Bioethik: Die Position der Kirche ist vernünftig

Interview mit Dr. Helen Watt, Leiterin des Londoner „Linacre Center for Healthcare Ethics“

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LONDON, 22. Juni 2007 (ZENIT.org).- Sowohl Priester als auch Laien seien häufig zu gehemmt, um die Lehre der Kirche im Bereich der Bioethik klar darzulegen und verständlich zu machen, warum sie wahr und gut ist und zur Freude des Menschen beiträgt, betonte Dr. Helen Watt vom Linacre-Zentrum für Ethik im Gesundheitsbereich („Linacre Center for Healthcare Ethics“) gegenüber ZENIT. Die Direktorin des einzigen katholischen Bioethikzentrums in Großbritannien und Irland plädierte dafür, die Botschaft der Kirche gerade in diesem Bereich vertrauensvoll und durchaus mit Begeisterung zu vermitteln.



Das Linacre-Zentrum wird vom 5. bis zum 7. Juli eine internationale Konferenz zum Thema „Behinderung und Pflege: Moralische Probleme in Gesundheitsfürsorge und Forschung“ („Incapacity and Care: Moral Problems in Healthcare and Research“) veranstalten wird.

Watt führte im Gespräch mit ZENIT aus, dass die Auseinandersetzung in der Bioethik sich derzeit um das Verbot der Euthanasie und um die Achtung des ungeborenen menschlichen Lebens drehen. Sie lege große Hoffnung darauf, dass „die Länder, die vor kurzem der Europäischen Union beigetreten sind, wie zum Beispiel Polen, dem Rest Europas neue Einsichten vermitteln können, anstatt sich in der säkularen Strömung des Konsumdenkens zu verfangen“.

Die Aufgabe des Linacre-Zentrums bestehe darin, Argumente für die katholische Sichtweise der Bioethik-Problematik zu liefern, die glaubensunabhängig seien: „Wir wollen darauf hinweisen, dass die Gültigkeit dieser Anschauung von allen Menschen guten Willens, die ihren Verstand gebrauchen, anerkannt werden kann. Dieser Ansatz fördert einen robusten Realismus, der auch Andersgläubige und Nichtgläubige erreicht.“

Erst kürzlich habe Papst Benedikt XVI. von der Notwendigkeit gesprochen, „die Tradition des natürlichen Sittengesetzes insbesondere im heutigen Zeitalter des Skeptizismus und des Relativismus wieder neu zu entdecken“. Watt zufolge will der Heilige Vater die Kirche dazu ermutigen, ihre Stimme in der Politik so zu äußern, dass die „objektive und vernunftgemäße Grundlage ihrer Lehre“ ersichtlich wird.

Die ethische Debatte verlaufe in den verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich. Länder wie Großbritannien seien vom „Pragmatismus, der Wissenschaftsgläubigkeit und dem Verdacht, dass jeglicher Bezug auf absolute moralische Werte rein religiös fundiert wäre“, beherrscht, was dazu führe, dass es „im bioethischen Bereich wenig rationale Debatten“ gebe und deshalb lediglich ein „Kompromiss ohne schlüssiges moralisches Rahmenwerk“ zu finden sei.

In anderen Ländern verfüge „das moralische Denken über einen festeren religiösen und kulturellen Halt, so dass unsere Auffassung vom menschlichen Leben und seinem Zwecks erleuchtet werden kann. Allzu häufig wird die Kirche ignoriert, weil geglaubt wird, dass sie sich gegen die Wissenschaft richte und nicht gegen das Töten; gegen die Freiheit und nicht gegen die Unterdrückung anderer, ja gegen die Versklavung der eigenen Person.“

Watt appellierte alle Katholiken, damit zu beginnen „unsere Regierungen zur Rechenschaft zu ziehen und sie mit dem gleichem Maß zu messen, nach dem wir uns selbst richten. Wir haben eine wunderbare Botschaft zu vermitteln und sollten das auch mit Vertrauen und Enthusiasmus tun.“