Bischöfe aus aller Welt kritisieren neues spanisches Ehegesetz

Warnung vor einer "Diktatur des Relativismus"

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ROM, 6. Juli 2005 (ZENIT.org).- Bischöfe aus aller Welt kritisieren das kürzlich in Spanien in Kraft getretene Gesetz über die "Ehe" gleichgeschlechtlicher Paare, deren "Recht" auf Adoption von Kindern und die Ehescheidung, die nun innerhalb der ersten drei Monate ohne Angabe von Gründen und sonstigen Voraussetzungen uneingeschränkt möglich ist.



Spaniens Bischöfe verurteilten die gesetzlich festgelegte Gleichstellung homosexueller Paare mit Eheleuten vor wenigen Tagen als großen "Rückschritt". Die neuen Ehegesetze, in denen jeder Hinweis auf Ehefrau oder Ehemann beziehungsweise Gattin oder Gatte eliminiert worden ist, seien "ungerecht", man müsse alle erdenklichen legalen Schritte unternehmen, um gegen diese Änderungen vorzugehen.

Diktatur des moralischen Relativismus

Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, warnte in der italienischen Tageszeitung "Avvenire" vor einer "Verdrehung der natürlichen Prinzipien". Der von der sozialistischen Regierungspartei in Spanien vollzogene Gesetzesentscheid entspreche mit Sicherheit nicht dem Willen des spanischen Volkes.

Kardinal Alfonso López Trujillo, Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie, wies bei einem Radiointerview in Kolumbien auf den "zerstörerischen Charakter" der neuen Gesetze hin, und Kardinal Luis Cipriani Thorne, seines Zeichens Erzbischof von Lima (Peru), warnte in diesem Zusammenhang vor einer Diktatur des moralischen Relativismus, bei dem sich das Böse unter dem Deckmantel des Guten durchsetze und jede Gesprächsbereitschaft mit Glauben und Wissenschaft verweigere. Besonders die Tatsache, dass gerade in Spanien, einem traditionell christlichen Land, derartige Gesetze beschlossen worden seien, macht Kardinal Cipriani sehr besorgt.

Denselben Gedanken hatte auch Bischof Hugo Garaycoa Hawkins von Tacna-Moquegua, der Vorsitzende der peruanischen Bischofskonferenz. In einem Gespräch mit dem Nachrichtendienst "Fides" sagte er: "Besonders für Lateinamerika, auf das Spanien großen Einfluss ausübt, hat diese Entscheidung bittere Folgen." Die neuen Gesetze seien nichts anderes als ein "Anschlag auf die Familie". Nun bleibe zu hoffen, dass der spanische König Juan Carlos I. Mut beweise und seine Unterschrift verweigere. Ihm habe es König Baudouin von Belgien 1990 vorgemacht, als er dem Gesetzesentwurf über die Abtreibung nicht zustimmte.

Europa verliert seine Seele

Bischof Catalino Claudio Giménez Medina von Caacupé, Vorsitzender der Bischofskonferenz von Paraguay, warnte im Zusammenhang mit der Gesetzesentscheidung vor einem Werteverfall.

Eindeutige Worte fand auch der afrikanische Erzbischof John Baptist Odama von Gulu (Uganda): "Europa scheint seine Seele zu verlieren und zum Gefangenen eines Relativismus zu werden, der keine Ethik mehr kennt."

Der Vorsitzende der senegalesischen Bischofskonferenz, Erzbischof Théodore Adrien Sarr von Dakar, sagte, dass die Afrikaner über diesen groben Verstoß gegen das Naturrecht zutiefst erstaunt seien. Das Gesetz richte sich gegen das natürliche Sittengesetz und sei kein Schritt hinein in eine humanere Welt, sondern "ein Schritt zurück". Diesem Urteil schloss sich auch Erzbischof Raphael S. Ndingi Mwana’a Nzeki von Nairobi (Kenia) an.

Donald De Souza, der Pressesprecher der indischen Bischofskonferenz, wandte sich an die spanischen Bischöfe, um ihnen mitzuteilen, dass die gesamte indische Kirche den Spaniern "im Kampf für das Leben" beistehe.