Bischof Reinhard Lettmann wird 75 Jahre alt

Wiener Bischof Krätzl: „Er hat dem Konzil ein Gesicht gegeben“

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MÜNSTER, 11. März 2008 (ZENIT.org).- Dank und Abschied prägten die Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag des emeritierten Bischofs von Münster, Reinhard Lettmann, dessen Rücktritt vom Hirtenamt von Papst Benedikt XVI. angenommen worden war.

Als Bischof Reinhard Lettmann im Jahr 1980 zum 74. Nachfolger des heiligen Ludgeri im Bistum Münster ernannt wurde, war er der jüngste deutsche Oberhirte. Er stammt aus einer alteingesessenen Bergarbeiterfamilie mit dem lokalen Rang von ‚Poalbürgern’ in Datteln, einer mittelgroßen Stadt am Rande des Münsterlandes, die jahrzehntelang vom Kohlebergbau geprägt war.

Im Zentrum der Stadt, die auch größter Kanalknotenpunkt Europas ist, liegt die traditionsbewusste und lebendige Pfarrgemeinde St. Amandus. Stolz ragt ihr Turm in den Himmel des Ostvests. Hier war der spätere Bischof als junger Messdiener tätig, hier lernte er die kernige und offene Spiritualität des westfälischen Katholizismus kennen. Getragen vom Glauben seiner Gemeinde, konnte er seine Berufung entdecken und ihr folgen. Ein Schritt, der nach ihm noch viele andere junge Menschen aus St. Amandus zum Ja zu Berufung und Priestertum anregen sollte.

Als Lernort für den Glauben konnte er aus seiner Heimat eine unaufdringliche herzliche Marienfrömmigkeit mitbringen sowie eine spontane und überzeugte Ökumene, die in Datteln seit jeher gang und gäbe ist, trennen doch St. Amandus und die Lutherkirche am Marktplatz kaum 1000 Meter Luftlinie.

Die Städte des Ruhrgebietes, so auch die südlichsten Gebiete des Bistums wie Datteln, Oer-Erckenschwick, Marl und Recklinghausen sind Schmelztiegel von Menschen aller Himmelsrichtungen, die hier Leben und Brot gefunden haben. Die westfälische Geradlinigkeit, wie sie etwa der selige Bischof von Galen exemplarisch vorlebte, sind hier gepaart mit Weite und Toleranz.

Kardinal Meisner unterstrich in seiner Festpredigt, dass die 45 Jahre, in denen Bischof Reinhard Lettmann der Kirche seines Bistums diente, „keine Schonzeit für die Kirche“ gewesen sei. „45 Jahre hat er in verschiedenster Weise das Hirtenamt als Priester und Bischof in der Leitung der Diözese Münster ausgeübt. 1963 wurde er Sekretär von Bischof Joseph Höffner, 1967 sein Generalvikar, 1973 schließlich Weihbischof, und von 1980 bis heute ist er Bischof von Münster“, resümierte Kardinal Meisner.

„Es waren jedenfalls keine Schonstellen, die er innehatte, und die vergangenen 45 Jahre waren auch keine Schonzeiten in der Kirche. Sie haben dem Bischof einer großen Diözese alles an Kraft abgefordert, was ihm zur Verfügung stand.“

In seinem Grußwort unterstrich der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch: „In den langen Jahren Deines Hirtendienstes ist in der Kirche von Münster vieles gewachsen und aufgebrochen. Dafür steht der Name Reinhard Lettmann, der Name eines Mannes, der sich und seinen Grundsätzen stets treu geblieben ist.“ Eine Tugend, die Bischof Lettmann kennzeichnet, der sich trotz aller persönlichen Bescheidenheit selten in diesen 28 Jahren von konjunkturellen Trends bewegen noch einschüchtern ließ.

Sein langjähriger Mitarbeiter und jetziger Erzbischof von Hamburg, Erzbischof Werner Thissen, bestätigte das jüngst in einem Interview: „Bei seinen Stärken fallen mir zuerst Geradlinigkeit und Verlässlichkeit ein. Man kann sich auf ihn hundertprozentig verlassen“, erklärte er.

„Das haben viele Mitbrüder und viele Mitglieder in Pfarrgemeinden, Verbänden und Gremien erfahren. Taktieren ist seine Sache nicht. Jeder kann bei ihm wissen, woran er ist. Wenn er sich nach eingehendem Überlegen und intensiver Beratung eine Meinung gebildet hat, dann muss jemand allerdings schon sehr gewichtige Argumente haben, um ihn davon wieder abzubringen.“

Großzügig hat Bischof Reinhard auch als einer der ersten Hirten in Deutschland den neuen Geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften ohne Ansehen ihrer jeweiligen Ausrichtung Anerkennung gewährt und es gewagt, ihnen einen konkreten Platz innerhalb der Pastoral seiner Diözese zu geben.

Sein langjähriger Freund, Weihbischof Helmut Krätzl aus Wien, mit dem er im Jahre 1960 das Kirchenrechtsstudium begonnen hatte, erklärte am vergangen Sonntag vor rund 4.000 Gästen in seiner Würdigung in der Münsterlandhalle über Bischof Lettmann: „Er hat dem Konzil ein Gesicht gegeben. Das Gesicht des Konzils ist heute vielen unbekannt, für andere wurde es durch falsche Interpretationen entstellt.“

„Reinhard Lettmann hat vom Konzil gelernt, danach gelebt, danach gehandelt und es durch sein Bischofssein interpretiert. So hat er etwa die Communio, wie sie das Konzil ausgerufen hat, zum Prinzip seiner Pastoral gemacht“, so Bischof Krätzl, dessen Rücktrittsgesuch in der vergangenen Woche vom Papst angenommen worden ist. „Das Miteinander gehört zu einer seiner Grundhaltungen. Er weiß sich mit den Gläubigen in einer Gemeinschaft im Einsatz für das Evangelium. Ja, er fühlt sich selbst vom Glauben der Gemeinde getragen.“

Und Bischof Krätzl fügte hinzu: „Solche Art der Gemeinschaft hatten die Konzilsväter vor Augen gehabt, als sie die Kirche vor dem Blick auf die Hierarchie als Gemeinschaft aller Getauften beschrieben.“ Eine solche Gemeinschaft müsse sich auch in Gremien ausdrücken. „Er nahm sie ernst. Aber fruchtlosen Debatten hat er sich entzogen, wohl mit rollenden, warnenden Augen. Es gibt wohl kaum einen anderen Bischof, der im wahrsten Sinn des Wortes auf seine Gemeinden zugegangen ist. Nicht nur bei offiziellen Anlässen, sondern zu Fuß im schlichten Wanderkleid. Und auf gemeinsamen Wanderungen ist er den Pilgerweg des Glaubens mit so vielen gegangen, und sogar Spannungen und Kontroversen haben sich unterwegs gelöst“.

Von Angela Reddemann