Bewegender Brief der Bischöfe von Orissa an die verfolgten Christen

„Wir verneigen uns demütig vor eurem großen Glauben“

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BHUBANESWAR, 10. November 2008 (ZENIT.org).- Die sechs Bischöfe des indischen Bundesstaates Orissa haben sich in einem langen und bewegenden Brief an ihre Gläubigen gewandt, um jenen Brüdern und Schwestern ihre Solidarität und Dankbarkeit zu bekunden, „die für den Glauben ihr Leben ließen“, jene zu trösten, die verletzt wurden, und all jenen ihre Nähe zu bezeugen, „die von der Gewalt traumatisiert sind“.



Die Hirten schreiben: „Wie verneigen uns demütig vor eurem großen Glauben und eurem Vertrauen in Jesus Christus als Herr und Retter. Wir verneigen uns vor eurem guten Willen, jede Art von Erniedrigung, Versuchung und selbst Verfolgung eures Glaubens wegen zu ertragen.“

Der Brief, den die Agentur Fides bekannt machte, wurde in Pfarreien, Schulen und Konventen vorgelesen, die sich in den von den antichristlichen Gewaltakten betroffenen Zonen befinden. Er wurde von den Bischöfen Thomas Thiruthalil (Balasore), Raphael Cheenath (Cuttack-Bhubaneswar), Alphonse Bilung (Rourkela), John Barwa (Rourkela), Lucas Kerketta (Sambalpur) und Sarat Chandra Naik (Berhampur) unterschrieben.

Die Hirten versprechen, dass sie „alles Mögliche“ tun werden, „um zu garantieren, dass jene, die Häuser, Besitz, Kirchen und Einrichtungen verloren haben, wieder auf die Beine kommen“. Außerdem wollen sie all jene unterstützen, „deren Rechte verletzt wurden“, und ihnen versichern, „dass ihnen Gerechtigkeit zuteil wird“.

Gleichzeitig bringen sie ihren „Ärger“ über die Verspätung zum Ausdruck, „mit der sowohl die staatlichen Regierungen als auch jene vor Ort auf die Gewalt gegen die Christen von Orissa reagiert haben. Wir bedauern zugeben zu müssen, dass beide Regierungen erbärmlich versagt haben, als es darum ging, ihre Pflicht zu tun.“ Deshalb fordern die Bischöfe die Regierungen dazu auf, „die Verantwortlichen zu bestrafen und die Opfer zu entschädigen“.

Bezüglich der Gründe für die Verfolgung verneinen die Bischöfe vehement die vermeintliche Verwicklung von Christen in der Ermordung von Swami Laxmanananda. Sie sind überzeugt davon, dass der wirklich Grund „die Nähe der Kirche zu den Armen und Ausgegrenzten“ sei.

„Durch Erziehung, sanitäre Dienste, die Bereitstellung von Unterkünften und Arbeitsplätzen hat die Kirche das Gewissen der Menschen aufgerüttelt und den Ärmsten geholfen. Diese wiederum fordern nun ihre Rechte ein. Den Mächtigen gefällt das nicht, denn sie glauben, die Armen würden ihre Position in Frage stellen.“

Die Bischöfe betonten jedoch, die Kirche werde ihr soziales Werk weiterführen. „Wie Jesus beten auch wir für die Verantwortlichen dieser Verbrechen“, genauso wie für alle Christen, auf dass „wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen und unser christliches Leben in diesem Land weiterführen können“. Sie nutzten schließlich die Gelegenheit, sich bei allen Personen sowie Einrichtungen für die geleistete Unterstützung zu bedanken.

„Die Jungfrau Maria leite jeden unserer Schritte, auf dass wir ernsthaft, mutig und weise auf jede dieser Gewaltakte gegen uns antworten können!“

Der vollständige Text des Hirtenbriefs findet sich unter: www.fides.org/eng/documents/Orissa_Bishops_Pastoral_Letter.doc

Von Inma Álvarez; Übersetzung von Katharina Marschall