragen, fällt mir auf, dass ich ihn nicht bei der Feier der Eucharistie erlebt habe, sondern lediglich aus Begegnungen in einer Gruppe oder bei Vorträgen im großen Kreis in Erinnerung habe. Und doch war immer klar: Da begegne ich einem überzeugenden Priester, der für Gott und seine Welt steht. Schon als Student war mir in den Texten von Pater Kentenich das Wort von der „Realität der Übernatur“ aufgefallen. Er wurde mir mehr und mehr ein glaubwürdiger Zeuge für die Wirklichkeit des Glaubens. Ihm ging es um eine nüchterne, vorsehungsgläubige Art, mit dem Gott des Leben einen Weg zu gehen und an seiner Liebe festzuhalten. Sein Umgang mit den Herausforderungen seines Lebens bis hin zum Konzentrationslager und Exil wurden mir zum Erweis seiner Glaubwürdigkeit. Die innere Verbindung mit diesem Glaubenszeugen hilft mir, an Gott zu glauben und andere dazu zu ermutigen. Was kann man Schöneres von einem Priester sagen?

[Peter Wolf (Hrsg.):Berufen - geweiht – gesandt. Ausgewählte Texte von Pater Josef Kentenich über das Priestertum. 179 Seiten - 12,80 Euro.ISBN 978-3-935396-21-9 Schönstatt-Verlag, 56179 Vallendar]