Bischof Kurt Koch: Einheit und Friede sind ein Geschenk Jesu

Festgottesdienst zur großen nationalen Wallfahrt in Einsiedeln

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EINSIEDELN, 1. Juni 2009 (ZENIT.org).- Alle Menschen seien auf das „Geschenk des Friedens" angewiesen, betonte Bischof Kurt Koch (Basel), heute während der heiligen Messe zur Wallfahrt der Schweizer Katholiken im Marienwallfahrtsort Einsiedeln.

„Einheit und Friede in der Kirche können wir nicht selbst machen", bekräftigte der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz in seiner Predigt. Sie seien Gaben des Heiligen Geistes. „Kirche ist Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott und eben dadurch auch Gemeinschaft untereinander."

Die Mitglieder der Bischofskonferenz hatten zum Auftakt ihrer dreitägigen Vollversammlung im Kloster Einsiedeln alle Gläubigen zu einer nationalen Wallfahrt eingeladen, um für die Kirche das Geschenk der Einheit zu erbitten. Bischof Koch wies diesbezüglich auf die Quelle von Einheit und Frieden hin: Jesus Christus.

Im Glauben an ihn „sind wir überzeugt, dass sich in der Feier der Eucharistie dasselbe ereignet wie bei den Jüngern am Abend des ersten Tages der Woche, als Jesus nach seiner Auferstehung zu den Jüngern mit seinem Friedenswunsch gekommen ist. Damit ist bereits etwas Entscheidendes ausgesagt: Jesus brachte den Jüngern damals und bringt uns heute seinen Frieden, den wir uns offensichtlich nicht selbst geben können."

Den Friedensgruß Christi beschrieb der Vorsitzende der Bischofskonferenz als „eine Brücke, die Christus zunächst zwischen Himmel und Erde baut, um von daher auch Brücken zwischen uns Menschen zu bauen". Und mit der Gabe des Friedens habe Christus auch die Vollmacht zur Vergebung und Versöhnung verbunden: „Ins wirklich Christliche treten wir erst dann ein, wenn wir uns dafür öffnen, menschlich als unversöhnbar Erscheinendes in der Kraft des Heiligen Geistes zu versöhnen." Eine auf diesem Weg erreichte Versöhnung sei keine billige Angelegenheit, sondern „harte Arbeit, die die Konfrontation mit der Wahrheit nicht scheut".

Doch statt die Gottzugehörigkeit immer mehr zu vertiefen, „hinterlässt unsere Kirche in der Öffentlichkeit manchmal den Eindruck, dass wir uns weniger mit der Botschaft des Evangeliums auseinandersetzen, als vielmehr mit jenen Personen und Gruppierungen, die sich in der Öffentlichkeit kundtun", stellte Bischof Koch fest. Wie in der Politik pflege man sich dann auch in der Kirche auf rein menschliche Autorität zu berufen und den so genannt großen Namen anzuhängen.

Bischof Koch verwies auf die verfestigten Lagerbildungen innerhalb der Kirche, die zur Folge hätten, dass verschiedene Seiten - konservativ oder progressiv, fundamentalistisch oder liberal, reaktionär oder reformerisch genannt - nicht mehr miteinander sprächen und auch nicht mehr miteinander beteten.

„Dieser Belagerungszustand kann nur überwunden werden, wenn die von innen verschlossenen Türen auch von innen her geöffnet werden können. Doch wer vermag dies? Bei den Jüngern liegt es offen zu Tage, dass sie es aus eigener Kraft nicht vermögen. Die Türe von innen öffnen kann nur der auferstandene Christus."

Die Eucharistie führe alle Gläubigen zusammen und mache sie alle zu Geschwistern, betonte Bischof Koch am Ende seiner Ausführungen: „Indem Gott uns in die Kommunion seines Leibes zu sich führt, indem er uns in denselben Raum seiner Liebe hineinführt und indem er uns mit demselben Brot des Lebens nährt und stärkt, verwandelt er uns untereinander auch zu Geschwistern: Die Eucharistie ist zutiefst Friede vom auferstandenen Herrn her.



Und von der Eucharistie her wird deutlich, dass wir Einheit und Friede in der Kirche nicht einfach selbst machen, sondern nur empfangen und für sie beten können. Denn um Einheit und Frieden beten heißt, unser Herz dem eindringenden Lebensatem des auferstandenen Christus zu öffnen und seinen österlichen Wunsch dankbar entgegennehmen: ‚Friede sei mit euch!‘"