Besuch in der „Fazenda da Esperança“: Benedikt XVI. begegnet den Schwestern der heiligen Klara

„Geste der Zuneigung des Nachfolgers Petri gegenüber den Klausurschwestern“

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GUARATINGUETA, 12. Mai 2007 (ZENIT.org). Am vierten Tag seiner ersten interkontinentalen Apostolischen Reise besuchte Papst Benedikt XVI. die in der Nähe des brasilianischen Nationalheiligtums Aparecida gelegene Drogenentzugsanstalt „Fazenda da Esperança“ („Farm der Hoffnung“).



Die „Fazendas da Esperança“ für die Rehabilitierung von jungen Drogen- und Alkoholabhängigen entstanden in Guaratinguetá im Jahr 1979 auf Initiative des aus Paderborn stammenden Franziskaners Hans Stapel OFM. Er folgte der Aufforderung des Evangeliums: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).

Die pastorale Initiative der Fazenda wurde vom Erzbischof von Aparecida, Kardinal Alois Lorscheider, 1999 als Vereinigung von Gläubigen anerkannt. Die Spiritualität der „Familie Hoffnung“ inspiriert sich sowohl an der Fokolar-Bewegung als auch am franziskanischen Vorbild. Sie zählt heute 32 Gemeinschaften in ganz Brasilien. Darüber hinaus ist sie in Mexiko, Guatemala, Paraguay, Argentinien, Mozambique, auf den Philippinen und auch in Deutschland (Berlin) vertreten. Zum ihrem Charisma gehört der Dienst an Drogenabhängigen, unverheirateten jungen Mütter, bedürftigen Familien, Obdachlosen uns Aids-Kranken im Endstadium.

28 Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen kümmern sich zusammen mit über 8.000 Volontären um mehr als 3.000 Menschen, die in den verschiedenen Gemeinschaften untergebracht worden sind.

Gegenüber ZENIT hatte Fanziskanerpater Hans Stapel im Vorfeld des Papstbesuchs erklärt: „Wir haben nicht Unterricht oder sonst etwas, wir haben gelebtes Leben. Das ist das Geheimnis. Man muss anfangen. Das Leben ist einfach. Dort, wo man etwas verkompliziert, ist es nicht mehr göttlich, da ist Menschliches am Werk“ (vgl. Interview Anfangen, für die anderen zu leben ).

Die erste Etappe des Heiligen Vaters in Guaratinguetá bestand im Besuch der neuen Kirche der „Fazenda da Esperança“, wo er den Klausurschwestern der heiligen Klara begegnete. Nach einem Augenblick des stillen Gebets wandte sich der Papst an die Klarissinnen.

Benedikt XVI. bezeichnete seinen Besuch als eine „Geste der Zuneigung des Nachfolgers Petri gegenüber den Klausurschwestern“; er solle zudem als ein „heiterer Erweis der Liebe“ gelten, „die über diesen Hügeln und Tälern der Gebirgskette von Mantiqueira widerhallt und sich auf der ganzen Erde verbreitet: ‚Ohne Worte und ohne Reden, unhörbar bleibt ihre Stimme. Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde‘ (Ps 19, 4-5)“.

Wo es in den Augen der Gesellschaft keine Zukunft oder Hoffnung mehr gebe, seien die Christen dazu berufen, die Kraft der Auferstehung Jesu zu verkünden. Gerade in der „Fazenda da Esperança“, der Wohnstatt vieler drogenabhängiger junger Menschen, werde das Evangelium Christi inmitten einer konsumorientierten und gottfernen Gesellschaft bezeugt.

So komme die „ganz andere Sicht“ des Schöpfers auf sein Werk zum Ausdruck, fuhr Benedikt XVI. fort. Gerade die Klarissinnen könnten in der Kontemplation die Größe Gottes erforschen und die Schönheit der Geschöpfte entdecken – diesen Gott, der „angesichts seines Werks, seines geliebten Geschöpfs verzückt ist und es bewundert“.

Der auferstandene Christus heile die Wunden der Menschen, die durch die Sünde verletzt worden sein; er rette die Menschheit „vor dem Tod, vor der Sünde und vor der Knechtschaft der Leidenschaften“. Gerade auf der „Farm der Hoffnung“ vereinten sich, so Benedikt XVI., die Gebete der kontemplativen Schwestern mit „der harten Arbeit der Medizin und der Ergotherapie, um die Kerker zu besiegen und die Ketten der Drogen zu sprengen, die die geliebten Kinder Gottes leiden lassen“. Dadurch werde die Schönheit der Geschöpfe, die ihren Schöpfer bezaubere, wieder hergestellt. Die Schönheit der Geschöpfe und die Liebe Gottes seien untrennbar miteinander verbunden. Und in dieser Liebe habe P. Hans die Schwestern zu sich geholt.

„Mit der Kraft des stillen Gebets, mit dem Fasten und der Buße leben die Töchter der heiligen Klara das Gebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten“, unterstrich der Papst, der die Schwestern dazu anhielt, selbst diejenigen zu sein, die rufen: „Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen!“