Besondere Ablässe zum „Jahr des Priesters"

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ROM, 14. Mai 2009 (ZENIT.org).- Im „Jahr des Priesters", das zur Feier des 150. Todestages des heiligen Pfarrers von Ars, Jean-Baptiste Marie Vianney (1786-1859), vom 19. Juni 2009 bis zum 19. Juni 2010 stattfinden wird, gewährt Papst Benedikt XVI. einen vollkommenen Ablass.

Das besondere Priesterjahre soll nach Worten des Heiligen Vaters vor allem dazu dienen, „die Bedeutung der Rolle und der Sendung des Priesters in der Kirche und in der zeitgenössischen Gesellschaft immer deutlicher wahrnehmbar werden zu lassen" (vgl. Ansprache vor Mitgliedern der Kongregation für den Klerus). Das Jahresmotto lautet deshalb: „Treue zu Christus, Treue des Priesters".

Form und Bedingungen des Ablasses zum „Jahr der Priester" gab die Apostolische Pönitentiarie vorgestern, Dienstag, mit der Veröffentlichung eines von Großpönitentiar Kardinal James Francis Stafford unterzeichneten Dekrets bekannt. Die üblichen Voraussetzungen für den Empfang eines Ablasses sind die persönliche Beichte, die Eucharistie und das Gebet in den Anliegen des Papstes.

Priester erlangen einen vollkommenen Ablass, wenn sie neben den genannten Bedingungen an einem bestimmten Tag „ehrlich bußfertig" die Laudes oder die Vesper vor dem ausgesetzten Allerheiligsten oder dem Tabernakel beten und mit Hingabe die Sakramente spenden, insbesondere das Bußsakrament. Der Ablass kann auch für einen verstorbenen Mitbruder erlangt werden. Priester können im „Jahr des Priesters" auch einen teilweisen Ablass erlangen - jedes Mal, wenn sie ehrfürchtig kirchlich approbierte Gebete beten und ihre Pflichten erfüllen. Auch dieser teilweise Ablass kann für Verstorbene erworben werden.

Die Gläubigen erhalten einen vollkommenen Ablass, wenn sie die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen, andächtig an der Feier der heiligen Messe teilnehmen und für die Priester beten oder ein gutes Werk zur Heiligung der Priester tun. Besonders geeignete Tage, um einen vollkommen Ablass zu erlangen, sind nach Angaben des Heiligen Stuhls der erste und letzte Tag des Priesterjahres; der 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars (4. August), jeweils der erste Donnerstag im Monat (im Gedenken an Gründonnerstag, an dem Jesus Christus die Eucharistie und das Priestertum eingesetzt hat) beziehungsweise jeder Tag, den die Bistümer dafür vorschlagen.

Kranke oder alte Menschen, die nicht in der Lage sind, ihr Haus zu verlassen, können einen vollkommenen Ablass erlangen, wenn sie in der festen Absicht, die erforderlichen drei Bedingungen möglichst bald zu erfüllen, an einem bestimmten Tag für die Heiligung der Priester beten und ihre Leiden auf die Fürsprache der Jungfrau Maria, Königin der Apostel, Gott als Opfer darbringen.

Jeder Gläubige kann im Priesterjahr einen teilweisen Ablass erlangen, wenn er oder sie für die Heiligung der Priester fünf Vaterunser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater oder jedes andere kirchlich approbierte Gebet betet. Anliegen dieses Gebetes „zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu" sollte sein, „dass die Priester die Reinheit und Heiligkeit des Lebens bewahren".

Der Ablass (lateinisch „indulgentia") gehört zur Bußpraxis der Kirche und ist Teil der Verwirklichung des dritten Aspekts des Sakraments der Buße. Neben dem reumütigen Herzen („contritio cordis") und dem ausgesprochenen Bekenntnis der Sünden („confessio oris") bedarf es zur Sündenvergebung der Genugtuung durch Werke („satisfactio operis").

Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche (Codex Iuris Canonici, can. 992) und der „Katechismus der Katholischen Kirche" (Nr. 1471) bestimmen den Ablass als „Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet".

Die „zeitlichen Sündenstrafen" sind eine Genugtuung in Form einer Buße, die jeder Sünder für seine Sünden leisten muss, auch nachdem diese in der Beichte vergeben wurden. Der Ablass ist ein besonderer göttlicher Gnadenakt und vollzieht sich nach der im Bußsakrament gewährten Vergebung.

Die Apostolische Pönitentiarie ist neben dem Obersten Gerichtshof der Apostolischen Signatur und der Römischen Rota der dritte oberste Gerichtshof der katholischen Kirche, wobei es sich nicht um ein Kirchengericht im strikten Sinn handelt, sondern eher um eine Institution zur rechtlichen Klärung von Fragen über den sakramentalen wie den nichtsakramentalen Gewissensbereich. Zu den Aufgaben des Leitungsgremiums (Kardinal-Großpönitentiar, Regent und fünf Prälaten, denen eine beratende Funktion zukommt) und aller Mitarbeiter der Apostolischen Pönitentiarie gehören die Gewährung von Gnadenerweisen, das Ablasswesen, Absolutionen, Dispensen, Nachlass von Strafen usw.

Zur feierlichen Eröffnung des „Jahres des Priesters" werden die Reliquien des heiligen Pfarrers von Ars, dem Schutzpatron der Priester, aus dem französischen Ars-sur-Formans nach Rom gebracht werden, und zum feierlichen Abschluss am 19. Juni 2010 wird es auf dem Petersplatz in Rom eine Zusammenkunft von Priestern aus aller Welt geben, die öffentlich ihr Treueversprechen gegenüber Christus erneuern werden.

Von Dominik Hartig