Bischof Reinhard Marx ist der 73. Nachfolger des heiligen Korbinian - ein Profil

Von Angela Reddemann

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ROM/MÜNCHEN, 30. November 2007 (ZENIT.org).- Mit bewegendem Glockengeläut des Liebfrauendoms kündigte die Erzdiözese München-Freising den Gläubigen heute um 12.00 Uhr zum Angelus die Berufung von Bischof Reinhard Marx durch Papst Benedikt XVI. zu ihrem neuen Oberhirten an.



Zu diesem Zeitpunkt, als der Vatikan zeitgleich in Rom die Ernennung bekannt gab, stellte sich der scheidende Diözesanadministrator, Kardinal Friedrich Wetter, der die Erzdiözese 25 Jahre geführt hat, zusammen mit Generalvikar Simon im Kapitelsaal des Bischöflichen Ordinariates der Presse.

Seitdem die ersten Informationen über den 73. Nachfolger des heiligen Korbinian am Mittwochnachmittag durchgesickert sind, nahm sich die Lokalpresse intensiv der Lebensgeschichte des neuen Münchner Erzbischofs an, der aus Westfalen stammt und den Bayern nun als „Zugereister“ dienen wird.

Auf die Frage, wie er sein Hirtenamt verstehe, bekräftigte der 54 jährige Bischof in einem Interview gegenüber ZENIT:„Jedes Amt in der Kirche muss sich natürlich an Jesus selbst orientieren.“

Das sei zwar ein hoher Anspruch, „aber dem habe ich mich zu stellen. Jesus hat die Ausübung einer starken Autorität verbunden mit großer Menschenfreundlichkeit“, so Bischof Reinhard vor einem Jahr als Bischof von Trier.

Mit 48 Jahren wurde Reinhard Marx, der in Paderborn als Professor für Christliche Gesellschaftslehre unterrichtete, am 20. Dezember 2001 von Papst Johannes Paul II. zum 102. Bischof von Trier ernannt. Am 1. April 2002 wurde er im Trierer Dom in sein Amt in der ältesten Diözese Deutschlands eingeführt.

Geboren wurde Reinhard Marx im Jahr 1953 in Geseke, einer Stadt mit damals 8.500 Einwohnern im Paderborner Land. Seine westfälischen Wurzeln kann der temperamentvolle und schlagfertige Bischof nicht verleugnen. Zu seinem Persönlichkeitsprofil gehören: Geradlinigkeit, Klarheit, eine bodenständige Frömmigkeit und Sensibilität für die soziale Pragmatik des Evangeliums. Gegenüber ZENIT betonte er in Bezug auf seine religiöse Erziehung: „Ich habe nie irgendeinen Zwang erfahren.“

Das ganze katholische Umfeld seiner Heimat habe zu einer gewissen „normal-katholischen Spiritualität“ beigetragen. „Es ist eine herzhafte und kernige Frömmigkeit, die auch meinen Heimatpfarrer ausgezeichnet hat. Dazu gehört auch ein gesundes katholisches Selbstbewusstsein, die Freude darüber, dieser wunderbaren katholischen Kirche angehören zu dürfen.“

Reinhard Marx studierte in Paderborn, Paris, Bochum und Münster. Im Jahre 1979 wurde für die Diözese Osnabrück zum Priester geweiht. Im Jahre 1989 wurde der 36-Jährige als Direktor der „Kommende“ in Dortmund-Brackel, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, eingeführt. Mit 43 Jahren empfing er im Jahr 1996 von Papst Johannes Paul II. die Ernennung zum Weihbischof für sein Heimatbistum Paderborn.

Seit 1999 ist Bischof Marx Vorsitzender von Justitia et Pax, einer von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken gemeinsam getragenen Kommission.

In der Deutschen Bischofskonferenz gehört Bischof Marx als stellvertretender Vorsitzender der weltkirchlichen Kommission an. Zugleich ist er Vorsitzender der Kommission VI für gesellschaftliche und soziale Fragen.

Bei seiner Amtseinführung in Trier schon machte Marx deutlich, dass es für ihn keinen Rückzug der Kirche aus Gesellschaft und Politik geben dürfe. Das soziale und politische Engagement der Kirche müsse aber mit Spiritualität und Seelsorge verknüpft sein. Gegenüber ZENIT erklärte er diesbezüglich: „Für mich sind Frömmigkeit und soziales, karitatives und politisches Engagement zwei Seiten einer Medaille oder auch das, was manche Theologen die Verbindung von Mystik und Politik nennen. Natürlich gehört für mich aus meiner Lebensgeschichte heraus auch der Einsatz für die Schwachen und Kranken, das Engagement für die Würde des Menschen dazu. Das war von Anfang an unmittelbar mit der Verkündigung des christlichen Glaubens verbunden. Die antike Welt kannte nur das Schöne, Siegreiche, Mächtige.“ Die Christen, so der Bischof, „haben damit, dass sie die Kranken, Schwachen, Behinderten in die Mitte geholt haben, einen ganz neuen Akzent gesetzt.“

Seine „Option für die Armen“ hat beim Caritasdirektor der Erzdiözese, Hans Lindenberger, nach Angaben des Deutschen Depeschendiensts Wertschätzung und Hoffnung auf neue Impulse wachgerufen. Für den neuen Münchener Oberhirten ist auch die Bedeutung und Notwendigkeit guter ökumenischer Kontakte unbestritten.

Besonders liegt ihm die Einbindung seines diözesanen Wirkens in die Weltkirche am Herzen. In einem Interview mit Renovabis verriet er seinen persönlichen „Schlüsseltext“ in der Bibel – der zweite Korintherbrief, vor allem 3,17: „Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.“ Dies wurde auch sein Wahlspruch als Bischof.

Als Lektüretipp für ein langes Wochenende schlug er „Aus meinem Leben“ (Johannes Paul II.) vor. Das schaffe man auch an einem Nachmittag, sehr lesenswert!

Eine wichtige Botschaft, die er den Gläubigen einmal mitgegeben hat, und die noch immer höchst aktuell ist: „In diesen Zeiten ist es wichtig, als Christ hellwach zu sein und mit Herz und Verstand an den Umbrüchen in Europa teilzuhaben – mindestens im Gebet.“

In den Augen des designierten Münchner Erzbischofs ist die Beziehung zum Bischof von Rom von großer Bedeutung. Seine Entscheidungen versucht er ohne Ansehen der Person in sachlicher Übereinstimmung zur Lehre der Kirche zu treffen.

Als seine Herzensanliegen verriet Bischof Marx gegenüber ZENIT: „Ganz entscheidend sind für mich die Erneuerung der Katechese und der Liturgie. Beides hängt miteinander zusammen. Erschließung des Glaubens im positiven Sinn (…) und Feier des Glaubens in der Freude darüber, dass wir das unzerstörbare Leben gefunden haben.“

So gilt sein Herzenswunsch jetzt insbesondere für das Erzbistum München und Freising, dessen neuer Oberhirte er geworden ist: „Dazu brauchen wir geistlich starke zukunftsfähige Pfarreien, die missionarisch werden. Deswegen spreche ich von einer neuen Sammlung und Sendung des Gottesvolkes. Das ist ein längerer Weg, der nicht ganz einfach sein wird. Aber ich sehe keine Alternative dazu.