"Beten wir zu Jesus Christus, dem Fürsten des Friedens, dass die Verhärtung der Herzen aufhört und die Waffen endlich schweigen": Eindringlicher Friedensappell des Papstes beim Angelus-Gebet am 30. Juli

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CASTEL GANDOLFO, 22. August 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die vom Heiligen Stuhl erstellte Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. zwei Tage nach seiner Ankunft in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo hielt.



Im Namen Gottes appellierte der Papst damals an alle Beteiligten der kriegerischen Auseinandersetzung im Libanon und im Heiligen Land, "sofort die Waffen niederzulegen". Echter Friede könne niemals durch Gewalt erzwungen werden, fuhr er fort. "Mehr denn je sehen wir, dass die Stimme der Kirche prophetisch und gleichzeitig realistisch ist, wenn sie angesichts von Kriegen und Konflikten jeder Art den Weg der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Liebe und der Freiheit vorgibt."

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Liebe Brüder und Schwestern!

Vor zwei Tagen, nach Beendigung meines Aufenthalts im Aosta-Tal, bin ich direkt hierher nach Castel Gandolfo gekommen. Ich habe die Absicht, bis zum Ende des Sommers hier zu bleiben, mit einer kurzen Unterbrechung im September für meine Apostolische Reise nach Bayern. Zuallererst möchte ich meinen herzlichen Gruß an die kirchliche und zivile Gemeinschaft dieses schönen Städtchens richten; ich komme immer gerne hierher. Von Herzen danke ich dem Bischof von Albano, dem Pfarrer und den Priestern sowie dem Bürgermeister, der Gemeindeverwaltung und den anderen zivilen Obrigkeiten. Einen besonderen Gruß richte ich an die Leitung und das Personal der Päpstlichen Villen sowie an die Ordnungskräfte, denen ich für ihre wertvollen Dienste danke. Darüber hinaus begrüße ich die zahlreichen Pilger, die mit ihrer lebhaften Anwesenheit dazu beitragen, den universalkirchlichen Charakter unserer Zusammenkunft zum Mariengebet auch in der mehr familiären Umgebung der Sommerresidenz hervorzuheben.

In dieser Stunde denke ich natürlich an die Situation im Nahen Osten, die sich immer ernster und tragischer gestaltet: Hunderte von Toten, zahllose Verletzte, eine unüberschaubare Anzahl von Obdachlosen und Evakuierten, zerstörte Häuser, Städte und Infrastrukturen, während in den Herzen vieler Menschen der Hass und das Verlangen nach Rache zuzunehmen scheinen. Diese Tatsachen zeigen deutlich, dass es nicht möglich ist, die Gerechtigkeit wiederherzustellen, eine neue Ordnung zu schaffen und einen echten Frieden aufzubauen, wenn man auf gewaltsame Mittel zurückgreift. Mehr denn je sehen wir, dass die Stimme der Kirche prophetisch und gleichzeitig realistisch ist, wenn sie angesichts von Kriegen und Konflikten jeder Art den Weg der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Liebe und der Freiheit vorgibt, so wie dies die unvergängliche Enzyklika Pacem in terris des seligen Papstes Johannes XXIII. tat. Diesen Weg muss die Menschheit auch heute gehen, um das ersehnte Gut des wahren Friedens zu erlangen.

Im Namen Gottes wende ich mich an alle Verantwortlichen dieser Spirale der Gewalt, auf allen Seiten sofort die Waffen niederzulegen! Die Regierenden und die internationalen Organisationen bitte ich, keine Mühe zu scheuen, um zu der so notwendigen Beilegung der Feindseligkeiten zu gelangen und auf diese Weise mittels des Dialogs mit dem Aufbau eines dauerhaften und stabilen Zusammenlebens aller Völker im Nahen Osten zu beginnen. Die Menschen guten Willens bitte ich, die Sendungen humanitärer Hilfsgüter zugunsten der so schwer geprüften und Not leidenden Bevölkerung fortzusetzen und zu verstärken. Vor allem aber möge auch weiterhin aus jedem Herzen das vertrauensvolle Gebet zum guten und barmherzigen Gott aufsteigen, auf dass er dieser Region und der ganzen Welt seinen Frieden gewähre.

Diese inständige Bitte vertrauen wir der Fürsprache Marias an, der Mutter des Friedensfürsten und Königin des Friedens, die in den Ländern des Nahen Ostens so sehr verehrt wird, in der Hoffnung, dort bald jene Versöhnung herrschen zu sehen, für die der Herr Jesus sein kostbares Blut vergossen hat.

[Nach dem Gebet des "Engel des Herrn" sagte der Heilige Vater auf Französisch:]

Liebe französischsprachige Freunde, ihr seid gekommen, um am Angelusgebet teilzunehmen, und ich begrüße euch herzlich. Durch die Fürsprache der Jungfrau Maria möge Christus, der sich zu unserer Nahrung gemacht hat, den Wunsch nach Frieden und brüderlicher Eintracht allen Menschen ins Herz legen. Bitten wir ihn inständig um das Geschenk des Friedens für all diejenigen, die in dem Land leben, in dem er selbst gelebt hat, und für alle Menschen im ganzen Gebiet des Nahen Ostens. Der Herr segne euch und eure Familien.

[Auf Englisch:]

Mit Freude begrüße ich alle Pilger und Besucher englischer Sprache, die bei diesem sonntäglichen Angelusgebet anwesend sind, besonders die Gruppe junger Menschen der Bewegung "Regnum Christi". Im heutigen Evangelium sehen wir, wie Jesus die hungrige Menschenmenge speist. Mit derselben großherzigen Liebe schenkt er uns auch weiterhin jeden Tag das Brot des Lebens. Möge die Eucharistie uns stets in unserer Liebe zu Gott bestärken und unsere Herzen für die Mitmenschen öffnen, vor allem für die Notleidenden! Ich wünsche euch allen einen gesegneten Sonntag!

[Auf Deutsch:]

Gerne grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher hier in Castel Gandolfo. Der Krieg im Nahen Osten und seine Grausamkeiten überschatten diesen Sommer. Umso stärker wird unsere Sehnsucht nach Frieden. Beten wir zu Jesus Christus, dem Fürsten des Friedens, dass die Verhärtung der Herzen aufhört und die Waffen endlich schweigen! Mit dem Wunsch, dass alle, die sich Christen nennen, Zeugen für die Liebe Christi unter den Menschen seien, erbitte ich euch allen eine froh machende, erholsame und stärkende Urlaubszeit!

[Auf Spanisch:]

Ich begrüße die Pilger spanischer Sprache, die zum Angelusgebet nach Castel Gandolfo gekommen sind, und alle, die über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind. Wir bitten den Herrn durch die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, Königin des Friedens, dass die Waffen niedergelegt werden mögen und die Gewalt im Nahen Osten ein Ende finde. Schönen Sonntag!

[Auf Polnisch:]

Mein herzlicher Gruß gilt allen Polen. In diese Woche fallen der liturgische Gedenktag der Weihe der Basilika "Santa Maria Maggiore" in Rom sowie die Gedenktage einiger großer Heiliger: Ignatius von Loyola, Alfons Maria von Liguori und Johannes Maria Vianney. Wir bitten um ihre Fürsprache, um das grundlegende Gut des Friedens in der Welt zu erlangen: Vor allem bitten wir den Herrn, dass im Nahen Osten die Waffen niedergelegt werden mögen. Allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Gott segne euch.

[Abschließend auf Italienisch:]

Von Herzen grüße ich die Pilger italienischer Sprache, und ich erinnere daran, dass wir in den kommenden Tagen einiger großer Heiliger gedenken werden: Morgen ist es der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer der Jesuiten, am 2. August der heilige Alfons Maria von Liguori, der Gründer der Redemptoristen, am 4. August der heilige Johannes Maria Vianney, der Pfarrer von Ars und Patron der Pfarrer. Das Vorbild und die Fürbitte dieser leuchtenden Zeugen mögen uns dabei helfen, auf dem Weg der Heiligkeit voranzuschreiten. Allen wünsche ich einen schönen Sonntag.

[© Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]