Bischof Anthony Fisher OP: „Heilige, Sünder und Exzentriker“ oder die Zeugen Gottes

Meditativer Text zur Vorbereitung auf den internationalen Weltjugendtag 2008 in Australien

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SYDNEY, 26. Juni 2007 (ZENIT.org). Zahlreiche „Heilige, Sünder und Exzentriker“ sind es, die nach Worten des Weihbischofs von Sydney (Australien), Anthony Fisher OP, in der Kirche Zeugnis für einen Gott ablegen, der sich aller annimmt.



In seiner aktuellen Botschaft an die Jugendlichen der Welt, die sich auf den Weltjugendtag 2008 vorbereiten, erwähnt er neben dem „großen Al“ und dem „stummen Tom“ auch die „verrückte Cathy“, sprich „die heilige Katharina von Siena, die einzige amtliche ‚Kirchenlehrerin‘, die weder Kleriker noch Nonne war, sondern eine gewöhnliche junge Frau, mit der Gott außerordentliche Dinge tat“.

Bischof Fisher leitet das australische Weltjugendtagsbüro, das im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten einen besonderen Service anbietet: „E-PILGRIMAGE“ versteht sich als Pilgerweg des Glaubens, dessen monatliche Impulse per Mausklick abgerufen werden können.

ZENIT veröffentlicht eine eigene Übersetzung der meditativen Einführung zur E-Pilgrimage im Monat Juni.

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„Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen“ (Joh 7,38)

Liebe Freunde, ich bin ein Dominikaner – von einem alten Orden –, und so habe ich viele Heilige, Sünder und Exzentriker in meiner weitläufigen Familie. Erlaubt mir einfach, Euch einige von ihnen vorzustellen.

„Big Al“ (der heilige Albert der Große) war einer der Hauptpatrone des letzten Weltjugendtages in Köln. Er kannte sich in allem aus, aber er war nicht nur ein Super-Hirn – er verfügte zudem über ein großes Herz. Er arbeitete sein ganzes Leben lang mit Universitätsstudenten. Einer dieser Studenten hatte den Spitznamen „der stumme Ochse“ – es war der heilige Thomas von Aquin, möglicherweise der größte Theologe aller Zeiten.

„Big Al“ und „Dumb Tom“ waren beide davon überzeugt, das Jesu Leib und unser Leib für unsere Spiritualität sehr wichtig sind. Wir sind nicht reiner Geist, nicht Engel oder Geister. Die körperliche, sichtbare, sakramentale Seite des Lebens ist jede für sich genommen genauso wichtig wie die geistigen, intellektuellen, unsichtbaren Dimensionen.

Wenn wir auf Christ in der Eucharistie, am Kreuz oder auf einer heiligen Abbildung schauen und mit ihm dort reden (so wie es Tom immer vor Prüfungen und dem Abfassen seiner Essays tat), dann begegnet Ihr einem Gott, der unsere Leiden teilte, um auch sein Glück mit uns zu teilen.

Es ist der Gott, der dort für uns da ist – der Gott mit einem großen Herzen. Dann gibt es „Crazy Cathy“, die heilige Katharina von Siena, die einzige amtliche ‚Kirchenlehrerin‘ (= Theologin und Heilige), die weder Kleriker noch Nonne war, sondern eine gewöhnliche junge Frau, mit der Gott außerordentliche Dinge tat.

Im Laufe ihres kurzen Lebens von nur 33 Jahren beriet Katharina Päpste, Prinzen, Priester und andere Leute. Sie bekehrte einen Söldner und Krieger, einen Gefangenen und Todeskandidaten und Tausende von gewöhnlichen Leuten. Sie diente den Armen und verfasste umfangreiche und einflussreiche Schriften.

Katharina hatte eine Vision von Christus, der sein Herz mit dem ihren austauschte: Ab sofort würde seine Liebe ihren Leib durchglühen und ihre Worte und Taten inspirieren. Gott, so lehrte Katharina, ist „pazzo d’ amore“ – verrückt oder betrunken vor Liebe für jeden von uns, und dies von aller Ewigkeit an.

Es ist diese verrückte Liebe, die uns ins Dasein holt. Und sie offenbarte sich vollkommen, als er sein Blut für uns vergoss. Katharina hat sehr viel über das kostbare Blut geschrieben, das vom Herzen und aus der Seite Christi floss. Es rettet die Welt, wäscht alle Lügen und alles Übel, gibt uns neue Hoffnung – und in der Eucharistie empfangen wir es.

Sie betete gerne, indem sie einfache Sätze wiederholte: „Blut Christi, rette mich“; „Herz Jesu, liebe mich“ oder „Gütiger Jesus, liebster Jesus“.

Katherina von Siena hatte viele exotische Nachfolger in den nachkommenden Generationen wie die heilige Catarina de Ricci („Rickety Kate“).

Kate war eine geistliche Leiterin, die es verstand, den Leuten zu helfen, ihre Alltagsmühen gewissermaßen als Schlachten aufzufassen, die wir mit Christus erleiden müssen, in denen wir aber schließlich von ihm und von seiner Mutter getröstet werden. Im Alter von 20 Jahren litt sie wöchentlich an den Stigmata; jede Woche erlitt sie den vollständigen Zyklus all jener Wunden, die Christus während seiner Verurteilung ertragen musste: die Male der Folterung und Kreuzigung erschienen auf ihrem Körper. Ihr Herz brach mit seinem. Kate verfügte schon als junge Frau über ein intensives mystisches Gebetsleben, und sie empfand eine tiefe Liebe für Christi mitfühlendes Herz.

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]