Bischof Zen von Hongkong: Appell der Einwanderer an UNO muss unterstützt werden

Nennt das jüngste Urteil "lausig"

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HONGKONG, 13. Januar 2002 (ZENIT.org-FIDES).- Das Oberste Berufungsgericht in Hongkong hat ein Urteil erlassen, nachdem über 5.000 chinesische Einwanderer, deren Eltern in Hongkong wohnhaft sind, kein Bleiberecht in der ehemaligen britischen Kronkolonie besitzen. In die Angelegenheit, die seit nunmehr zwei Jahren ungeklärt war, war auch die katholische Kirche des Territoriums verwickelt, die für die Kinder (in China) die Zusammenführung mit ihren Eltern (in Hongkong) foderte. Im Juni 1999 hatte Kardinal John Baptist Wu in einem Hirtenbrief (FIDES vom 18. Juni 1999) die Bürger Hongkongs um Gastfreundschaft gegenüber Einwanderen gefordert und sich dabei auf die traditionellen Gewohnheiten Hongkongs berufen. Der Bischofskoadjutor der Diözese Hongkong, Bischof Joseph Zen Zekiun, hat nun gegenüber der vatikanischen Missionsagentur Fides die nachstehend veröffentlichte Erklärung abgegeben. In seiner Stellungnahme übt er heftige Kritik an den jüngsten Beschlüssen der Richter und verspricht die Unterstützung der Kirche für die Belange der Einwanderer. Als Zeichen des Protestes gegen den Entscheid der Richter will Bischof Zen am Montag nicht am Gottesdienst zur Eröffnung des Gerichtsjahres teilnehmen. Es folgt der Wortlaut seiner Erklärung:



Wir sind über dieses Ereignis wirklich sehr verbittert. Von den fünf Richtern des Gerichtshofes vertrat nur einer die Position, dass die Kinder von Einwanderern akzeptiert werden sollten. Die anderen vier, darunter auch ein Katholik, scheinen gute Menschen zu sein, doch als Richter haben sie ein Armutszeugnis abgelegt. Ihrem Urteil liegen idiotische Kriterien zugrunde, um es einmal sanft auszudrücken. Sie behaupten: "Ja, es gibt Fälle, in denen Menschen ungerecht behandelt wurden, doch wir können nichts dagegen tun. Würden wir den Antragstellern ein Recht auf Wohnsitz in Hongkong zugestehen, so würden wir damit die Einwanderungspolitik des Territoriums untergraben."

Was bedeutet dieser fast ehrfürchtige Respekt gegenüber der ´Immigration Policy’? Es handelt sich dabei nicht um ein juristisches Prinzip. Es wird das Prinzip der Familienzusammengehörigkeit und das Rechtsprinzip, dass man im Zweifelsfall großzügig verfahren sollte, gebrochen. Hier beruft man sich hingegen auf eine Einwanderungspolitik, die mit so großer Ehrfurcht betrachtet wird, als könne kein Richter etwas an ihr ändern!

Wir werden nun auf internationaler Ebene sehen, ob die Vereinten Nationen etwas bewegen können. Unterdessen bleiben noch zwei Monate, in denen man frischen Atem und neue Gedanken fassen kann. Wir werden indes versuchen, Gewalt bei Protestkundgebungen zu verhindern.

Wir Katholiken haben zusammen mit den Protestanten stets die Rechte der Asylbewerber unterstützt. Lezten Sonntag haben wir tausende von Einwanderern getroffen. Bei diesem Anlass habe ich ihnen versichert: Sie können euch eure Rechte nehmen aber sie können euch nicht eure Würde nehmen und sie dürfen euch nicht den Wert eures Lebens nehmen. Deshalb verzichtet auf Gewalt! Die ganze Kirche von Hongkong und ich persönlich werden eure Anfrage an die Vereinten Nationen unterstützen. Diesmal bin ich auch bereit, zum Protest auf die Straße zu gehen. Was nun passiert, ist wirklich peinlich. Am Montag soll ich aus Anlass der Eröffnung des Gerichtsjahres einen Gottesdienst feiern. Ich habe beschlossen, dass ich dies nicht tun werde. Im Zeichen des Protests werde ich mich weigern.