Bischöfe begrüßen EU-Reformvertrag

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BRÜSSEL, 23. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Der neue Reformvertrag, der am 13. Dezember von den Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedstaaten in Lissabon (Portugal) unterschrieben werden soll, ermöglicht in den Augen der europäischen Bischöfe eine aktivere Teilnahme der Christen bei der Gestaltung Europas. Die Debatte über die christlichen Wurzeln des Kontinents müsse aber weitergehen.



Prälat Treanor, Generalsekretär der Kommission der Bischofskonferenzen im EU-Raum (COMECE), begrüßte die am Freitag erzielte Einigung über den Vertragstext, der mehr als 250 Seiten umfasst, und wies darauf hin, dass darin „die Sorge um das Gemeinwohl und die Interessen von 500 Millionen Bürgern“ sichtbar werde.

Der Reformvertrag führt eine Präambel in das Vertragswerk der Europäischen Union ein, die das kulturelle, religiöse und humanistische Erbe Europas anerkennt, das Christentum aber nicht erwähnt. Deshalb betonte Prälat Treanor: „Die Debatte über die christlichen Wurzeln Europas ist untrennbar von der Reflexion über die europäische Identität; sie muss also fortgeführt werden.“ Die angesprochene Textpassage lautet: „Schöpfend aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas, aus dem sich die unverletzlichen und unveräußerlichen Rechte des Menschen sowie Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit als universelle Werte entwickelt haben…“

Die COMECE begrüßt besonders die Einführung von Artikel 15b in den Lissabon-Vertrag, wo es heißt: „Die Union achtet den Status, den Kirchen und religiöse Vereinigungen oder Gemeinschaften in den Mitgliedstaaten nach deren Rechtsvorschriften genießen, und beeinträchtigt ihn nicht.“ Im Reformvertrag wird überdies bekräftigt: „Die Union pflegt mit diesen Kirchen und Gemeinschaften in Anerkennung ihrer Identität und ihres besonderen Beitrags einen offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog.“

Dazu erklärten die Bischöfe: „Auf der Grundlage dieses Artikels, mit dem die EU Neuland betritt, werden die europäischen Institutionen eine vertiefte Form des Dialogs mit den Kirchen führen. Dies wird den Christen erlauben, den Prozess der europäischen Entwicklung wirksamer zu begleiten hin zu einer solidarischeren und gerechteren Union, einer Union, die angesichts der großen Herausforderungen in der Welt mehr Verantwortung übernimmt.“

Sollte der Reformvertrag von jedem Mitgliedsstaat ratifiziert werden, wird er im Januar 2009 in Kraft treten.