Bevorstehender Exodus der Armenier aus Syrien

Furcht vor islamischer Theokratie und Illegalität

| 1540 klicks

ROM, 29. März 2012 (ZENIT.org). - In Syrien leben derzeit rund 60.000 bis 80.000 Armenier, insbesondere in Aleppo aber auch in Damaskus, Latakira, Kessab, Der Zor, Quamishili, Raqqa und in anderen Teilen des Landes.

Wie Beobachter dem Fidesdienst berichteten, werden die Armenier in Syrien, bei denen es sich größtenteils um Christen handelt, von Armeniern im Ausland mit Solidaritätsbekundungen unterstützt: In den vergangenen Tagen nahmen über 100 türkische Armenier in der Provinz Hatay an einem Gottesdienst für den Frieden in Syrien teil.

Ein in Syrien lebender armenischer Christ, der anonym bleiben will, äußerte gegenüber dem Fidesdienst: „Die meisten Mitglieder unserer Gemeinden bleiben neutral im Hinblick auf die Krise in Syrien und folgen damit der offiziellen Position der armenischen Kirche und ihrer verschiedenen Konfessionen. Viele Gläubige wünschen sich vor allem Stabilität: Ein Wandel macht Angst und man befürchtet eine islamische Theokratie oder einen Status der Illegalität und der Instabilität“. Einzelne Mitglieder der armenischen Gemeinde hätten sich jedoch den Protesten der Opposition angeschlossen, wie dies auch für Alawiten, Assyrer und Kurden gelte.

„Armenier werden bereits heute nicht als Teil der syrischen Gesellschaft betrachtet“, beklagt der Beobachter, „Wie soll es dann erst in Zukunft um diese Gemeinschaft stehen?“. Deshalb zögen die Armenier seit Beginn der Aufstände in Syrien einen „neuen Exodus“ der rund 60.000 im Land lebenden Armenier in Betracht.

Armenische Parteien sind in Syrien verboten. Die Armenier haben unterdessen eigene Einrichtungen und Schulen, für die es jedoch gewisse Auflagen gibt: An Schulen darf die armenische Geschichte nicht unterrichtet werden und für die armenische Sprache ist nur eine bestimmte Anzahl an Wochenstunden vorgesehen. Armenier sind als „Religionsgemeinschaft“, aber nicht als „ethnische Gemeinschaft anerkannt. Armenisch ist nur als liturgische Sprache bei Gottesdiensten in den Kirchen erlaubt.

„Die Armenier wissen nicht, wie es in Syrien mit ihnen weitergehen wird“, so der Beobachter abschließend. „Als in dem Land lebende Christen möchten wir uns für Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Frieden und Rechte einsetzen und lehnen Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Gewalt ab.“