Bischof Salvio Huix Miralpeix (1877-1936)

Oratorianischer Märtyrerbischof von Lérida (Lleida)

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von P. Edoardo Aldo Cerrato C.O. und P. Paul Bernhard Wodrazka C.O.

Am 5. August 2011 jährt sich zum 75. Mal der Jahrestag des Heimgangs des Dieners Gottes Salvio Huix Miralpeix, des Märtyrerbischofs von Lérida/Spanien, der aus dem Oratorium des heiligen Philipp Neri in Vic stammte und dessen Seligsprechung bevorsteht. Während des spanischen Bürgerkrieges haben einige Oratorianer ihr Blut für ihren Glauben an Gott vergossen: Unter ihnen sind aus der Kongregation des Oratoriums von Barcelona-Gracia die Patres Pedro Garet Vilar del Bosch, Candido Vila Maneja, Aleix Soler Llobera, Joaquim Serra Auferil und Martì Subirà Arumi. Die Kongregation von Barcelona-Barrio gotico verlor den Präpostius P. Agustì Mas Folch, P. Josep Serra Altarriba und die Laienbrüder Emili Prat Miquel und Joaquim Bellera Morera, alles mutige Zeugen für das Evangelium. Die Kongregation von Vic, dem auch der Diener Gottes Salvio Huix angehörte, verlor auch P. Ramòn Felius.

Salvio Huix Miralpeix wurde am 22. Dezember 1877 in Santa Maria Margarita di Vellors in der Diözese Vic (etwa 70 km nördlich von Barcelona) in Katalanien geboren. Die Eltern entstammten angesehenen lokalen Familien mit langer Tradition und tiefem Glauben, aus denen auch einige Berufungen zum Priestertun hervorgegangen waren. Salvio wuchs in einer Familie auf, in der der Glaube an Gott und die Liebe zu Kirche und Papst eine selbstverständliche Grundhaltung darstellten. Auf einem Berg lag das geräumige Anwesen der Familie, eine katalanische Masia, in der sich auch eine Kapelle befand, die Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel geweiht war. In diesem religiösen Umfeld reifte allmählich in Salvio der Entschluss, Priester zu werden. Es folgten vierzehn Ausbildungsjahre (1889-1903) im kleinen und im großen Seminar von Vic, in denen sich Huix schon früh in ein Leben des Gebetes, des Einübens in das Hören auf Gott, des verbindlichen Gehorsam, des Studiums und des Apostolates einübte. Der Seminarist Salvio war ein eifriger Student, der nicht nur äußerlich die Studien absolvierte, sondern vor allem innerlich zu reifen versuchte, um sich bestmöglich auf den Dienst an den Seelen vorzubereiten.

Mit fast 26 Jahren konnte Salvio Hiux am 19. September 1903 von Bischof Torrás y Bages zum Priester geweiht werden. Zunächst sandte ihn sein Bischof als Kaplan in verschiede Pfarren der Diözese, um dort den Menschen den gekreuzigten und auferstandenen Christus zu verkünden und sie durch die Sakramente der Kirche zu immer tieferem Leben in der Verbindung mit Christus zu führen.

Zu dieser Zeit war die von 1723 bis heute bestehende Kongregation des Oratoriums des hl. Philipp Neri von Vic ein bekanntes geistliches Zentrum, dessen Apostolat weit über die Stadt hinausging. Die Kongregation des Oratoriums, bekannt als Weltpriestergemeinschaft ohne Gelübde, ist eine Gesellschaft Apostolischen Lebens Päpstlichen Rechts, die in der Verbindung von Kontemplation und Aktion dem apostolischen Leben der Kirche dient. Pater Adjutorio – ein Onkel von Salvio –, war Sodale dieser Kongregation des Oratoriums und zu jener Zeit noch in guter Erinnerung beim gläubigen Volk der Stadt. In Huix reifte allmählich der Entschluß „bis zum Tod“ für Christus arbeiten zu wollen. Die beste Voraussetzung, sich für die Seelen der Gläubigen hingebungsvoll einzusetzen, sah er im Entwurf des Oratoriums verwirklicht, weshalb er 30-jährig um die Aufnahme in das Oratorium von Vic bat. Nach vier Jahren pastoraler Erfahrung in einzelnen Pfarreien konnte er 1907 in die Kongregation des Oratoriums aufgenommen werden, wo er 20 Jahre wirken sollte. Dem heiligen Philipp nacheifernd, hörte er viele Stunden pro Tag Beichte. Der begabte Pater wurde ein immer begehrterer Beichtvater und Seelenführer, v. a. unter Jugendlichen und Männern. Seinen Dienst übte er stets geduldig, klug und väterlich aus. Damals standen die Oratorianer um 4.30 Uhr (an Sonn- und Feiertagen schon um 4 Uhr) auf, um nach einer Stunde Betrachtung für die Gläubigen im Beichtstuhl zur Verfügung zu stehen. Diesen verließen sie bis mittags nur, um die hl. Messe zu feiern. Am Nachmittag und Abend hielten sie eine weitere Stunde Betrachtung und hörten wiederum mehrere Stunden Beichte. Unermüdlich besuchte er in den wenigen freien Stunden des Tages die Kranken, unterrichtete im Priesterseminar oder besorgte Angelegenheiten der Kongregation des Oratoriums. Seine Maxime war stets: Wenig schlafen, viel beten und sich unaufhörlich dem Dienst an den Seelen widmen. In ganz Vic genoss er den Ruf, große Sünder und Menschen, die der Kirche den Rücken gekehrt hatten, auf den Weg des Glaubens zurückführen zu können.

Schon sehr bald sprach sich herum, dass P. Salvio ein exzellenter Beichtvater und ein großer Jugendseelsorger war, so dass er 1919 zum Leiter der Marianischen Kongregationen in Vic und zwei Jahre später zum Direktor für ganz Katalanien ernannt wurde. 1923 ist es P. Huix, der die öffentliche Krönung einer Muttergottesstaute, der Herrin und Königin, im Flachland von Vic organisierte. Etwa zur selben Zeit gründete er auch die Kongregation der reinsten Jungfrau Maria und des heiligen Josef, um die jungen Familienväter zu einer tiefen Liebe zu Christus und zu seiner Kirche zu führen.

Die Talente des begabten Oratorianerpaters blieben auch dem Bischof von Vic nicht verborgen, der ihn mit der  geistlichen Formung seiner Seminaristen beauftragte. Für 20 Jahre dozierte er Aszese und Mystik am Seminar von Vic, so dass er eine ganze Generation von Priestern geformt hat.

Er war Präpositus des Oratoriums von Vic, als er 1927 zum Apostolischen Administrator von Ibiza ernannt wurde. Der in Vic mit vielen Tränen verabschiedete P. Huix wählte sich anläßlich seiner Bischofsweihe am 15. April 1928 als Wappenspruch die Worte des heiligen Apostel Petrus: In verbo tuo laxabo rete (Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen [Lk 5,5]). Dieser bischöfliche Wahlspruch zeigte ganz deutlich die Priorität, die er sich für sein bischöfliches Wirken gesetzt hatte, ein wirklicher Nachfolger der Apostel unter den Menschen und ein guter Hirte der Kirche zu sein. Seine Bemühungen konzentrierten sich auf das Seminar, den Klerus, die Katholische Aktion, das Halten von Exerzitien sowie die Verehrung der Allerheiligsten Eucharistie und der Allerseligsten Jungfrau Maria. Letzteres brachte ihm den Spitznamen, „marianischer Bischof“ ein. Im Klerus bemühte sich der eifrige Bischof um eine Verbesserung der materiellen und spirituellen Situation seiner Priester. Immer und überall versuchte er, die Menschen für Christus zu begeistern. Von einem Besuch ad limina apostolorum in Rom brachte er allen seinen Priestern den damals gerade neu erschienen Katechismus von Kardinal Pietro Gasparri mit. Auf seiner Rückreise ermutigte der Bischof brieflich seine Diözesanen im Glauben festzustehen: „Wir fühlen uns … im Glauben erneuert und bestätigt, in kindlicher Anhänglichkeit dem Heiligen Vater treu ergeben, … und entschlossen zu einer größeren Treue, zu einer Treue bis zum Tod und wenn es sein muss – mit der Hilfe der göttlichen Gnade – bis zum Martyrium“. Nur wenige Jahre später sollte er dann selbst diese große Treue zu Christus konkret unter Beweis stellen, eine Liebe zu Gott, die bis zum Martyrium ging.

Im September 1923 ergriff General Miguel Primo de Rivera (1870-1930) die Macht in Spanien – dies mit ausdrücklicher Zustimmung des Monarchen König Alfons XIII. Nach dem Scheitern der Diktatur und dem Sieg der Republikaner verzichtete Alfons XIII. auf den Thron. Am 14. April 1931 wurde die provisorische republikanische Regierung gebildet. Die Beziehungen zwischen der Katholischen Kirche und der republikanischen Regierung waren von Anfang an ungünstig. Am 11. Mai 1931 wurden die ersten Klöster in Madrid, Valencia, Sevilla und an anderen Orten niedergebrannt und es kam zu einem ersten ernsten Konflikt zwischen der Kirche und dem neuen Regime. Der Konflikt spitzte sich immer mehr zu: einzelne Bischöfe werden des Landes verwiesen, die Rechte der Kirche wurden durch die Verfassung sehr beschränkt, religiöse Orden, wie z. B. die Jesuiten, wurden aufgelöst, die Friedhöfe säkularisiert, die Ehescheidung eingeführt und die Kreuze in den Schulen mussten abgenommen werden. Die Kirche protestierte gegen diese Art der Verfolgung scharf.

Am 28. Jänner 1935 wurde Bischof Salvio Huix Miralpeix zum Bischof der Diözese Lérida (Katalanien) ernannt. In der kurzen Zeit, die ihm dort auf Erden noch zugedacht war, versuchte er die Katholische Aktion und die Verehrung des Allerheiligsten Altarsakramentes zu fördern. Wenige Wochen vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges konnte er noch Eucharistische Tage feiern, um den Glauben an die reale Gegenwart Jesu Christi im Altarsakrament in seiner Diözese zu stärken. Eine der letzten Photographien zeigt ihn gemeinsam mit den Alumnen im Garten des Priesterseminars.

Die Wahlen vom Februar 1936 fielen für die Volksfront (Linkspartei) günstig aus, die zu einem Angriff ansetzte, der schon viele Zeichen einer religiösen Verfolgung hatte: Innerhalb von nur sechs Wochen ereigneten sich 199 Überfälle und Raubdelikte, davon 36 in Kirchen; 178 Brände wurden gezählt, darunter 106 ausgebrannte und 56 zerstörte Kirchen. Am 18. Juli 1936 kam es zum Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges (1936-1939), in dem sich die Armee und die Nationalisten zum Kampf gegen die „marxistische Revolution“ vereinigten. Die Bischöfe, Priester und Gläubigen stellen sich in der Mehrzahl auf die Seite der Nationalisten. In dem von den republikanischen Kräften kontrollierten Teilen Spaniens kommt es am Tag nach dem Militäraufstand zu einer Verfolgung und sodann auch zur Ermordung von Klerikern im großen Stil. Die Auseinandersetzungen forderten von der Kirche Spaniens einen hohen Bluttribut.

Am 16. Juli feierte der marianische Bischof Huix das Fest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel in der Kirche, die sich auf dem Anwesen seiner Familie befand. Bis zum 21. Juli 1936, als die Republikaner den Bischofssitz von Lérida stürmten, konnte Bischof Salvio Huix sein apostolisches Wirken in seiner Diözese fortsetzen. Zunächst war er - wenn auch widerwillig - damit einverstanden, zu Bekannten zu flüchten, um seine Mitarbeiter zu retten. Als er jedoch erfuhr, welcher Gefahr sich seine Helfer aussetzten, verließ er in der Nacht des 23. Juli sein Versteck und stellte sich einer Wachmannschaft, indem er seine Identität bekannt gab. Zusammen mit anderen Verhafteten wurde er sofort ins Gefängnis geworfen, wo er mit diesen die Leiden und versteckten Freuden des Gebetes und der Sakramente teilte - bis zur geheimen Spendung der Beichte und der Wegzehrung an seine Mitgefangenen, die um ihr Ende wussten. Alle starben, früher oder später, durch Kopfschüsse der Gewehrkugeln. Wegen ihres Zeugnisses und Amtes mussten 4184 Priester und Seminaristen, 2365 Ordensmänner und 283 Ordensfrauen sterben; sie wurden regelrecht aufgespürt. In der Diözese Lérida wurden 270 von insgesamt 410 Priestern ermordet.

Am Morgen des 5. August 1936, nun am Fest Unserer Lieben Frau vom Schnee, der Patronin Ibizas, um 3.30 Uhr, wurden alle geweckt. Es hieß zunächst, dass sie nach Barcelona gebracht würden, aber schon nach wenigen Kilometern kamen sie am Friedhof an, um dort erschossen zu werden. In der Morgenfrühe erteilte der Bischof noch allen die Absolution und bat darum, als Letzter getötet zu werden, um alle seine Gefährten im Martyrium segnen und bis zum Ende trösten zu können. Dieser letzte Wunsch wurde ihm gewährt, wie ein ehemaliger Aufseher später bezeugt hat: Bis zum Tod blieb der große Bischof von Lérida ein echter Hirte seiner Herde. Damit sollte sich erfüllen, was er schon vor vielen Jahren an alle Diözesanen geschrieben hatte: Wir wollen Christus bis ins Martyrium treu bleiben, wenn Gott es will. Vor seiner Verhaftung hatte er einem Bekannten sein Bischofskreuz übergeben mit der Bitte, es dem Heiligen Vater zukommen zu lassen, und ihm seine Treue gegenüber der Kirche zu versichern, für die er nun sein Leben bereit sei hinzugeben.

Schon bald nach dem grausamen Tod von Bischof Huix bemühte sich die Diözese Lérida um einen Seligsprechungsprozess. Bereits am 27. Juni 1952 konnte das Dekret super scriptis (Prüfung des Schriftenprozesses) erlassen werden. Am 9. Juni 1995 bestätigte die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen in Rom die Gültigkeit des Informativprozesses. 1998 konnte endlich die Positio der Römischen Kongregation übergeben werden. Papst Benedikt XVI. hat am 27. Juni 2011 die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen autorisiert, das Martyrium von Bischof Salvio Huix Miralpeix per Dekret zu promulgieren. Wie es im Dekret heißt, wurde er „aus Hass auf den Glauben“ ermordet. Spanischen Medien zufolge dürfte die Zahl der Opfer der Kirchenverfolgungen von 1934 und 1936-39 an die 10.000 Menschen betragen. Bereits knapp 1.000 seien seliggesprochen worden. Die Seligsprechungsfeier des Oratorianerbischofs und Märtyrers wird voraussichtlich im kommenden Jahr  stattfinden und er selbst darf danach öffentlich (mit gewissen Einschränkungen) verehrt werden. Die starke Persönlichkeit dieses Märtyrerbischofs bleibt bis heute ein leuchtendes Beispiel für die Fruchtbarkeit des priesterlichen und bischöflichen Einsatzes in aufopfernder Hingabe an das religiöse Leben der ihm Anvertrauten und ein Zeugnis in der totalen Selbsthingabe im Vertrauen auf Gott.