Bischof Luigi Negri: „Um wahrhaft Mutter zu sein, muss die Kirche Erzieherin sein“

Überlegungen zum Jugendtreffen mit Papst Benedikt XVI. in Loreto

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ROM, 12. September 2007 (ZENIT.org).- Die Kirche kann nur dann Mutter sein, wenn sie ihrer Aufgabe als Erzieherin nachkommt, betont Bischof Luigi Negri im ZENIT-Gespräch. Der Hirte von San Marino-Montefeltro, der in Italien als Philosoph, Theologe und Essayist bekannt ist, sieht in dieser Erkenntnis eines der Hauptergebnisse der Begegnung der italienischen Jugend mit Papst Benedikt, die am 1. und 2. September im größten italienischen Wallfahrtsort Loreto stattfand.



In Loreto sei deutlich geworden, dass der Heilige Vater die Herzen der Jugendlichen berühre, die nach Sinn, Wahrheit, Schönheit, Gerechtigkeit und Liebe Ausschau halten, nach der „Konstruktivität des Lebens“. Und Bischof Negri fuhr fort: „Der Papst ist den Jugendlichen begegnet. Jesus Christius ist den Jugendlichen begegnet. Es handelt sich um ein Ereignis mit ungeheurer Tragweite.“

Das Jugendtreffen Begegnung müsse zu einem „Weg im Alltag“ werden; es sollte zur Vertiefung des Gewissens, zur Reifung des Herzens und zur persönlichen Begegnung mit Christus als dem Fundament der eigenen Existenz beitragen. Darin bestehe nun die Herausforderung – für Eltern, Erzieher, Priester und Bischöfe.

Das Treffen von Loreto hat nach Worten des Bischofs deutlich gemacht, wie notwendig es ist, dass die Kirche in erster Linie Erzieherin sein müsse, um wahrhaft Mutter zu sein; „eine Kirche, die die Jugend in ihrer alltäglichen Erfahrung Christi begleitet“. Dann könne sie im persönlichen Leben und in der Menschheitsgeschichte zum entscheidenden und siegreichen Faktor werden.

Dieser Anspruch stelle die Kirche vor die Frage, ob sie ihrer Aufgabe tatsächlich nachkommt oder sich in sozialen Botschaften oder pseudo-psychoanalytischer Tätigkeit verliert. Die Kirche könne all diese Schwierigkeit nur überwinden, wenn die theologische Ausbildung angemessen sei, hob der Bischof hervor.

Die Vergangenheit habe erkennen lassen, dass sich eine fundierte theologische Ausbildung in der Synthese von Wort Gottes, Tradition und Lehramt zu vollziehen hat. Keine Theologie dürfe sich aus den Moden der Zeit heraus definieren oder auf Philologie oder historisch-kritische Exegese verkürzt werden. So wäre sie nicht in der Lage, der kritischen Begeisterung der Jugend für den Glauben gerecht zu werden.

Die Kirchlichkeit ist in den Augen des Bischofs von San Marino-Montefeltro essenziell. Sie helfe den Menschen, mit den vorherrschenden kulturellen Strömungen in einen wahren Dialog einzutreten, ohne ihr Spielball zu werden. Gerade darin bestehe eine der zentralen Botschaften von Papst Benedikt XVI.

Bischof Negri ist froh darüber, dass es mittlerweile Theologen und Exegeten gibt, die sich zu den Positionen des Papstes „bekehrt“ hätten. „Ich hoffe, dass es wirklich so ist“, fügte er hinzu.