Bischof Walter Mixa: „Wir müssen neue Wege der ‚Evangelisation’ einschlagen“

Interview mit dem Augsburger Diözesanbischof

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AUGSBURG, 27. September 2006 (ZENIT.org).- „Die Gläubigen in der Kirche und damit auch die so genannten Amtsträger brauchen immer wieder die Bereitschaft zur Umkehr, zur Neubesinnung auf den lebendigen Christus hin“, bekräftigt Bischof Dr. Walter Mixa im Gespräch mit ZENIT.



Der Hirte von Augsburg, der am 25. April 1941 in Königshütte (Oberschlesien) geboren wurde und seinen bischöflichen Dienst unter das Leitthema „Jesus Hominis Salvator – Jesus, des Menschen Retter“ gestellt hat, geht ausführlich auf seine Aufgaben, seine theologisch-geistliche Heimat und seinen Glaubensweg ein. „Durch das Lesen des Neuen Testamentes, durch die Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen und darüber ins Gespräch zu kommen, habe ich mich dann nach reiflicher Überlegung entschlossen, Theologie zu studieren und Priester zu werden.“

Den Theologiestudenten legt er unter anderem das Werk „Theologie des Alten Testaments“ des protestantischen Theologen Gerhard von Rad ans Herz. Für Bischof Mixa ist dieses Buch bis heute „eine sehr lesenswerte Darstellung der alttestamentlichen Bundesgeschichte“ geblieben.

Eines der großen Anliegen des Bischofs von Augsburg, der zugleich deutscher Militärbischof ist, besteht darin, neue Wege der Evangelisation zu finden. Einer davon ist die so genannte „erweiterte Vorbereitung zur Spendung des Taufsakramentes“, deren Ablauf er hier darlegt. „Wir müssen neue Wege der ‚Evangelisation’ einschlagen, müssen offensiv Angebote in unsere Pfarrgemeinde und in die Gesellschaft hineintragen, nicht zuletzt auch von der begründeten Überzeugung getragen, dass es nichts Besseres gibt als das christliche Menschenbild.“

Außerdem weiß Bischof Mixa, „dass Jesus als das ‚sieghafte Wort Gottes’ in der Kirche und mit der Kirche durch die Jahrhunderte und durch die Jahrtausende geht, so dass Jesus selbst… die Kirche vor Glaubensabfall und Irrtum bewahrt“.

ZENIT: Wie verstehen Sie Ihr Hirtenamt?

--Bischof Mixa: Den Dienst als Bischof verstehe ich in der Weise, dass der Bischof ein guter und wegweisender Hirte ist, das heißt, er ist vor Gott und den Menschen geradezu verpflichtet, den Menschen einen Weg zu einem sinnerfüllten Leben zu zeigen, sie vor Irrwegen und Sackgassen zu bewahren und vor allem das endgültige Ziel unseres Lebens, nämlich die Gemeinschaft mit Gott über den Tod hinaus nicht aus dem Auge zu verlieren.

Mit diesem Hirtenamt verbunden ist die herausragende Aufgabe des Bischofs als „Lehrer“. Der Bischof muss die Botschaft des Evangeliums und der neutestamentlichen Schriften, die gewachsene Glaubenslehre der Kirche in unverkürzter und unverfälschter Weise verkünden. Diese Verkündigung muss die gegenwärtigen Fragen der Gläubigen und der Menschen allgemein, ihr Suchen und ihre Sehnsüchte, ihre Zweifel und Nöte aufgreifen und in einer einsichtigen, das heißt plausiblen Weise von der Botschaft des Glaubens her erklären und so zu einem bewussten und positiven Leben verhelfen.

Als Hirte und Lehrer ist der Bischof auch in herausragender Weise „Priester“, das heißt, er steht radikal in der Nachfolge der Apostel und damit in der Beauftragung durch Jesus Christus selbst. Er kann und darf nicht sich selbst wichtig machen, sondern muss immer auf Jesus Christus zeigen wie ein Prophet und zugleich um die innige Christusfreundschaft durch das Gebet bemüht sein. Der priesterliche Dienst hat vor allem auch die Aufgabe durch die glaubwürdige Verkündigung des Wortes Gottes, die Spendung der Sakramente und besonders durch die Feier der Eucharistie die Schönheit und Kraft des Glaubens zu vermitteln und die kirchliche Einheit im Glauben und in der Gemeinschaft zu stärken. Selbstverständlich ist mit dem bischöflichen Dienst auch die Sorge um kranke und arme Gläubige, auch nichtkatholische Mitmenschen verbunden; allgemein die Fürsorge um benachteiligte und Hilfe suchende Menschen.

ZENIT: Eine persönlichere Frage: Könnten Sie uns etwas über Ihre Entscheidung zum Priestertum und allgemein Ihren Glaubensweg erzählen? Wer oder was hat Sie begleitet?

--Bischof Mixa: In der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, Heidenheim an der Brenz, war und ist die katholische Kirche eine verhältnismäßig starke Minderheit. Viele Bewohner dieser Stadt gehören zur lutherischen Landeskirche Stuttgart und nicht wenige gehören Sekten an oder haben sich für freikirchliche Gemeinschaften entschlossen.

Meine Eltern, auch meine Großmutter, haben mich in überzeugender Weise zum Glauben an Gott hingeführt, so dass ich mit meinen Eltern naturgemäß am Sonntag die Heilige Messe mitfeierte. Ich gehörte auch der Jugendbewegung Neudeutschland an, in der wir innerhalb der Pfarrei für die einzelnen Gruppen sehr gute Gruppen- beziehungsweise Jugendführer hatten, die den Glauben auch in die Tat umsetzten.

Während der Woche feierte ich auch zweimal selbstverständlich die Heilige Messe mit: am Donnerstag den Schülergottesdienst für die katholischen Schüler des Hellstein-Gymnasiums in der Marienkirche und am Freitagmorgen vor der Schule den Gemeinschaftsgottesdienst von Neudeutschland und der Mädchenjugendbewegung Heiland. In der Regel war ich auch am Samstagabend bei der Komplet, die von uns Jugendlichen gestaltet wurde. Dies war möglich, da es damals noch keine Vorabendmessen gegeben hat.

Im Alter von 16 und 17 Jahren habe ich mich dann positiv kritisch gefragt, ob all dieses religiöse und geistliche Tun nicht nur aus einer guten Tradition kommt, sondern auch in sich selbst begründet ist. Meine Eltern haben schon damals regelmäßig einen Bibelkreis besucht, so dass ich wusste, wo die Ausgabe des Neuen Testamentes im Bücherschrank meines Vaters stand und so habe ich, ohne meinen Eltern etwas zu sagen, immer wieder nach dem Neuen Testament gegriffen. Abschnittweise habe ich dann täglich daraus gelesen und auch meine kritischen Anfragen und Zweifel im Religionsunterricht anbringen können, da wir einen sehr guten und aufgeschlossenen Priester als Religionslehrer am Gymnasium hatten.

Durch das Lesen des Neuen Testamentes, durch die Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen und darüber ins Gespräch zu kommen, habe ich mich dann nach reiflicher Überlegung entschlossen, Theologie zu studieren und Priester zu werden. Diese Entscheidung war allerdings mit einer großen Schwierigkeit verbunden, da ich in Heidenheim das naturwissenschaftliche Gymnasium besuchte und keine fremden Sprachen erlernt hatte.

Damals konnte man ohne das humanistische Abitur nicht mit dem Theologiestudium beginnen. Deshalb war es notwendig, die alten Sprachen Latein und Griechisch zu erlernen, was sehr viel Fleiß und Mühe erforderte. Nach der Erlangung des humanistischen Abiturs in der Spätberufenenschule in Fockenfeld habe ich mich dann um Aufnahme in das Bischöfliche Priesterseminar der Diözese Augsburg in Dillingen beworben und mich an der Philosophisch-Theologischen Hochschule immatrikuliert. Im Priesterseminar waren der spätere Weihbischof Rudolf Schmid und der damalige Subregens Dr. Albert Lupp für mich wegweisende und überzeugende gute Vorgesetzte; ebenso viele Professoren an der Philosophisch-Theologischen Hochschule, besonders auch mein späterer Doktorvater Professor Hermann Lais.

Ich war sehr gern in der Gemeinschaft der Theologiestudenten im Priesterseminar, habe mich dort sehr wohl gefühlt und den regelmäßigen Tagesablauf ausgezeichnet nützen können für das Studium, aber auch für unterschiedlich geprägte Gespräche mit verschiedenen Gruppen innerhalb der Studentenschaft. Ich wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, hatte die Verbindung zwischen Hochschule und den Interessen der Studentenschaft aufrecht zu halten und war damals auch sehr stark beteiligt bei der Umwandlung der Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen in eine Theologische Fakultät an der neu gegründeten Reform-Universität Augsburg.

Als geistlichen Begleiter und Gesprächspartner habe ich immer wieder in kleineren oder größeren Abständen den Benediktinerpater Hildebrand im Benediktinerkloster Neresheim aufgesucht, der mir wahrscheinlich mehr unbewusst als bewusst bei meinen geistlichen Weg sehr geholfen hat.

ZENIT: Gibt es für Sie so etwas wie eine geistige Heimat, einen theologischen Hintergrund?

--Bischof Mixa: Der theologische Hintergrund ist für mich seit Anfang meiner Studienzeit zu allererst das Lesen und innerliche Durchdenken des Alten und Neuen Testamentes gewesen; selbstverständlich auch die Aussagen der Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und allgemein anerkannte Quellenwerke in allen Disziplinen der Humanwissenschaften und der Theologie.

Eine wegweisende und den Glauben einsichtig darstellende Lektüre war das damals schon sehr anerkannte und neu erschienene Werk des Dogmatik-Professors Joseph Ratzinger „Einführung in das Christentum“. Im Neuen Testament sind für mich die Werke von Rudolf Schnackenburg, Engelbert Neuhäusler und Klaus Berger bis auf den heutigen Tag von großer Bedeutung. Das Werk des protestantischen Theologen Gerhard von Rad, „Theologie des Alten Testaments“, war und ist für mich bis heute eine sehr lesenswerte Darstellung der alttestamentlichen Bundesgeschichte, so dass ich es auch unseren Theologiestudenten empfehle.

In Fundamentaltheologie und Dogmatik sind die Werke des jetzigen Papstes Benedikt XVI., die wissenschaftlichen Darstellungen von Leo Scheffczyk und Anton Ziegenaus, ebenso von Gerhard Ludwig Müller nicht nur sehr klärend und den Glauben erhellend; sie greifen zudem zeitgemäße Fragestellungen auf und geben eine in sich begründete und dadurch überzeugende Antwort.

Für die Spiritualität, für das geistliche Leben, haben die Werke von Thomas von Kempten und Franz von Sales, „Die Nachfolge Christi“ und die „Philotea“ auch heute noch eine wegweisende Bedeutung. Ebenso hilfreich sind die Schriften von Edith Stein und von Hans Urs von Balthasar, nicht zu vergessen die geistlichen Wegweisungen von Johann Michael Sailer.

ZENIT: Woraus schöpft Ihr inneres Leben? Gibt es für Sie eine besondere Kraftquelle?

--Bischof Mixa: Eine besondere Kraftquelle ist für mich das Gebet der Psalmen. Das Stundenbuch beziehungsweise das Brevier ist eine große Hilfe während des Tagesablaufs. Das Gebet des Rosenkranzes hilft mir auch immer wieder zur tieferen Besinnung und ist zugleich Fürbittgebet für die mir anvertrauten Gläubigen, für alle Menschen.

Andachten beziehungsweise Wort-Gottes-Feiern und besonders das Gebet vor dem Tabernakel, die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, geben mir viel Kraft. Die Feier der Heiligen Messe, die Eucharistie, ist für mich nie belastend oder eigentlich forderndes rituelles Geschehen, sondern wirklich Höhepunkt der Gottesverehrung und Anbetung und der innigen Verbundenheit mit Jesus Christus.

ZENIT: Die Weltbischofssynode im Oktober vergangenen Jahres stand unter dem Thema der Eucharistie als Quelle und Mittelpunkt des christlichen Lebens. Welche Bedeutung hat die Eucharistie für Sie?

--Bischof Mixa: Zu Recht ist in den vergangenen Jahrhunderten, in den neuesten kirchlichen Aussagen wie auch in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils die Eucharistie immer wieder als "Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens" bezeichnet worden. In jeder Feier der Heiligen Messe spricht Jesus Christus selbst zu uns, wird seine Lebenshingabe im Leiden und Sterben am Kreuz vergegenwärtigt, so dass zu Recht von einem Opfer gesprochen werden kann. Seine Auferstehung und sein Kommen am Ende der Zeit und Geschichte werden wirklich gegenwärtig.

Jesus Christus selbst ist die Opfergabe, der Opferpriester und die Opferspeise, so dass in der Feier der Eucharistie das Geschehen im Abendmahlsaal, die grausame Verwirklichung des Leidens und Sterbens am Kreuz und auch die kommende Herrlichkeit im Hier und Jetzt Gegenwart werden. Die Heilige Messe ist das größte Geschehen der Verbundenheit Gottes mit uns Menschen, die größte Vereinigung zwischen "Himmel und Erde" und auch die größtmögliche Friedensdemonstration.

ZENIT Was heißt es, zu glauben? Wie wirkt sich das aus?

--Bischof Mixa: Der christliche Glaube ist ein Beziehungsglaube, ein Grundvertrauen gegenüber dem Dreifaltigen Gott, den wir als solchen durch die Offenbarung Gottes in der Menschwerdung seines Sohnes und in der Sendung des Heiligen Geistes erkennen und im Herzen ergreifen können.


Paulus sagt an vielen Stellen seiner Briefe in abgewandelter Form: „Ich glaube dir, Jesus“ (gemeint ist der gekreuzigte Jesus von Nazareth); „Ich glaube dir, Jesus, dem Christus“ (dem Erhöhten, dem Sieger über das Böse und den Tod).

Der unsichtbare Schöpfergott hat sich uns in der Menschwerdung seines Sohnes in unüberbietbarer Weise zugeneigt. Er schenkt uns in der Hingabe Jesu Christi im Leiden und Sterben am Kreuz seine ganze Liebe und gibt uns durch die Auferstehung Jesu einen letzten und tiefen Sinn für unser Leben, eine Hoffnung im Leben und im Sterben. Zu diesem Gott kann ich immer vertrauensvoll beten und gerade auch in den Prüfungen und Belastungen des Lebens, die bei keinem Menschen ausbleiben, Zuflucht und Trost finden.

Nicht zu vergessen sind überdies das Glaubensbeispiel der Gottesmutter und der Heiligen und deren Fürsprache bei Gott „am Thron der Gnade und der Liebe“. Nicht zu vergessen ist, dass Jesus auch davon spricht, dass der Vater im Himmel aus Liebe einem jeden von uns einen schützenden Engel an die Seite gibt.

ZENIT: Jesus ist auferstanden. Wo sehen Sie ihn, wie kommunizieren Sie mit ihm?

--Bischof Mixa: Ich höre ihn in der unverfälschten Botschaft der Evangelien, wie sie sich die Kirche durch die Jahrtausende bewahrt hat; ich höre ihn, sehe ihn in geistiger Weise im Glaubenszeugnis der neutestamentlichen Schriften; ich erfahre ihn und komme mit ihm ins Gespräch im Empfang der Sakramente, besonders der Feier der Eucharistie, im Sakrament der Buße, der Versöhnung, nicht zuletzt in der Anbetung.

Nicht zu übersehen ist, dass Jesus als das „sieghafte Wort Gottes“ in der Kirche und mit der Kirche durch die Jahrhunderte und durch die Jahrtausende geht, so dass Jesus selbst, auch durch die Wirkung des Heiligen Geistes, die Kirche vor Glaubensabfall und Irrtum bewahrt und sie in der ursprünglichen offenbarten Wahrheit erhält. Wäre dies nicht der Fall, hätte die Kirche das erste Jahrhundert gar nicht überlebt.

Die Gläubigen in der Kirche und damit auch die so genannten Amtsträger brauchen immer wieder die Bereitschaft zur Umkehr, zur Neubesinnung auf den lebendigen Christus hin. Er selbst ist und bleibt der Weg, die Wahrheit und das Leben! Die Geschichte der Kirche zeigt deutlich, dass es immer wieder menschliche Verfehlungen und menschliche Einseitigkeiten gegeben hat, dass aber die Kirche im Wesentlichen ihres Glaubens und ihrer Sittenlehre (christliche Lebensregeln) nie von der geoffenbarten Wahrheit abgefallen ist und so eine ununterbrochene Glaubenslehre, eine Einheit im Glauben und in der kirchlichen Gemeinschaft nachgewiesen werden kann. Dies ist nur deshalb möglich, weil das Lehramt der Kirche von Jesus Christus selbst und vom Heiligen Geist bestimmt ist und in der Wahrheit erhalten wird.

ZENIT: Was sind Ihre Herzenanliegen? Worin sehen Sie die großen Herausforderungen unserer Zeit?

--Bischof Mixa: Nach der überzeugenden Feier des 20. Weltjugendtages im vergangenen August hat sich gezeigt, dass nicht wenige junge Menschen mit einer oberflächlichen und materialistischen Lebensgestaltung nicht mehr zufrieden sind. Verstärkt wird auch unter Jugendlichen die Frage nach einem tieferen und bleibenden Sinn gestellt, die Frage nach dem Ursprung und Ziel des menschlichen Daseins. In Verbindung mit dieser Fragestellung wird wie von selbst Gott angefragt – wie immer man sich ihn vorstellen mag.

Dadurch kommt auch Jesus Christus neu ins Gespräch, die Botschaft des Evangeliums und nicht zuletzt die Glaubenslehre der Kirche und die Feier des Glaubens in unterschiedlichen Gottesdienstformen, besonders aber auch in der Eucharistie. Für mich ist es deshalb sehr wichtig, dass wir in der Diözese, sei es in der größeren Gemeinschaft von mehreren Pfarreien, sei es auf Dekanatsebene Jugendliche zu Katechesen und anschließenden offenen Aussprachen einladen, das heißt allgemein mit jungen Leuten im Gespräch bleiben und auch die Möglichkeit zu jugendgemäß gestalteten Gottesdiensten immer wieder neu ergreifen, wie dies beispielsweise bei so genannten „Jugendvespern“ oder beim „Prayerfestival“ der „Jugend 2000“ geschieht.

Eine weitere ganz große und wichtige Aufgabe sehe ich in der so genannten erweiterten Vorbereitung zur Spendung des Taufsakramentes. Ich sehe in der Tatsache, dass Eltern ihr Kind zur Taufe anmelden und damit an die Kirche eine Bitte richten, eine ganz große Chance. Selbstverständlich muss der Hausbesuch mit einem Taufgespräch bei den Eltern bleiben. Im Rahmen dieses Besuches können und sollten unbedingt die Eltern zu drei Glaubensinformationen zur Vorbereitung auf die Spendung des Taufsakramentes eingeladen werden, wobei dies terminlich bekannt gemacht werden muss und in einer aufgeschlossen Gesprächsrunde stattfinden soll.

Beispielsweise muss mit den Fragen begonnen werden: „Warum wollen wir, dass unser Kind getauft wird? Was bringt die Taufe überhaupt? Was bedeutet Erlösung, Befreiung vom Bösen und vom Tod? Kann ich daran glauben?“

Bei diesen Fragen geht es um den innersten Kern des Glaubenszeugnisses, um ein positives Glaubenswissen, das vielen verloren gegangen ist. In einer weiteren Gesprächsrunde wird der an Symbolen so reiche und ansprechende Taufritus dargestellt und mit der Erklärung der vielfältigen Symbole ansprechend veranschaulicht.

Als Gesprächspartner sind natürlich auch einige wenige, aber kundige Mitglieder des Pfarrgemeinderates eingeladen, damit die Taufeltern und die Paten ein klein wenig Gemeinschaft mit der örtlichen Pfarrgemeinde durch diese Gesprächsrunden erfahren. Eine dritte Glaubensinformation stellt sich dem Thema: „Möglichkeiten und Schwierigkeiten einer heutigen religiösen Kinder- und Jugenderziehung“. Diese Gesprächsrunde kann mit einem kurzen Vortrag zu dem genannten Thema beginnen und dann zu einer offenen und freimütigen Aussprache führen.

Aus diesen Gesprächsrunden zur erweiterten Vorbereitung auf das Sakrament der Taufe könnten sich da und dort zudem so genannte Familienkreise, Bibelkreise oder Gesprächsrunden zu Glaubens- und Lebensfragen bilden, so dass auch suchende, fragende und zweifelnde Menschen in solche Gesprächsrunden aufgenommen und zu Wort kommen können.

Wir müssen neue Wege der „Evangelisation“ einschlagen, müssen offensiv Angebote in unsere Pfarrgemeinde und in die Gesellschaft hineintragen, nicht zuletzt auch von der begründeten Überzeugung getragen, dass es nichts Besseres gibt als das christliche Menschenbild.

Neben vielen anderen religiösen Angeboten, auch von Seiten der Freikirchen; neben vielen anderen Daseinsentwürfen und Lebensprogrammen müssen wir die Einmaligkeit des christlichen Gottesbildes, des christlichen Menschen- und Weltbildes, bekennend und missionarisch in unsere Familien, an unsere Arbeitsplätze und in unsere ganze Gesellschaft hineintragen. Wir müssen uns als katholische Christen allesamt neu bewusst sein, dass wir von Jesus Christus als Getaufte und Gefirmte zugleich auch als missionarische und bekennende Kirche gesandt sind, um den Menschen die „gute Nachricht“ vom Evangelium zu verkünden.

ZENIT: Was sagen Sie zu Papst Benedikt XVI., welche Hoffnungen verbinden Sie mit ihm?

--Bischof Mixa: Zweifellos gelingt es Papst Benedikt XVI. in einer sehr menschlichen und zugleich inhaltlich gut verständlichen und begründeten Weise, die Botschaft des Glaubens zu verkünden und dadurch den Menschen eine echte Hilfe zu einer positiven und bewussten Lebensgestaltung zu geben. Seine Ansprachen bei der Pastoralreise in Polen und dann an Schwerpunkten wie Warschau, Auschwitz und Krakau haben weltweit höchste Aufmerksamkeit erfahren und waren zugleich ein wesentlicher Beitrag für ein besseres gegenseitiges Verständnis der Nachbarländer Deutschland und Polen.

Die Generalaudienzen und das sonntägliche Mittagsgebet ziehen so viele Menschen an, die nicht nur aus Neugierde zu diesen Anlässen kommen, sondern auch den Papst selbst hören wollen. Ich bin fest davon überzeugt, dass durch die Art der Glaubensverkündigung und zugleich durch sein bescheidenes und menschfreundliches Auftreten die Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins und damit die Frage nach Gott in der gesamten Gesellschaft neu gestellt werden.

Der Papst passt sich nicht an, gibt sich nicht als „Schauspieler“, der die Massen an sich ziehen will, sondern verkündet überzeugend und damit wegweisend und helfend die Botschaft von der Liebe Gottes in Jesus Christus. Gleichzeitig betont er immer wieder, dass Glaube und alltägliches Leben eine sich gegenseitig durchdringende Einheit sind – eine Einheit, die die Liebe Gottes in Jesus Christus aufgreift und im alltäglichen Leben in der Caritas, in den Werken der Liebe, in die Tat umsetzt.

Der Papst ist nicht nur ein sympathischer, sondern ein wirklich glaubwürdiger Zeuge für Jesus Christus und für die Botschaft und die Weitergabe des christlichen Glaubens.