Bischof Huonder: „Nichts möge uns scheiden von der Liebe Christi“

Grußwort am Ende der Weiheliturgie am 8. September

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CHUR, 12. September 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen das Grußwort, das der neue Bischof von Chur, Vitus Huonder, am 8. September in Einsiedeln am Ende der Weiheliturgie gesprochen hat.



Vitus Huonder wurde am 21. April 1942 in Trun geboren und verbrachte dort sowie in Thalwil seine Kindheit und Jugendzeit. Nach dem Abitur, das er an der Klosterschule Disentis ablegte, studierte er bis 1971 Philosophie und Theologie in Einsiedeln, Rom und Fribourg. Während seines Studiums widmete er sich der Jugendarbeit. Im Jahr 1971 weihte ihn Bischof Dr. Johannes Vonderach in der Pfarrkirche Thalwil zum Priester. Nach der Promotion im Jahre 1973 war er bis 1976 als Universitäts-Assistent in Fribourg und als Dozent für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Chur tätig. Von 1972 bis 1988 war er zwölf Jahre in der Pfarreiseelsorge im Einsatz.

Nach Abschluss seiner Habilitation in Fribourg ernannte ihn Bischof Wolfgang Haas 1990 zum Generalvikar für Graubünden, Glarus und Liechtenstein. Im gleichen Jahr berief er ihn ins Residierende Domkapitel. Von 1993 bis 1998 nahm Vitus Huonder in Fribourg und Chur verschiedene Lehraufträge in Liturgiewissenschaft wahr. Bischof Amédée Grab ernannte den Priester 1998 zum Generalvikar für Graubünden und zum Moderator Curiae. Diese Aufgaben nimmt er bis zur Amtseinführung als neuer Bischof von Chur wahr.

Hauptkonsekrator Bischof Amédée Grab äußerte in seiner Predigt, was er seinem Nachfolger wünsche: „ein starkes Glaubensleben; eine unbeirrbare Hoffnung; glühende Liebe, die das Kleine nicht scheut und doch die ganze Welt umfasst; Glaubensstärke und Umsetzung des Glaubens im Leben; Mut zum Neuen aus glühender Liebe zur Tradition; tiefe Communio mit dem bischöflichen Kollegium unter dem jeweiligen Papst, aber auch Sorge zu jeder lebendigen Ökumene als Aufgabe echter Treue; Anteilnahme an den Anliegen von Staat, Wirtschaft, Kultur und Politik in echter Solidarität ohne Machtanspruch, aber auch ohne Menschenfurcht; echte Sorge für die Kinder, für die Familie, für Kranke, Arme, Flüchtlinge, Notleidende“.

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Liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Amt,
liebe pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Gäste,
Brüder und Schwestern im Herrn!

Gott, unser himmlischer Vater, will alles in Christus erneuern. Er will alles unter Christus, dem Haupt, vereinigen. Er will alles zum Anfang, zu Christus, zurückführen. Da alles durch ihn besteht und lebt. „Denn in ihm wurde alles erschaffen“, sagt uns der Brief an die Kolosser (1,16).

Diese einzigartige Erneuerung in Christus kommt in eindrücklicher Weise im letzten Buch der Heiligen Schrift zum Ausdruck, wo gezeigt wird, dass das Lamm, ein Symbol unseres Herrn, als einziges das Buch mit den sieben Siegeln zu öffnen vermag (Apk 5,1-14). Diese Vision aus der Apokalypse bedeutet, dass nur unser Herr jenen Akt setzen kann, der die Heilsgeschichte in Bewegung bringt und die Vollendung der Welt, die Vollendung der Menschheit herbeiführt. So ruft das Lamm Gottes die Scheidung der Geister hervor, bewirkt die Läuterung der Herzen und führt das Weltgeschehen an jenes Ziel, welches die Erneuerung der Schöpfung Gottes beinhaltet, wie wir im 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes lesen: „Seht, ich mache alles neu“ (Apk 21,5).

Brüder und Schwestern im Herrn, wir alle bedürfen dieser Erneuerung. Die Kirche bedarf ständig dieser Erneuerung, die Welt bedarf ihrer. Deshalb wollen wir uns in Dankbarkeit unserem Herrn übergeben und von ihm alles erwarten. Wir wollen auch in Zeiten von Not und Bedrängnis, von Ratlosigkeit und Unsicherheit, von Zweifeln und Ängsten das Vertrauen in unseren Herrn nicht verlieren, vor allem aber wollen wir ihm unsere ganze Liebe schenken und uns so immer stärker an ihn und an sein Werk, die heilige Kirche, binden. Nichts möge uns, in Anspielung an die Worte des heilige Paulus (Röm 8,35), scheiden von der Liebe Christi: von jener Liebe, welche wir ihm erweisen, aber auch von jener Liebe, mit der er uns geliebt hat und unablässig liebt.

Mit diesen Worten und Gedanken möchte ich meinen bischöflichen Auftrag beginnen und ihn ganz unter das Zeichen Christi stellen. Alles soll der Verherrlichung unseres Herrn und seiner Kirche dienen und dazu beitragen, dass Christus mehr und mehr bekannt und geliebt werde; dass die Menschen Christus als ihren Heiland und Erlöser erkennen und in ihm das Heil finden. „Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apg 4,12). So wollen wir uns nach dem Beispiel und Vorbild unserer Gottesmutter Maria, aber auch kraft der Fürbitte der seligen Jungfrau ganz in den Dienst des Herrn stellen.

[Vom Bistum Chur veröffentlichtes Original]