Bischof von Islamabad: Das pakistanische Volk steht hinter Bhutto

Kritik am autokratischen Führungsstil des amtierenden Staatspräsidenten

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ISLAMABAD, 21. November 2007 (ZENIT.org).- Auch wenn der pakistanische Oberste Gerichtshof die Wiederwahl von Präsident Pervez Musharraf für rechtmäßig erklärt hat, stehe die Mehrheit der Nation hinter Oppositionsführerin Benazir Bhutto, bekräftigte der Bischof von Islamabad, Msgr. Anthony Theodore Lobo.



Am Montag wiesen zehn neu eingesetzte Richter des Obersten Gerichts – sie alle waren von Musharraf ernannt worden – fünf Klagen gegen die Anfang Oktober erfolgte Wiederwahl des Präsidenten zurück. Morgen, Donnerstag werden sie sich mit dem sechsten und letzten Gesuch befassen.

Auf die Frage, ob Bischof Anthony Theodore Lobo in dieser Krisensituation noch die Hoffnung hege, eine unabhängige Stimme im Richterstuhl zu hören, antwortete dieser, „die neuen Richter sind unterwürfig, so dass ihr Urteil ein bereits vorher gefasster Schluss ist; sie werden alles unterstützen, was die Regierung von ihnen will.“ Die ehemaligen Richter des Obersten Gerichtshofs seien unabhängig gewesen. Sie seien aber abgesetzt worden.

Die Entscheidung des Höchsten Gerichts des Landes erfolgte einen Tag, nachdem Musharraf verkündet hatte, er werde am 8. Januar Parlamentswahlen abhalten lassen.

Die Oppositionsführerin und ehemalige Premierministerin Benazir Bhutto erklärte, dass sie noch nicht schlüssig sei, ob sie an den Wahlen teilnehmen wolle, weil sie starke Zweifel an ihrer Ordnungsmäßigkeit hege. Aufgrund eines vollkommenen Mangels an Vertrauen werde sie sich aus den Verhandlungen mit Musharraf zurückziehen.

Im Gegenzug kritisierte Musharraf die ehemalige Premierministerin und behauptete, sie fürchte die Wahlen, weil sie korrupt und unbeliebt sei.

Bischof Lobo widersprach dieser Ansicht entschieden und wies darauf hin, dass „Benazir in Führung liegt“. Alle Schlagzeilen in den Zeitungen zeigten: „Die Mehrheit der Nation steht hinter Bhutto.“

Am 3. November hatte Musharraf den Ausnahmezustand verhängt und umgehend das Oberste Gericht von jenen Richtern bereinigt, von denen er fürchtete, sie würden seine Wiederwahl annullieren. Die Anfechtungen der Wiederwahl Musharrafs richteten sich, unter anderem, gegen seine Doppelfunktion als Staats- und Armeechef. Auch wenn der pakistanische Staatspräsident versprochen hat, nur mehr als ziviles Staatsoberhaupt zu amtieren, bleibt er seitens westlicher Alliierter weiterhin unter Beschuss, weil er den Demokratisierungsprozess behindert.

Am Dienstag gingen die Aufrufe ziviler Aktivisten zu einer Rückkehr zur demokratischen Staatsführung und zur Wiedereinsetzung der Konstitution weiter, während landesweit Gewaltüberschreitungen anhielten. Über 80 Personen starben bei Auseinandersetzungen in der Nähe der afghanischen Grenze.

Angesichts des Notstands, so Bischof Lobo, glaubten alle Seiten, zum Wohl des Landes zu handeln, indem sie den Menschen ihren Willen aufzwingen. Nach Meinung von Beobachtern wüchsen die ethnisch-nationalistischen und religiösen Gräben beständig; schon bald könnten sie zur Zersplitterung des Landes führen.

Auf die Frage, wie es den Katholiken unter diesen extremen Bedingungen gehe, erklärte Bischof Lobo: „Das alles zielt nicht auf uns ab. Hier handelt es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Demokraten und Autokraten.“