Besorgnis und Befremden über antikirchliche Äußerungen in Saudi-Arabien

Erzbischof Zollitsch: Aufforderung zur Zerstörung von Kirchen destabilisiert labile Situation in der arabischen Welt

| 926 klicks

ROM, 28. März 2012 (ZENIT.org). - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, habe „Besorgnis und großes Befremden“ über jüngste Äußerungen des saudi-arabischen Großmuftis Abd al-Aziz Ibn Abdullah Al asch-Schaich zum Ausdruck gebracht, wie die Deutsche Bischofskonferenz verlauten ließ.

Auf eine Anfrage kuwaitischer Abgeordneter zum Bau von Kirchen in deren Land hatte der Großmufti erklärt, dass der Bau neuer Kirchen auf der Arabischen Halbinsel unerlaubt sei. Auch sollten sämtliche Kirchen in diesem Gebiet zerstört werden. Der hochrangige Rechtsgelehrte begründete diese Weisung, die nicht im Koran zu finden ist, mit einem Ausspruch (Hadith) Muhammads.

Erzbischof Zollitsch habe es als „unerträglich“ bezeichnet, dass durch solche Äußerungen eines führenden Religionsvertreters die ohnehin labile Situation in der arabischen Welt weiter destabilisiert werde. Der Großmufti lasse „jeden Respekt für die Religionsfreiheit und das friedliche Zusammenleben der Religionen vermissen. Er verneine das Existenzrecht von Kirchen und Christen auf der Arabischen Halbinsel. Zollitsch habe darauf hingewiesen, dass der wirtschaftliche Aufschwung der Arabischen Halbinsel, einschließlich von Saudi-Arabien, sich auch einer großen Zahl ausländischer Spezialisten und Arbeiter verdanke, unter denen sich auch viele Christen befänden.

„Es wäre ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen, wenn man ihnen die wenigen christlichen Gottesdienststätten nehmen würde“, so Zollitsch.

Während in Saudi-Arabien nach wie vor jegliche öffentliche Präsenz des Christentums untersagt ist, betrieben einige der Nachbarländer auf der Arabischen Halbinsel in jüngster Vergangenheit eine offenere Politik und erlaubten auch den Bau christlicher Kirchen.

Erzbischof Zollitsch habe auch daran erinnert, dass der saudische König Abdullah Ibn Abd al-Aziz in den zurückliegenden Jahren seinen Wunsch nach einem Gespräch der Religionen wiederholt unterstrichen habe. So gingen ein Kongress zur Förderung des interreligiösen Dialogs in Madrid (2008) und die Gründung eines interreligiösen Dialogzentrums in Wien (2011) auf seine Initiative zurück.

„Diese auf Ausgleich und wechselseitiges Verständnis gerichtete Politik wird durch die Fatwa des obersten Muftis Saudi-Arabiens vollständig konterkariert.“

Zollitsch habe die hochrangigen politischen und religiösen Führer in der muslimischen Welt aufgefordert, den Erlass des saudi-arabischen Großmuftis eindeutig zurückzuweisen. Für die katholische Kirche in Deutschland gelte weiterhin: „Wir treten mit Entschiedenheit für die Religionsfreiheit aller Menschen in unserem Land ein. Und mit nicht geringerem Nachdruck fordern wir die gleichen Rechte für Christen in jenen Ländern, in denen die Muslime die Mehrheit stellen.“