"Bezeugung des Glaubens und Dienst an den Armen" - Projekte und humanitäre Arbeit des Malteserordens

Pressekonferenz des Großkanzlers des Malteserordens, Albrecht Freiherr von Boeselager

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 317 klicks

Der Großkanzler des Malteserordens, Albrecht Freiherr von Boeselager, erläuterte gestern im Rahmen einer Pressekonferenz in der auf der Aventin gelegenen Villa Magistrale des Malteserordens wichtige Projekte und Einsatzgebiete des Malteserordens, der zu den ältesten christlichen Institutionen zählt, die sich der humanitären Hilfe widmen. Von Boeselager war während des letzten Generalkapitels am 30. und 31. Mai 2014 zum Großkanzler gewählt worden. Zuvor hatte er das Amt des Großhospitaliers bekleidet.

Zu den Brennpunkten der Arbeit der Malteser zählt in Italien das Flüchtlingsdrama in Lampedusa. Die Malteser, die mit Ärzten und Freiwilligen vor Ort vertreten sind, sind in der Regel die ersten Menschen, denen die Flüchtlinge nach ihrer oft monatelang dauernden, lebensgefährlichen und menschenunwürdigen Flucht begegnen. Wer aus seinem Land fliehe, so der Großkanzler, habe in seinem Heimatland eine aussichtslose Situation vorgefunden. Die Flucht nach Lampedusa sei das äußerste Mittel, der Notlage zu entkommen. Viele der Flüchtlinge, darunter auch Frauen und Kinder, überlebten die Strapazen nicht, tausende nur dank des Einsatzes der Malteser-Ärzte. Seit Beginn des Jahres sind rund 60.000 Flüchtlinge in Lampedusa gelandet, und eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht.

Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld der Malteser ist der Einsatz in Syrien. In Aleppo ist zur Zeit aufgrund der dramatischen Verhältnisse eine langfristige Planung nicht möglich. Die Einsatzplanung erfolge vielmehr von Tag zu Tag, wie der Großkanzler ausführte. Es bestehe ein enger Kontakt zur syrischen Kirche. Die Anwesenheit von Europäern sei zur Zeit gefährlich, nicht nur für die Europäer, sondern auch für die Einheimischen, die mit den Europäern zusammenarbeiteten.

Positive Ergebnisse lassen sich bei den Projekten im Kongo feststellen, die sich der Reintegration vergewaltigter Frauen in ihre dörflichen Gemeinschaften widmen. Die Vergewaltigung von Frauen ist eine Kriegswaffe geworden, die zur Zerstörung der Gesellschaft führe, so der Großkanzler. Die geschändeten Frauen werden aus ihrer Dorfgemeinschaft ausgestoßen, ihr Leben zerstört. Die Malteser bieten den betroffenen Frauen medizinische und psychologische Hilfe. Ziel dieser Arbeit ist eine zumindest teilweise Reintegration der Frauen in die Dorfgemeinschaft. Den Frauen wird die Möglichkeit gegeben, sich am Dorfrand niederzulassen, wo sie sich weiter um die Erziehung ihrer Kinder kümmern können.

Die Malteser setzen sich weltweit für Arme und Kranke ein. Alleiniges Ziel ist die humanitäre Hilfe, politische oder wirtschaftliche Interesse spielen bei ihrer Arbeit keine Rolle. Der Malteserorden ist unabhängig. Aus diesem Grund gelingt es ihm, vor Ort wichtige Netzwerke mit allen Ortsangehörigen unabhängig von Konfession, Nationalität oder politischer Zugehörigkeit aufzubauen und so effizient die Situation der Menschen vor Ort verbessern können. Die offene Haltung der Malteser garantiert den Schutz der Menschen vor Ort wie auch der eigenen Mitarbeiter. Nur die Verhandlung auf eine so christliche und respektvolle Weise wie nur möglich, garantiere die Wahrung der Menschenrechte und -würde, so der Großkanzler.

Bedauernd stellte er fest, dass die Würdigung der humanitären Arbeit abnehme, obgleich der Bedarf immer weiter ansteige. Der Gleichgültigkeit der Menschen, die jüngst Papst Franziskus kritisiert hatte, müsse mit dem Heraustreten aus der Anonymität und dem stetigen Berichten vom Elend und der Not der Betroffenen entgegentreten werden – „Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum“ – „Bezeugung des Glaubens und Dienst an den Armen“, wie das Leitwort des Malteserordens es seit 800 Jahren fordert.