Bilder in Schwarz-Weiß zur Schilderung eines schillernden Heiligen

Eine Biographie des heiligen Josemaria Escrivà in Bildern

| 1070 klicks

von Antonio Gaspari

ROM, Mittwoch, 25. Mai 2011 (ZENIT.org).- Das Buch „Der heilige Josemaria Escrivà. Eine Biographie des Gründers des Opus Dei in Bildern“ (Edition Lindau) von Bruno Mastroianni ist jetzt in den Buchhandlungen erhältlich.

Es gibt unzählige Bücher, die das Leben und die Umstände des Gründers des Opus Dei erzählen, aber, wie der Autor in der Einleitung des Buches schreibt, „dieses Buch ist ein Experiment“, ein Versuch „das Leben des heiligen Josemaria durch Bilder und Berichte zu erzählen“.

Ein Text, der sich durchblättern lässt wie ein Familienalbum, wo die verschiedenen Charaktere ihre Erfahrungen bezüglich der Begegnung mit einem Heiligen des XX. Jahrhunderts erzählen.

Im Vorwort des Bandes erinnert sich Joaquin Navarro-Valls an das Glück, an der Seite des Gründers des Opus Dei gestanden zu haben und „mit der Hand den berührt zu haben, den die Kirche später zum Heiligen erklärte“.

Heilige dürften nicht wie kleine Statuen behandelt werden, die man in den Schrank stellt, unterstrich Navarro-Valls. Die Heiligen sind Menschen aus Fleisch und Blut, die ihr Leben voller Hoffnung, Arbeit und manchmal auch Angst, aber immer im Dialog mit Gott gelebt und dadurch scheinbar gewöhnliche Ereignisse in göttliche Meisterwerke verwandelt haben.

Bruno Mastroianni arbeitet beim Informationsbüro der Prälatur des Opus Dei, als Diplomphilosoph ist er verantwortlich für Kommunikation und das Verhältnis zu den Medien, und er ist Dozent für Media Relations an der Fakultät für Kommunikation an der Päpstlichen Universität „Santa Croce“.

ZENIT hat ihn befragt.

Wer war der heilige Josemaria Escrivá?

Mastroianni: Das ganze Leben des heiligen Josemaria könnte so zusammengefasst werden: ein Kind, geboren in einem kleinem Dorf in Spanien zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das, weil es auf das gehört hat, was Gott von ihm verlangte, ein großer Heiliger geworden ist, der in der Lage war, hunderttausenden Menschen in der ganzen Welt zu zeigen, dass man in den alltäglichen Dingen Gott begegnen kann.

Warum wurde er heiliggesprochen? Mit seinen Lehren trug er dazu bei, etwas Neues und zugleich Altes wie das Evangelium wieder zu entdecken: jeder Getaufte, was auch immer seine Verhältnisse, Herkunft, Stellung und Beruf sein mag, ist dazu berufen, mit der Hilfe Gottes heilig zu werden. Seine Botschaft ist: so wie du bist, mit dem Leben, das du hast, genau dahin hat Gott dich gestellt, um dich zu lieben und dich lieben zu lehren.

Er selber lebte diesen Geist mit seinem Leben. Johannes Paul II. nannte ihn am Tage nach der Kanonisierung „den Heiligen des Alltäglichen“.

Das von ihm gegründete Opus Dei widmet sich diesem Anliegen: Gelegenheiten geistiger Bildung zu bieten, um gewöhnlichen Menschen, die mitten in der Welt leben, zu helfen, ihr Verhältnis mit Gott zu pflegen.

Welches waren seine genialen Intuitionen, sein normales, aber nicht gewöhnliches Menschsein?

Mastroianni: Es kommen mir einige Ereignisse in den Sinn. Zum Beispiel sagte er bei einem öffentlichen Treffen in Brasilien auf die Frage einer Frau hin, die seit vielen Jahren verheiratet war, wie sie die Liebe zu ihrem Mann lebendig erhalten könne: „Du sollst eine ewige „enamorada“ sein“ (auf Portugiesisch heißt „enamorada“ „ Verlobte“).

Oder wenn er sagte: „das Ehebett ist wie ein Altar“, um die Heiligkeit des Sakramentes der Ehe zu unterstreichen. So erklärte er den Studenten: „Gott wartet auf dich im Studium“.

Er besaß eine herausragende Fähigkeit, jeden Menschen aufzuwerten und einem jeden zu zeigen, wie Gott auch in den kleinsten Spuren des Lebens anwesend ist. Eine kraftvolle Lehre: es gibt nichts im Leben eines Menschen, das außerhalb des Verhältnisses mit Gott bleiben kann.

Wie gelang es ihm, auf derart tiefgreifende und erfolgreiche Weise die Laien dazu zu bewegen, ihre Mission an den Arbeitsplätzen zu entfalten? Nahm er als Anregung das II. Vatikanische Konzil, oder war er selber ein Förderer der Berufung der Laien?

Mastroianni: In der Tat war er ein Vorläufer der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit, die immer schon in der Lehre der Kirche anzutreffen war und vom II. Vatikanischen Konzil erneut ins Licht gestellt wurde. Denn bereits seit den 30-iger Jahren sagte er, dass die Berufung der Taufe die Berufung zur Heiligkeit sei: Christus ist es, der uns aufruft, vollkommen zu sein wie der himmlische Vater; ein Ruf, der an alle ergeht und nicht nur an die Gottgeweihten.

Diese Lehre erlernte er als erstes von seinen Eltern: gewöhnliche christliche Eheleute, der Vater Händler, die Mutter der Familie gewidmet, die äußerlich ein gewöhnliches Leben führten, während es im Inneren voller Glauben und Liebe zu Gott war. Man kann sagen, dass der Geist von Opus Dei - welches dann der im Alltag gelebte christliche Geist ist - das Ergebnis des Klimas ist, das er selber in seiner Familie erlebthat.

Einige kritisieren das Opus Dei und bezeichnen es als Geheimgesellschaft; können sie uns das Charisma und die vielen guten Werke, die es entfaltet, erläutern?

Mastroianni: Man kann Opus Dei nicht verstehen, wenn man versucht, es in das allgemeine Denken der politisch-ökonomischen Koordinaten zu zwingen, weil es ein vornehmlich geistiges Phänomen ist. Um sich eine Idee davon zu machen, was das Werk ist, muss man an einen Ehemann denken, der seine Frau wirklich liebt und ihr seine Liebe und Zuneigung zeigt; man muss an einen Freund denken, der wirklich in der Lage ist, ein Freund zu sein, sich also die Schwierigkeiten des Nächsten aufzubürden; genau so wie ein Arbeiter, der an seiner Arbeitsstelle seine Bemühungen und seinen Eifer dafür einsetzt, denen, die ihn umgeben, zu helfen.

Menschen, die dies tun, nicht weil sie die ersten ihrer Klasse sind, sondern weil sie ein lebendiges Verhältnis zu Gott haben und aus diesem Verhältnis den Wunsch ziehen, gemäß Seiner Art, welches die Liebe ist, zu leben. Dies ist auch der Grund, warum in der ganzen Welt erzieherische und hilfeleistende Einrichtungen geschaffen wurden, um verschiedenen Nöten der Gesellschaft entgegen zu kommen.

Es sind zivile Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser, Bildungszentren usw.), die von Gläubigen der Prälatur gefördert werden, zusammen mit Freunden und Mitarbeitern. Sie setzen sich sowohl in Entwicklungs- als auch in fortgeschrittenen Ländern ein, um zum Gemeinwohl beizutragen.

Aus allen Beispielen nur zwei aus Rom: der bio-medizinische Campus, wo man versucht, kompetenten und gleichzeitig menschlichen medizinischen Beistand zu leisten; und das Zentrum Elis, welches jedes Jahr Hunderte von jungen Menschen in die Arbeitswelt eingliedert.

Der heilige Josemaria Escrivá erklärte den Sinn des christlichen Optimismus. Können sie uns schildern, wie er seinen Optimismus darlegte?

Mastroianni: Die Fröhlichkeit des heiligen Josemaria war nicht nur eine Frage des Charakters, es war das Ergebnis seines ständigen Dialogs mit Gott. Alle seine Lehren könnten in einer einzigen zusammengefasst werden: die Fröhlichkeit besitzt eine übernatürliche Wurzel, die darin besteht, dass man sich als Kinder Gottes erkennt. Die Traurigkeit und Niedergeschlagenheit hingegen sind etwas Teuflisches. Wer erfüllt ist von Gott, ist glücklich, während diejenigen, die entfernt von ihm sind, dauernd ein Gefühl des Mangels und der Frustration in sich tragen.

Es ist eine Lehre, welche den formalen Panzer durchbricht, in den wir uns, obwohl wir Christen sind, manchmal einsperren, wenn wir beginnen, uns als fromme, gottesfürchtige Gläubige zu sehen und vergessen, dass wir für Gott Kinder sind. Die Fröhlichkeit der Kinder Gottes ist die Frucht dieser grundsätzlichen Bekehrung.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]