Bischof Müller sagt Teilnahme an ökumenischer Versammlung in Sibiu (Rumänien) ab

Klärung der Missbrauchsvorwürfe gegen Pfarradministrator haben Priorität

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REGENSBURG/SIBIU, 4. September 2007 (ZENIT.org).- Der Regensburger Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller hat seine Teilnahme an der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu/Hermannstadt (Rumänien) aufgrund der Festnahme des Pfarradministrators von Riekofen, Peter Kramer, abgesagt. In einer schwierigen Situation wie dieser wolle der Bischof nicht fernab seiner Diözese sein, um die weiteren notwendigen Maßnahmen persönlich anzustoßen und zu begleiten, berichtete gestern, Montag, die diözesane Pressestelle.



Bischof Müller ist als Vorsitzender der Kommission für ökumenische Fragen der Deutschen Bischofskonferenz nach Sibiu eingeladen worden, wo von 4. bis 9. September mehr als 1.200 Delegierte unter dem Motto „Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa“ über die geistliche Erneuerung Europas beraten.

Der Pfarradministrator von Riekofen wurde aufgrund des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern verhaftet. In einer ersten Reaktion hatte das Bischöfliche Ordinariat den möglichen Betroffenen das tiefste Bedauern ausgesprochen und angekündigt, menschliche, therapeutische und pastorale Hilfen anzubieten. „Der inhaftierte Pfarradministrator wurde mit sofortiger Wirkung suspendiert. Die Seelsorge vor Ort ist zunächst durch eine Vertretung gewährleistet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an. Das Bischöfliche Ordinariat hat die Ergebnisse des laufenden Verfahrens abzuwarten und vertraut dabei auf die zuständigen juristischen Organe.“

Bischof Müller wandte sich mit einem persönlichen Schreiben an die Mitglieder der Pfarrgemeinde Riekofen, deren Betroffenheit er teilt. „Ich kann gut verstehen, dass alle durch diese neue Situation völlig aufgewühlt sind. Viele Gefühle, Verunsicherung, Enttäuschung, Ratlosigkeit und Wut bedrücken uns. Dennoch müssen wir als Christen uns davor hüten, vorschnell zu urteilen. Die Klärung der Sachlage liegt bei den Vertretern der Justiz, die dabei sicher sehr sorgfältig vorgehen werden.“

In dem Brief, der am Sonntag während der Heiligen Messen verlesen wurde, bekräftigt der Hirte, dass die gegenwärtige Situation nur zu bewältigen sei, „indem wir zu einander halten, bei der Aufklärung mithelfen und die Hilfe, die notwendig ist, geben“. Abschließend bittet er darum, „im Glauben nicht irre zu werden“. Er fügt hinzu: „Als Seelsorger und Ihr Bischof ist dies mein ganz persönliches Gebetsanliegen.“

Am 3. September bestellte Bischof Müller mit sofortiger Wirkung Prälat Gottfried Dachauer zum neuen Seelsorger für die Pfarreien Riekofen und Schönach.

Mit der Berufung des 57jährigen aus Recksberg stelle der Bischof den beiden Pfarreien in dieser schwierigen Zeit „einen pastoral erfahrenen und kompetenten Geistlichen als Begleiter an die Seite“, heißt es in einer entsprechenden Presseerklärung.