Beslan: "Caritas International" hilft Opfern des blutigen Geiseldramas vor einem Jahr auch heute noch

50 Prozent der Bevölkerung verdienen weniger als das Existenzminimum

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BESLAN, 1. September 2005 (ZENIT.org).- Vor genau einem Jahr, am 1. September 2004, verschanzten sich tschetschenische Rebellen in einer Schule der ossetischen Provinzstadt Beslan im Nordkaukasus und nahmen mehr als 1.100 Kinder, Eltern und Lehrer als Geiseln. Zwei Tage später kamen 331 Menschen, darunter 186 Kinder, in einem von den russischen Sicherheitskräften heraufbeschworenen blutigen Feuergefecht ums Leben. Und jetzt, ein Jahr nach dem Geiseldrama von Beslan, sind die Stadtbewohner noch weit von einem normalen Leben entfernt.



"Die Stadt ist leicht verwundbar geworden“, berichtet Irmgard Rotzek, Mitarbeiterin von "Caritas International". "Die meisten Menschen fühlen sich in der Stadt nicht mehr sicher und wollen fortziehen.“ Der Lernprozess der nach dem Anschlag traumatisierten Schüler sei deutlich gestört, noch immer brächen Kinder im Unterricht zusammen. "Einige ziehen sich zurück in die Stille, andere reagieren übererregt, nervös und aggressiv.“

Seit einem Jahr unterstützt "Caritas international" die psychologische Betreuung der Anschlagsopfer und ihrer Angehörigen. Über diese psychologische Rehabilitation hinaus stattet Caritas ein Berufsausbildungszentrum aus und baut ein Zentrum zur sozial-psychologischen Betreuung auf. In den ersten Monaten nach dem Anschlag waren zudem Medikamente, Lebensmittel, Kleidung und Schulsets verteilt worden.

Trotz internationaler Hilfe ist die soziale Situation der Menschen schwierig. 50 Prozent der Bevölkerung verdienen weniger als das Existenzminimum. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Zudem stiegen die Preise für Immobilien nach dem Anschlag stark an, Lebensmittel und Kleidung kosten heute 20 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Vereinigung "Mütter von Beslan", die unmittelbar nach der Katastrophe entstanden war und sich aus betroffenen Eltern und Verwandten zusammensetzt, ist davon überzeugt, dass die Behörden eine Mitschuld am Tod der Kinder haben. In einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme erklärten sie: "Wir Eltern und Verwandte der Terroropfer haben jede Hoffnung auf eine gerechte Aufklärung der Tragödie verloren. Wir wollen nicht mehr in einem Land leben, in dem der Mensch nichts zählt". Die Trauerfeierlichkeiten für die Opfer von Beslan, die heute, Mittwoch, eingeläutet wurden, werden bis zum Samstag andauern.