Bischof Brunner ermutigt dazu, die eigenen Leiden mit dem Leiden Christi zu verbinden

Botschaft zum Krankentag am 2. März

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SITTEN, 23. Februar 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Botschaft, die der Bischof von Sitten, Norbert Brunner, aus Anlass des diesjährigen Krankensonntags an die älteren, kranken, behinderten und einsamen Personen richtet.

Er bekundet ihnen die Nähe der Kirche und ermutigt sie, Schmerz und Leid für den Leib Christi, die Kirche, zu ertragen und aufzuopfern, um so zum Segen für ihre Brüder und Schwestern zu werden.

 

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Laetare – Freue dich!

Liebe alte, kranke, behinderte und einsame Brüder und Schwestern!

An diesem ersten Sonntag des Monats März denken wir wieder besonders an Sie. Wir möchten Sie mit einer besonderen Aufmerksamkeit umgeben, für Sie beten, aber auch um Ihr Gebet bitten.

Der Krankensonntag fällt heuer zusammen mit dem vierten Sonntag der Fastenzeit, dem sogenannten Sonntag "laetare". Er heisst so, weil die Kirche uns mit diesen Worten einlädt, uns zu freuen: "Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung."

Auch Sie werden zu dieser Freude eingeladen! Sie werden aber vielleicht fragen: Was stellt sich die Kirche denn vor? Kann ich mich freuen, wenn ich leiden muss und Schmerzen habe, die mich Tag und Nacht plagen? Soll ich fröhlich sein, wenn ich so alt und gebrechlich geworden bin, dass ich meine geliebte Wohnung verlassen und in ein Heim ziehen muss? Wer kann mich trösten, wenn ich an einer unheilbaren seelischen oder körperlichen Krankheit leide?

Und vielleicht quält Sie dann und wann sogar die Frage der Leute im heutigen Evangelium (Johannes 9, 1-41)? Denn es erzählt uns, wie Jesus einem Mann begegnet, der seit Geburt an blind ist. Die Jünger fragen Jesus: "Meister, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?" (Joh 9, 2) Ja, manchmal begegnen wir solchen Fragen auch heute noch. Aber Jesus weist sie weit von sich: "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden." (Joh 9,3)

Wir können wie Jesus und mit ihm nicht oft genug wiederholen, dass Leiden und Schmerz nicht von Gott gewollt oder gegeben sind. Aber es gibt sie im Leben jedes Menschen in der einen oder anderen Form. Darum bleibt unsere Frage: Können wir in der Krankheit, im Gebrechen, in der Einsamkeit, in der Altersschwäche einen Sinn erkennen? Auch wenn Leiden und Schmerz, die damit verbunden sind, kein Ende nehmen wollen? Der heilige Paulus gibt uns auf unsere Fragen diese Antwort: »Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben, was an den Leiden Christi noch fehlt«.(Kol 1,24) Der Diener Gottes Papst Johannes Paul II. hat diesen Satz des Paulus so ergänzt:
"Diese Worte stehen gleichsam am Ende des langen Weges, der sich durch die Leiden hin erstreckt, die zur Geschichte des Menschen gehören und vom Wort Gottes erhellt werden. Es kommt ihnen fast die Bedeutung einer endgültigen Entdeckung zu, die von Freude begleitet ist; daher schreibt der Apostel: ´Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage´ (Kol 1,24)".

Vielleicht haben auch Sie, liebe alte, kranke, behinderte und einsame Brüder und Schwestern, in Ihrem Leiden die Kraft, diese Worte des Apostels Paulus nachzusprechen und Ihr Leiden so mit dem Leiden unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi zu verbinden, dass es zum Segen für Sie selber und für alle Ihre gesunden Brüder und Schwestern wird.

In seiner Botschaft zum Tag der Kranken zeigt Papst Benedikt XVI. diese tiefe Verbundenheit zwischen dem Leiden der Menschen und dem Leiden Christi am Beispiel der Eucharistie auf, wenn er schreibt, "dass die Eucharistie das Geschenk ist, das der Vater der Welt macht: seinen eigenen eingeborenen, menschgewordenen und gekreuzigten Sohn. Er ist es, der uns um den eucharistischen Tisch versammelt und der in seinen Jüngern liebevolle Fürsorge weckt für die Leidenden und die Kranken, in denen die christliche Gemeinschaft das Antlitz ihres Herrn erkennt."

Darum, so schreibt der Papst weiter: »müssen unsere Gemeinden, wenn sie Eucharistie feiern, sich immer bewusster werden, dass die Eucharistie jeden Christgläubigen drängt, selbst ›gebrochenes Brot‹ für die anderen zu werden. So werden wir ermutigt, uns persönlich dafür einzusetzen, den Geschwistern zu dienen, besonders denen in Not, denn es ist wirklich die Berufung eines jeden Christen, zusammen mit Christus gebrochenes Brot für das Leben der Welt zu sein."

Mit diesen Worten dürfen auch wir einander trösten. Denn wir erkennen, dass unser Leiden mit Christus für die Menschen einen tiefen Sinn erhält. Mit der Schmerzensmutter Maria dürfen wir Gott preisen, dass er unsere Leiden in das Leiden seines Sohnes hinein nimmt und zur Herrlichkeit eines neuen Lebens führt.

Wir danken allen Mitmenschen, die sich in den Dienst der Kranken stellen, und die Euch, liebe Brüder und Schwestern, auf diesem Weg begleiten. Wir bekennen zuversichtlich, dass das "Wirken Gottes" auch heute noch an uns offenbar wird. In dieser Zuversicht eines tiefen Glaubens dürfen wir tatsächlich auch beten: "Freut euch und trinkt an der Quelle göttlicher Tröstung."

Gott segne Euch!

Am 2. März 2008.

+ Norbert Brunner
Bischof von Sitten

[Von der Schweizer Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]