Bischof von Prizren für unabhängigen Kosovo

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MÜNCHEN, 21. Mai 2007 (ZENIT.org).- Die Unabhängigkeit des Kosovo ist für den katholischen Bischof in Prizren, Dodë Gjergji, die „einzige Option“. Falls das Gebiet weiterhin völkerrechtlich bei Serbien bleibe, komme es zum Krieg – und „einen Krieg wollen wir nicht mehr“, betonte der Bischof gegenüber dem internationalen pastoralen Hilfswerk „Kirche in Not“.



Die Bestrebungen der serbischen Regierung, die sich gegen die Unabhängigkeit des Kosovos richten, sieht der Bischof Gjergji kritisch. Besonders für die jungen Menschen im Kosovo sei die Entscheidung über den völkerrechtlichen Status sehr bedeutsam. Wenn alles in der Luft hänge, könne man keine Zukunft planen.

60 Prozent der Kosovaren sind nach Angaben des Bischofs jünger als 35 Jahre und viele junge Erwachsene verließen aufgrund fehlender Perspektiven den Kosovo. Die katholische Kirche hofft laut Bischof Gjergji, dass die Unabhängigkeit dazu beiträgt, junge Menschen im Land zu halten. Er hoffe auch, dass sich mit der Unabhängigkeit das Klima zwischen katholischer und serbisch-orthodoxer Kirche verbessern könne.

Der Kosovo wird seit 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet. Die große Mehrheit der 1,9 Millionen Einwohner sind Moslems. Wie „Kirche in Not“ am Montag berichtete, gibt es 60.000 Katholiken, meist Albaner, außerdem etwa 100.000 serbisch-orthodoxe Christen.

Bischof Gjergji ist davon überzeugt, dass die Zahl der Christen steigen werde. Viele Moslems, deren Vorfahren unter osmanischer Herrschaft offiziell zum Islam übergegangen, insgeheim aber Christen geblieben waren, würden zu ihren Wurzeln zurückkehren. Derzeit seien es noch relativ wenige „Kryptokatholiken“, die wieder zur Kirche kämen; auf längere Sicht werde diese Zahl aber steigen, prognostizierte der Bischof.

Für die Kirche und ihre Mitarbeiter im Kosovo sei das eine Herausforderung. Sie müsse „weg von der Sakristei, hin zu den Menschen“. Und die Bevölkerung im Kosovo sei „bereit, diese Botschaft anzunehmen“, erklärte der Bischof. Finanziell ist die katholische Kirche im Kosovo laut „Kirche in Not“ ganz auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

Bischof Gjergji möchte die Menschen auch durch Medien erreichen: „Wir sind stumm geworden und haben außerhalb der Kirchengebäude keine Stimme“, begründete er dieses Anliegen. Einen Vorteil erkennt er darin, dass er und sein Amt im Kosovo auch bei Muslimen hoch angesehen seien. Die katholische Kirche nehme eine Mittlerfunktion zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen und Religionen ein. Die Moslems sprächen von Gjergji sogar als von „unserem Bischof“.