Bischof Kapellari: Mariazell – Kraft für ein sinnerfülltes Leben

Gastbeitrag des Diözesanbischofs von Graz-Seckau

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GRAZ, 5. September 2007 (ZENIT.org).- Mariazell ist wie Tschenstochau, Einsiedeln, Lourdes und Fatima ein Ort, an welchem für unzählige Pilger der Himmel offener war und ist als anderswo. Dieser Ort ist ihnen daher so etwas wie eine geistliche Heimat geworden. Viele Menschen, besonders auch aus meiner großen Diözese Graz, pilgern fast jedes Jahr dorthin auf Wegen durch eine schöne Landschaft. Viele kommen zu Fuß.



Seit Jahren gibt es in Europa eine Pilgerbewegung, die immer mehr Glaubende und Suchende, unter ihnen auch nicht wenige junge Menschen, auf Wege bis nach Rom, Jerusalem oder Santiago di Compostela führt.

Mariazell ist über Österreich hinaus bei den Völkern und Ortskirchen der Nachbarländer, die zum Teil früher zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehört haben, gut bekannt. Auch Pilger aus anderen Ländern sind in kleinerer Zahl immer wieder hierher gekommen. Mariazell hat jedes Jahr ungefähr eine Million Besucher. Nicht alle sind Pilger im engeren Sinn des Wortes, aber alle, auch die Agnostiker, besuchen die Kirche, und fast alle berühren auf irgendeine Weise den Mantelsaum Christi.

Ich sage das in Erinnerung an das Buch «Il lembo del mantello» von Kardinal Carlo Martini. Es handelt über die Geschichte von der blutenden Frau, die den Mantel Christi berührt und geheilt wird. Man kann bezogen auf Mariazell sagen: Den Mantelsaum von Maria und dem Kind berühren hier fast alle Besucher, nicht nur die Pilger. Und von diesem Mantel geht, wie die Heilige Schrift erzählt, Kraft aus: Kraft für ein sinnerfülltes Leben, Kraft zur Hoffnung und Kraft zum Glauben, Kraft zur Güte.

Der Katholizismus in Österreich hat eine große marianische Tradition, ebenso wie der Katholizismus im katholischen Teil Deutschlands, in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und vor allem in Polen. Katholisch sein heißt christozentrisch sein, es heißt aber in Konsequenz dessen auch marianisch sein, wie das II. Vatikanische Konzil es in Lumen gentium gezeigt hat; es spricht über Maria inmitten der Kirche.

In Mariazell zeigt Maria in der Gnadenstatue Christus als Kind. Sie weist von sich weg auf Christus, und sie sagt so den Pilgern: Das sollt auch ihr tun! Ihr sollt zu mir kommen und euch von mir zu Christus hinführen lassen.