Bischof Hanke OSB: „Lernen, nicht das Rad zurückzudrehen, sondern in rechter Weise zu wachsen“

Kommentar zum Motu proprio „Summorum pontificum“

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EICHSTÄTT, 11. Juli 2007 (ZENIT.org).- In seiner Stellungnahme zum Motu proprio „Summorum pontificum“ Benedikts XVI., das am 7. Juli 2007 veröffentlicht wurde, erklärt der Bischof von Eichstädt, Dr. Gregor Maria Hanke OSB, dass es uns der Papst mit seinem Schreiben möglich macht, den Blick neu auf die Wurzeln zu richten. Dies bedeute nicht, „das Rad zurückzudrehen, sondern in rechter Weise zu wachsen“.



Benedikt XVI. gehe es mit der Wiederzulassung des Gebrauchs des Missale Romanum von 1962 darum, Irritationen oder gar Spaltungen in den Pfarreien zu vermeiden. „Der Heilige Vater weiß sich mit dem Motu Proprio in Einheit mit Papst Johannes Paul II., der in seinem Apostolischen Schreiben Ecclesia Dei aus dem Jahre 1988 bereits damals von den Bischöfen wünschte, die Erlaubnis zum Gebrauch des Missale von 1962 nicht eng, sondern großherzig (‚late et generose‘) den darum Bittenden zu gewähren“; es gehe ihm um die Aktualisierung der Intention von Papst Johannes Paul II.

Sowohl im Motu proprio als auch in seinem Begleitbrief an die Bischöfe verwehre sich der Heilige Vater gegen die Sprechweise von zwei Riten. Es gebe vielmehr „einen Ritus und zwei Ausdrucksformen“.

Bischof Hanke hält fest, dass „liturgischer Wandel, soll er authentisch sein, nicht auf Bruch, sondern auf genetischer Entwicklung beruht“; dazu komme allerdings gerade in diesem Zusammenhang „die Sorge um die Wahrung der Autorität des Zweiten Vatikanums und um seine Ekklesiologie“ – „wenn nämlich Gegner des Missale von 1962 wie auch Gegner des Missale von 1970 zwischen beiden Formen einen inhaltlich unüberbrückbaren Gegensatz postulieren sollten, dann beträfe dies nicht nur das Liturgieverständnis der Kirche, sondern das Kirchenverständnis selbst“.

Der Gedanke der organischen Entwicklung spielt für den Bischof eine maßgebliche Rolle: „Der im kirchlichen Alltag da und dort geübte Zynismus gegenüber der alten liturgischen Form von 1962 wirkte manchmal wie ein liturgischer Ödipuskomplex, besonders wenn die aggressive Ablehnung von Priestern kam, die noch nach der so genannten tridentinischen Form geweiht worden sind. Ebenso wirft aber auch die radikale und nicht minder militante Ablehnung der kirchlich approbierten erneuerten liturgischen Formen die Frage nach dem Glauben an die Wirksamkeit des Gottesgeistes in der Kirche auf.“

Das Neue Messbuch der unter Papst Paul VI. erneuerten Liturgie muss nach Worten Bischof Hankes im Zusammenhang mit der Tradition gesehen werden: „Liturgie darf nicht zu einer von subjektivem Empfinden geleiteten Erfindung von Formen werden, sondern muss auf der Fortschreibung liturgischer Tradition aufbauen und von der Innerlichkeit der Gläubigen wie des Zelebranten geprägt sein.“ „Willkürlich inszenierte Kreativität“ und „Deformationen bis an die Grenze des Erträglichen“ seien es, die die Kirche verletzen und spalten.

Bischof Hanke geht davon aus, dass sich Benedikt XVI. durch die im Motu proprio beschlossene Neuregelung „eine Bereicherung und Verinnerlichung der Liturgie der Kirche“ erwartet, und zwar „indem man das reiche Erbe nicht versteckt oder verleugnet, sondern aus einem unbefangeneren Verhältnis zur Tradition Nutzen schöpft für die Menschen unserer Tage, die auf der Suche nach Heilszeichen Gottes sind“. Der Bischof ruft die Gläubigen deshalb dazu auf, sich der Hoffnung des Heiligen Vaters vertrauensvoll anzuschließen.

„Durch das Motu Proprio wird uns nichts genommen, sondern etwas geschenkt“, erklärt der Hirte von Eichstätt. „Ich möchte die beiden Schreiben des Heiligen Vaters so resümieren: Der Blick auf die Wurzeln bedeutet: lernen, nicht das Rad zurückzudrehen, sondern in rechter Weise zu wachsen.“