Besondere Ablässe zum Paulus-Jahr

Die Apostolische Pönitentiarie veröffentlicht „Urbis et Orbis“ das Ablassdekret

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ROM, 13. Mai 2008 (ZENIT.org).- Anlässlich des Paulus-Jahres – vom 28. Juni 2008 bis zum 29. Juni 2009 wird die Kirche des 2000. Geburtstages des Völkerapostels gedenken – hat Papst Benedikt XVI. besondere Ablässe gewährt. Form und Bedingungen der Ablässe teilte die Apostolische Pönitentiarie mit der Veröffentlichung eines entsprechenden Dekretes am 10. Mai mit.

Die Apostolische Pönitentiarie ist neben dem Obersten Gerichtshof der Apostolischen Signatur und der Römischen Rota der dritte oberste Gerichtshof der katholischen Kirche, wobei es sich nicht um ein Kirchengericht im strengen Sinn, sondern eher um einen kurialen Gnadenhof für den sakramentalen wie den nichtsakramentalen Gewissensbereich geht. Zu den Aufgaben des Leitungsstabs (Kardinal-Großpönitentiar, Regent und fünf Prälaten, denen eine beratende Funktion zukommt) und aller Mitarbeiter der Apostolischen Pönitentiarie gehören die Gewährung von Gnadenerweisen, das Ablasswesen, Absolutionen, Dispensen, Nachlass von Strafen usw.



Der Papst wolle mit seiner Entscheidung rechtzeitig für die geistlichen Schätze sorgen, die den Gläubigen zu ihrer Heiligung zugestanden werden, damit sie schon ab der ersten Vesper des Hochfestes der heiligen Apostelfürsten Peter und Paul ihre Vorsätze zum übernatürlichen Heil erneuern und stärken könnten, heißt es in dem Dokument.

„Das Geschenk der Ablässe, das der Römische Papst der Weltkirche anbietet, ebnet den Weg, um im höchsten Grad aus der inneren Reinigung zu schöpfen, die das übernatürliche Leben im Herzen der Gläubigen feiert… und sie freundlich dazu anspornt, Früchte guter Werke zu bringen.“

Alle Gläubige, die wirklich bußfertig, durch das Bußsakrament gereinigt und durch die heilige Kommunion gestärkt sind sowie ergeben in der Päpstlichen Basilika Sankt Paul vor den Mauern und nach Meinung des Papstes beten, können demnach einen vollkommenen Ablass erlangen, der auch den armen Seelen im Fegfeuer gewidmet werden kann. Der vollkommene Ablass kann allerdings nur einmal am Tag erlangt werden, wie es die Normen vorsehen.

Damit die Gläubigen inniger des heiligen Paulus gedenken, wurde Folgendes festgelegt: Die Gläubigen sollten ihre Gebete vor dem Altar des Allerheiligsten Sakramentes zu Gott richten und sich dann zum Confessio-Altar der Basilika begeben, wo sie das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis beten und eine Anrufung an den heiligen Paulus und die Jungfrau Maria hinzufügen.

Die Gläubigen können nicht nur in Rom, sondern auch in den einzelnen Ortskirchen einen vollkommenen Ablass empfangen, wenn sie die erforderlichen Voraussetzungen beachten (Beichte, Kommunion, Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters) und an einer öffentlichen heiligen Messe oder liturgischen Feier zu Ehren des Völkerapostels teilnehmen. Das ist in den Tagen der feierlichen Eröffnung und des Abschlusses des Paulus-Jahres an allen heiligen Orten möglichen sowie an jenen Tagen, die vom Ortsbischof festlegt werden – an allen Stätten, die dem heiligen Paulus geweiht sind, und überall dort, wo dies die Ortsbischöfe vorsehen.

Die alten Menschen, die Kranken und alle, die aus gutem Grund nicht imstande sind, ihre Wohnung zu verlassen, können – vorausgesetzt, sie bereuen jede Sünde und beabsichtigen, sobald wie möglich die üblichen drei Bedingungen zu erfüllen – zu Hause oder dort, wo die Umstände sie festhalten, den vollkommenen Ablass erlangen, wenn sie voller Sehnsucht im Herzen geistig an einer Feier zu Ehren des heiligen Paulus teilnehmen und Gott ihr Gebet und ihre Leiden für das Anliegen der Einheit der Christen darbringen.

Der Ablass (lateinisch „indulgentia“) gehört zur Bußpraxis der Kirche und ist Teil der Verwirklichung des dritten Aspekts des Sakraments der Buße. Neben dem reumütigen Herzen („contritio cordis“) und dem ausgesprochenen Bekenntnis der Sünden („confessio oris“) bedarf es zur Sündenvergebung der Genugtuung durch Werke („satisfactio operis“). Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche (Codex Iuris Canonici, can. 992) und der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nr. 1471) bestimmen den Ablass als „Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet“.

Die „zeitlichen Sündenstrafen“ sind eine Genugtuung in Form einer Buße, die jeder Sünder für seine Sünden leisten muss, auch nachdem diese in der Beichte vergeben wurden. Der Ablass ist ein besonderer göttlicher Gnadenakt und vollzieht sich nach der im Bußsakrament gewährten Vergebung.