Bischof Anthony Fisher: Das Herzstück des Weltjugendtags 2008

Dem Beispiel des barmherzigen Samariters getreu den Gott der Liebe nachahmen

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SYDNEY, 22. August 2007 (ZENIT.org).- Der Gott der Liebe, den Jesus verkündet, gleicht nach Worten des Weihbischofs von Sydney, Antony Fisher OP, dem barmherzigen Samariter aus dem Evangelium. Diesen nachzuahmen, sei die grandiose Herausforderung, vor der die Jugendlichen in der Welt von heute stünden.

Der Gott der Liebe „kommt mit heilendem Balsam und grenzenloser Großzügigkeit zu einer Menschheit, die gebrochen ist: zu denen, die verwundet sind, aber auch zu jedem, der andere verletzt. Er ist denen nahe, die entsetzlich leiden und aufgrund ihrer Not jede Hoffnung verloren haben.“

Der Bischof leitet das Weltjugendtagsbüro, das im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten einen besonderen Service anbietet: E-PILGRIMAGE versteht sich als Pilgerweg des Glaubens, dessen monatliche Impulse per Mausklick abgerufen werden können (ältere Ausgaben in deutscher Übersetzung finden sich hier).

ZENIT veröffentlicht eine eigene Übersetzung der meditativen Einführung zur E-Pilgrimage im Monat August.

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„Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40)

Am 15. Juli 2007, genau ein Jahr vor der Eröffnungsmesse des Weltjugendtages 2008, machte Papst Benedikt XVI. in Mirabello in den norditalienischen Bergen Urlaub. Der Papst unterbrach seine Ferien, um mit einigen Leuten vor Ort den Angelus zu beten und mit ihnen über das Sonntagsevangelium nachzudenken, die Geschichte vom barmherzigen Samariter.

Die Liebe des Samariters, so der Papst, ist der Kern des Christenlebens. „Tatsächlich macht uns nur diese Liebe, die von innen durch den Heiligen Geist geweckt wird, zu Zeugen Christi.“ Diese wichtige geistliche Wahrheit, so verhieß er, „liegt der Botschaft des Weltjugendtags 2008 zugrunde“.

Ein Jahr nach dieser Begebenheit werden sich mehr als 100.000 Menschen aus allen Teilen der Welt mit einer gleich großen Zahl von jungen Australiern zur Eröffnungsmesse des Weltjugendtages zusammenfinden. Für jeden wird es sich um eine Gelegenheit handeln zu entdecken, dass sie alle Teil etwas weitaus Größeren sind als sie selbst, ihre Familie, ihre Schule, ihre Pfarrei, ihr Land.

Wenn das Thema „Weltjugendtag“ aufkommt, dann ist immer von der tiefen Erfahrung der weltweiten Großkirche die Rede: dass es überall auf der Welt Leute wie du und ich gibt; dass es einen weltumspannenden Glauben gibt und dass die Arme unserer Kirche ebenso wie das Weltjugendtagskreuz offen sind für alle.

Der Glaube und die Liebe des barmherzigen Samariters gehen hinaus zu Menschen aller Länder und Nationen. Der Heilige Geist des Pfingstfests kommt auf Menschen aller Sprachen herab und vereint sie zu einem einzigen Gottesvolk.

Der Weltjugendtag 2008 wird in vielerlei Hinsicht eine wunderbare Gelegenheit und Erfahrung werden. Vor allem wird er aber die Möglichkeit geben, die „in-groups“ (diejenigen, die dazu gehören und das sagen haben) und die „out-groups“ (jene, die ausgeschlossen sind) in unseren Gemeinschaften unter die Lupe zu nehmen: jene Menschen, die da und dort am Straßenrand niedergeschlagen zurückgelassen werden und die im materiellen oder geistigen Sinn arm sind; jene, die missbraucht worden sind; die Asylsuchenden, Drogenabhängigen, Trauernden, Einsamen – alle, die am Rande stehen.

Der barmherzige Samariter ist eine Anfrage an uns: Haben wir bei all unserer Tugendhaftigkeit auch einen Blick für all diese Menschen? Haben wir bei all unserem moralischen Verantwortungsbewusstsein auch etwas Sympathie für sie über? Können wir uns vorstellen, was sie denken und fühlen – die Verzagtheit, die Entfremdung und den Hass auf sich selbst? Gehören sie implizit mit dazu, wenn wir vom Nächsten reden?

Eine Reihe von Büchern hat in jüngster Zeit die Religion angegriffen. Die Autoren bringen vor, dass die Religion im Allgemeinen und das Christentum im Besonderen nichts zum Gemeinwohl beigetragen hätten. Es gibt bestimmt einiges an der Geschichte des Christentums auszusetzen, aber diese Unterstellung ist nicht gerechtfertigt.

Die hoffnungsvolle Botschaft vom barmherzigen Samariter und die anderen Lehren und Taten Christi haben Katholiken aller Jahrhunderte dazu inspiriert, Waisenhäuser, Pflegeheime, Krankenhäuser, Suppenküchen und Schulen für die Armen zu gründen.

Heiligmäßige Menschen (wie die selige Mutter Teresa und die selige Mary MacKillop) und ganze religiöse Kongregationen haben sich in besonderer Weise in den Dienst der Bedürftigen gestellt; genauso wie Laienvereinigungen wie etwa die Vinzenzgemeinschaft, gemeinnützige Vereinigungen wie die Caritas und so viele andere Initiativen.

Jedes dieser Werke dient nicht nur den „eigenen Leuten“, sondern allen Bedürftigen. In der Tat macht sich jedes dieser Werke jeden leidenden Menschen „zu Eigen“. Und jedes dieser Werke fordert uns als lebendige, moderne Geschichte vom barmherzigen Samariter heraus, eine gewisse moralische Phantasie und Empfindlichkeit zu entwickeln und eine Antwort für alle zu finden, die leiden müssen.

Jedes Werk lädt uns zur Identifizierung mit den leidenden Personen ein, zu konkretem Mitgefühl oder Mit-Leiden mit ihnen und zu unserer sofortigen, tätigen Aufmerksamkeit.

Genau dieses ergriffene Erbarmen wurde zur Triebkraft der Mission Jesu. Jesus sorgte sich wirklich. Nicht nur abstrakt wie der Leser eines Romans, der Sympathie für eine fiktive Figur entwickelt, und nicht wie ein Bürokrat, der eine Strategie plant, sondern wie jemand, der mit denen lacht, die lachen, und mit denen trauert, die traurig sind; wie der Mensch, der mit anderen mitfühlt, ihr Leben teilt, Zuneigung für sie empfindet, erleidet, was sie erleiden, und sich so folglich genötigt sieht zu reagieren.

Der Gott, den die Psalmen so oft als „voller Huld und Erbarmen“ beschreiben, ist der Gott, den Jesus in seinem Gebet, in der Liturgie, in seinem persönlichen Leben als seinen Gott und Vater erlebte.

Es ist der Gott der Liebe, dessen einziges Kind der Liebe in Jesus Mensch wurde. Es ist der Gott der Liebe, den Jesus verkündete. Der barmherzige Samariter ist natürlich Gott in Christus. Er kommt mit heilendem Balsam und grenzenloser Großzügigkeit zu einer Menschheit, die gebrochen ist: zu denen, die verwundet sind, aber auch zu jedem, der andere verletzt. Er ist denen nahe, die entsetzlich leiden und aufgrund ihrer Not jede Hoffnung verloren haben.

Jesus sieht eine schreiende Ungerechtigkeit – und hilft einfach. Und zu den jungen Menschen unseres 21. Jahrhunderts sagt er: „Jetzt geh auch du und handle genauso!“

Der Gott, der in Christus kommt, sucht keine Dankbarkeit und keinen Lohn. Er fragt nicht, ob der Betroffene es wert ist, wie groß der Sozialbeitrag ist, wie viele andere sich in ähnlichen Nöten befinden, ob sie in den richtigen Schlangen standen, ob sie schon zu abhängig sind oder ob sie mit ihren Leiden nicht selbst klarkommen können.

Er sieht einfach eine schreiende Ungerechtigkeit – und hilft. Und er sagt zu den jungen Leuten im 21. Jahrhundert: „Jetzt geh auch du und handle genauso!“

[ZENIT-Übersetzung des englischen vom Weltjugendtagsbüro veröffentlichten Originals]