Bischof Kapellari: Der Religionsunterricht braucht Zeugen - Glaubenszeugen

„‚Auf Christus schauen‘, das ist die Perspektive, die den ganzen Religionsunterricht umgeben muss“

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GRAZ, 9. Juni 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen das Grußwort, das der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari am 24. Mai während des Festakts zum 35-jährigen Jubiläum der Religionspädagogischen Akademie dieser Diözese vorgetragen hat.


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Die Religionspädagogische Akademie unserer Diözese feiert ein Jubiläum: 35 Jahre nach ihrer Gründung durch meinen zweiten Vorgänger im Bischofsamt, Bischof Dr. Josef Schoiswohl. Dieses Jubiläum ist Anlass zu einer dankbaren Rückschau auf das Viele, das in dieser Zeit von engagierten Frauen und Männern, Priestern und Laienchristen geleistet worden ist, um auf die Herausforderungen des großen Wandels in Gesellschaft und Kirche auch im Religionsunterricht kreativ zu reagieren und sowohl die Gefahren zu erkennen, wie die Chancen wahrzunehmen.

Herr Direktor Dr. Zisler hat in unserem diözesanen Kommunikationsorgan „Kirche konkret“ die Geschichte der RPA skizziert. Im Ganzen ist es eine Erfolgsgeschichte, für die wir dankbar sein können. Im Detail hat es auch Konflikte und viele Richtungsdiskussionen gegeben, die sich über manche Umwege aber als fruchtbar erwiesen haben. Seitens der Diözesanleitung wurde immer daran festgehalten, dass der Religionsunterricht trotz der bekannten Auswirkungen von Säkularisierung nicht bloß Wissensvermittlung, also Religionskunde, sein soll und darf, sondern immer umgriffen und beseelt sein muss durch das Glaubenszeugnis der hier unterrichtenden Frauen und Männer, Laienchristen und Priester.

„Auf Christus schauen“, das ist die Perspektive, die den ganzen Religionsunterricht umgeben und auf eine Zeit hin ausrichten muss. Es ist, wie Sie wissen, auch das Leitwort für das Mariazelljubiläum und den Besuch des Papstes im September heurigen Jahres. Ich bitte um Ihr Mittun und um Ihre Glaubensdynamik für dieses wichtige spirituelle Ereignis.

Der Religionsunterricht braucht Zeugen, Glaubenszeugen, und er hat sie in den 35 Jahren der Geschichte unserer Religionspädagogischen Akademie gehabt und hat sie auch heute in großer Zahl, wenngleich manche Einzelbiografien von bewältigten oder unbewältigten Krisen geprägt waren. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hat am Rande des Weltjugendtages in Köln im Blick auf die Gestalt und die Wirksamkeit des Papstes gesagt: „Nur Überzeugte können überzeugen und nur Informierte können informieren.“ Dies galt und gilt besonders auch für den Religionsunterricht.

Das heutige Jubiläum ist wie alle echten Jubiläen nicht nur Anlass zur Rückschau, sondern vor allem auch Anlass zum Rundblick und zum Ausblick in eine erhoffte Zukunft. Die Ausbildung für den Religionsunterricht wird sich in Zukunft im Rahmen der neuen Pädagogischen Hochschule unserer Diözese bewegen. Wir erhoffen, dass dies eine gute Zukunft sein wird. Für alle Mühe um die Umstellung danke ich besonders Herrn Bischofsvikar Prälat Dr. Rodler, aber auch allen anderen dafür tätigen Damen und Herren.

Für den Religionsunterricht ist und bleibt das Miteinander von Schule und Pfarren, von Laienchristen und Priestern, auch von Priestern im Schuldienst, die es weiterhin geben muss, und umgreifend das Miteinander von diözesanem Schulamt und Trägern politischer und kultureller Verantwortung ein Dauerauftrag. Dieses Miteinander hat in 35 Jahren im Zusammenwirken von RPA, RPI und Pädagogischer Akademie unserer Diözese viele gute Früchte getragen. Wir erhoffen uns solche auch für die Zukunft. Eine der Hauptvoraussetzungen dafür ist und bleibt die Freude am Glauben trotz mancher Anfechtungen.

„Die Freude am Herrn ist unsere Stärke“, dieses Wort hat gegolten und wird auch in Zukunft gelten. Ich danke allen, die bezogen auf den Religionsunterricht in 35 Jahren und schon vorher gesät, gepflanzt und geerntet haben, und die bereit sind, auch heute und morgen zu säen und zu pflanzen in der Hoffnung auf eine gute Ernte, die es trotz mancher Enttäuschungen immer wieder geben wird.

[Von der Diözese Graz-Seckau veröffentlichtes Original]