Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg über "Eucharistie und Priestertum"

Vortrag anlässlich der 35. Videokonferenz der Kongregation des Klerus

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ROM, 16. März 2005 (ZENIT.org).- Ganz dem "Jahr der Eucharistie", das bis Oktober 2005 andauert, war die 35. Videokonferenz gewidmet, die die Kongregation für den Klerus am 25. Februar veranstaltete. In seinem Vortrag "Eucharistie und Priestertum", den ZENIT in der Folge dokumentiert, zeigte Msgr. Gerhard Ludwig Müller, Bischof von Regensburg, die untrennbare Verbindung zwischen dem Altarsakrament und dem Priester, der "in persona Christi" handelt.



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Der geweihte Priester vollzieht in persona Christi das eucharistische Opfer. Nicht in einer bloßen Stellvertretung, sondern in der "spezifischen, sakramentalen Identifizierung mit dem ewigen Hohenpriester", der den Menschen im Vollzug des eucharistischen Opfers mit Gott versöhnt. Der Priester zelebriert die Gabe, die das Geschenk Jesu Christi an seine Kirche ist. Die Gaben von Brot und Wein sollen hinein genommen werden in Jesu Hingabe an den Vater, um darin gewandelt als Fleisch und Blut Jesu uns geschenkt zu werden. Indem wir an Jesu Fleisch und Blut teilhaben, wird uns in Jesus Christus auch die Gemeinschaft des Sohnes mit dem Vater geschenkt. Er lebt in uns und wir leben durch ihn, weil er uns auf dem Weg zum ewigen Leben die Speise ist. Christus selbst gibt uns Anteil an seinem versöhnenden Opfer und nimmt uns mit hinein in die Gemeinschaft mit Gott. Von daher entzieht sich das Dienstamt der Kirche menschlicher Manipulation, weil der ungeschuldete Charakter des Geschenks nur durch die Übertragung der Vollmacht durch den Bischof gewahrt bleibt. Das bleibende Zentrum der Eucharistie ist Christus selbst, aus dessen Hände wir die Gaben empfangen und der uns hinein nimmt in die bleibende Zusage seiner Gegenwart.

Die spezifisch sakramentale Bevollmächtigung in der Weihe ist ein existentielles Angesprochen-Sein. Es erfüllt den Geweihten mit der Gewissheit, dass sein Leben, trotz der vielfältigen Verpflichtungen, die seine Aufgaben bereitstellen, rückbezogen ist auf die sich hingebende Liebe Christi zu den Menschen. Das Dekret über Dienst und Leben der Priester des II. Vatikanischen Konzils "Presbyterorum Ordinis" sieht die Eucharistie als "Mitte und Wurzel des ganzen priesterlichen Lebens" (Nr. 14). Die sich hingebende Liebe Christi am Kreuz wird durch die tägliche Feier der Eucharistie für den Priester zum Vorbild und Antrieb, sein Leben als Dienst an den Menschen und am Aufbau des Reiches Gottes zu betrachten.

Die Intensität und die innere Selbstverständlichkeit der Annahme der priesterlichen Berufung werden auch zum Vorbild für viele jungen Menschen, sich auf den Ruf Gottes einzulassen. Immer wieder sind aus den persönlichen Begegnungen vieler junger Menschen mit Priestern, die ihr Leben aus dem Geheimnis der Eucharistie heraus gestalten, zum Ausgangspunkt ihrer Berufung geworden. Faszinierend dabei ist die uneingeschränkte Verwirklichung der Hirtenliebe eines Priesters, der durch die Feier der Eucharistie seiner ganzen Existenz Sinn und Richtung verleiht.

Um so schmerzlicher ist es, dass in manchen Pfarreien die Feier der Eucharistie nicht mehr zur Normalität gehört. An die Stelle des Messopfers sind Wortgottesdienste getreten, die von Ordensleuten und Laien gefeiert werden. Sie bemühen sich um die Fortsetzung der sonntäglichen Feiern und üben "in lobenswerter Weise das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen aus, das auf der Taufgnade basiert" (Nr. 32). Dennoch kann der Wegfall der Eucharistie, die nur durch einen Priester gefeiert werden kann, nicht zum Modell der Zukunft erhoben werden. In der Eucharistie wird das ganze Volk Gottes zum Leib Christi, dessen Haupt Christus selbst ist. Nur in der Feier des Heiligen Messopfers werden wir mit Christus so unmittelbar verbunden, dass die versammelten Gläubigen ihre Identität als Gemeinschaft Getaufter erleben. Kirche realisiert sich in der Eucharistiegemeinschaft. Sie wird aufgebaut und zum Leib Christi geformt. Deshalb ist es unerlässlich, dass die Eucharistiefeier durch den geweihten Priester vollzogen wird. Er repräsentiert durch den Vollzug des eucharistischen Opfers Christus selbst, der die versammelten Gläubigen zur Kirche gestaltet.

Die Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" von Papst Johannes Paul II. ruft in aller Deutlichkeit den Zusammenhang von Eucharistie und Priestertum in Erinnerung. Die wesenhafte Verbindung der sakramentalen Feier der Substanzverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi, als die vollständige Verwirklichung des eucharistischen Mysteriums, und dem Weiheamt ist unauflöslich. Wenn dieses Bewusstsein für das eucharistische Opfer wieder zum zentralen Mittelpunkt der Kirche wird, finden sich auch wieder junge Menschen, die mit ganzer Hingabe und Bereitschaft, sich der eigentlichen Mitte unseres Glaubens hingeben. Im eucharistischen Geschehen versöhnt Christus uns mit Gott. Zusammen mit der Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus wurde das Priestertum gestiftet. Die Konkretion im Handeln Jesu Christi lässt eine Trennung von Eucharistie und geweihtem Amt nicht zu.

[Deutsches, von der Kongregation für den Klerus veröffentlichtes Original]