Betrachtung Kardinal Taurans über Robert Schuman

Die Vereinbarkeit von Heiligkeit und Politik

Rom, (ZENIT.org) Anita Bourdin | 530 klicks

Der französische Staatsmann Robert Schuman, dessen Deklaration vom 9. Mai 1950 heute in ganz Europa gefeiert wird, zog Kraft und Ideen aus dem Glauben.

Das Diözesanverfahren für seine Seligsprechung wurde am 29. Mai 2004 abgeschlossen: Der Fall liegt nun in Rom. Eine Frage aber stellt sich. Kardinal Tauran stellt und beantwortet sie.

Im Vorwort der Neuauflage des Buchs von René Lejeune, „Robert Schuman, un Père pour l'Europe – Robert Schuman, ein Vater für Europa“(Editions de l'Emmanuel, Wiederauflage 2013), antwortet Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog „mit Ausrufezeichen“ auf die Frage: „Kann er trotz der Ausübung politischer Ämter heilig gesprochen werden?“

Für ihn „ist Robert Schuman das Beispiel eines Katholiken, der seine Berufung darin sah, seinen Mitmenschen die christlichen Werte zu vermitteln, ohne Zuschaustellung, aber mit Überzeugungskraft, wenn er sprach. Sein Handeln beruhte auf Kontemplation , und seine Ideen erhielten durch den Glauben eine ‚katholische‘ Dimension, die ihm eine weite und neue Sicht auf die Probleme schenkte.“

Der Kardinal, der „Außenminister“ Johannes Pauls II. gewesen war, fügt hinzu: „Wir müssen uns davon überzeugen, dass der Dienst an der Gemeinschaft Uneigennützigkeit und Beharrlichkeit beinhaltet. Im politischen Bereich müssen wir den Sinn für Respekt gegenüber dem Gegenspieler und für den Wert des fairen Dialogs wiederfinden. Wir müssen uns darauf besinnen, dass einziger Grund, der rechtfertigt, dass ein Mensch irgendeine Macht über einen anderen Menschen ausüben kann, eben der Dienst an diesem ist.“

Er enthüllt das „Geheimnis“ Schumans: „Robert Schuman erinnert uns daran, dass die großen öffentlichen und die Allgemeinheit betreffenden Fragen über unser Schicksal hinausgehen und erfordern, dass wir uns einbringen, ohne jemals etwas zurückzufordern. Hierin liegt das Geheimnis für die Harmonie und Heiterkeit des Weges, wie ihn der Vater von Europa beschritten hat: mit dem Gesicht den Ereignissen der Geschichte zugewandt, wußte er, seinen inneren Garten zu pflegen, ein bißchen wie Scy-Chazelles (das Haus Robert Schumans in Lothringen, Anm. d.R.), um Atem zu schöpfen und immer weiter auf dem Weg der Solidarität zu gehen.“

Das Leben Schumans gibt deshalb „Inspiration und Mut, der Menschheit zu dienen, sie endlich von der Angst und dem Haß zu befreien“ und „die Straße der Brüderlichkeit wiederaufzunehmen, die keine Grenzen kennt.“