Bischof Anthony Fisher weist Jugendlichen den „kleinen Weg“ zu wahrer Größe

Nicht auf den Erfolg kommt es an

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SYDNEY, 23. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Die Sehnsucht nach einem großartigen Leben voller Sinn und mit bleibender Bedeutung ist nach Worten des Weihbischofs für Sydney (Australien), Antony Fisher OP, jedem Menschen ins Herz gebrannt. Während in unserer Gesellschaft wahre Größe oft mit herausragendem Erfolg gleichgesetzt wird, lade Jesus im Evangelium dazu ein, diese Sichtweise völlig umzudrehen. Die Größten in Zeit und Ewigkeit sind demnach gerade die „Geringsten“.



Bischof Fisher, der das Weltjugendtagsbüro in Sydney leitet, führt den Jugendlichen in seiner Meditation im Monat Oktober deshalb den „kleinen Weg“ einer heiligen Theresia von Lisieux vor Augen.

Seine monatlich in englischer Sprache erscheinenden Impulse sind Teil eines Vorbreitungswegs zum Weltjugendtag 2008 und können im Internet abgerufen werden (vgl. e-pilgramage).

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Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß (Lk 9,48)


Wer von uns will nicht gerne groß sein? Wir alle haben die Sehnsucht nach Größe tief in unsere Herzen eingebrannt. Wir alle verspüren die Sehnsucht, unser Leben auf eine gewisse Höhe zu bringen, ein Leben voller Sinn und Bedeutung zu leben. Wir alle wollen groß sein.

Aber oft meinen wir, groß zu sein heißt, erfolgreich und anerkannt zu sein, viel Geld zu besitzen und die Bewunderung unserer Freunde zu ernten.

Die Vorstellung von einer „großartigen Person“ wird uns in unserer Welt häufig unter dem Begriff einer „erfolgreichen“ Person präsentiert: jemand mit einer ehrgeizigen Karriere, der viel Geld verdient und damit all seine Wünsche und Bedürfnisse stillen kann. Er lebt in Konkurrenz mit anderen, will sich von den anderen partout abheben und sich alleine einen Namen machen.

Aber unser Herr Jesus überrascht uns immer mit seinen Worten. Wieder einmal sind sie so etwas wie en Zeichen des Widerspruchs in dieser Welt. „Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß“ (Lk 9,48).

Es ist in Ordnung, nach Größe zu streben, und es ist auch gut, nach einem großartigen Leben zu streben. Aber was meint der „König aller Großartigkeit“ dazu? Wenn du der Größte sein willst, dann musst du es wagen, zum Geringsten zu werden. Aber was heißt das eigentlich, der „Letzte“ zu sein? Wer sind die Geringsten?

Die Geringsten sind die, die demütigen und reinen Herzens sind, also diejenigen, die weit entfernt davon, schwach und scheu zu sein, stark sind im Geiste. Sie brauchen keinen Rummel um sich herum und müssen auch nicht im Mittelpunkt des Erfolgs stehen.

Es sind diejenigen, die merken, dass ihre Größe nicht vom Erfolg abhängt und nicht davon bestimmt wird, welchen Eindruck sie machen. Ihre Größe hat etwas mit der Sache zu tun, der sie dienen; mit dem Horizont, auf den ihr Leben verweist. Die Geringsten sind die, die täglich mit Gottes Liebe zusammenarbeiten und zugeben, dass ihre eigene Kraft gering ist und es der Herr ist, der alles fruchtbar sein lässt.

Jesus lädt uns ein, ihm zu vertrauen. Das ist kein passives Vertrauen, sondern eine aktive Zusammenarbeit mit seiner Gnade – im tiefen Bewusstsein, dass die Früchte nicht uns gehören.

Ich erinnere mich an eine Geschichte über einen Elefanten und eine Maus, die als Freunde Seite an Seite nebeneinander herliefen. Die Maus blickte auf und sagte zum Elefanten: „Schau mal, Kumpel, was für eine große Staubwolke wir aufwirbeln“ (Es handelte sich um eine australische Maus, deshalb nannte sie den Elefanten „Kumpel“, und nicht „mein Herr“).

Manchmal sind wir genauso. Wir glauben, dass wir die sind, die große Erfolge erzielen – so wie die kleine Maus in der Geschichte –, und vergessen, dass Gott wie der Elefant ist: Ohne ihn würde es keine Staubwolke geben. Das Werk liegt in seinen Händen.

Die heilige Thérèse, Patronin der Missionen, hat ihren „kleinen Weg“ als den Weg der bescheidenen Erkenntnis bezeichnet, dass nicht alles von uns abhängt. Wir sind aufgerufen, unser Leben in die liebenden Hände Gottes zu legen, und dies im Vertrauen, dass er uns aufrichten wird.

Bischof Anthony Fisher OP,
Weltjugendtagskoordinator

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]