Bischöfe beklagen Versagen der EU beim Schutz der Christen

Politische Streitereien, während Menschen ums Leben kommen

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BRÜSSEL, 4. Februar 2011 (ZENIT.org).- Die europäischen Bischöfe beklagen das Scheitern einer gemeinsamen Erklärung des Rates für Auswärtige Angelegenheiten der Europäischen Union zur Verurteilung der religiöser Verfolgung und der Gewalt gegen Christen (ZENIT berichtete).

Am Montag trafen die 27 Außenminister der Europäischen Union zusammen, um verstärkte Maßnahmen zur Förderung der Religionsfreiheit zu erörtern, nachdem andere europäische Institutionen ähnliche Schritte vorgenommen hatten.

Am 20. Januar hatte das Europäische Parlament eine 19-Punkte-Entschließung zur „Lage der Christen im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit" und am 24. Januar die Parlamentarische Versammlung des Europarates eine 17-Punkte-Empfehlung zur „Gewalt gegen Christen im Nahen Osten" verabschiedet.

Im ersteren wurde vom Europäischen Parlament unter den jüngsten Angriffen auf Christen folgende besonders erwähnt: eine Serie von koordinierter Bombenangriffe auf christliche Wohngebiete in Bagdad, Irak, am 30. Dezember 2010, bei der zwei Menschen getötet und 14 verletzt wurden, ein Bombenangriff auf eine koptische-christliche Kirche in der ägyptischen Stadt Alexandria am 1. Januar 2011, bei der 21 Gottesdienstbesucher getötet und 70 weitere verletzt wurden, und das Massaker in der syrisch-katholischen Kathedrale in Bagdad am 1. November 2010, bei dem mehr als 50 Menschen um Leben kamen.

Die Empfehlung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats erwähnt des Weiteren einen Vorfall in Zypern an Weihnachten und hebt die Notwendigkeit hervor, die Probleme anzugehen, die zum Verschwinden der Christen aus dieser Region geführt hätten.

Für das Treffen am Montag war vorgesehen, dass die Mitglieder des Rats der Europäischen Union für Auswärtige Angelegenheiten über die Auswirkungen der anti-christlichen Angriffe, wie sie in der Entschließung des Parlaments aufgeführt sind, debattieren sollten.

Doch den Außenminister gelangt es nicht, ein gemeinsames Abkommen zu erziehen „aufgrund von internen Streitigkeiten" über „einen ausdrücklichen Verweis auf Christen als Opfer religiöser Verfolgung", berichtete die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE).

Insbesondere die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hätte es abgelehnt, das Wort „christlich" in der Erklärung zu verwenden, mit dem Verweis, dass es politisch nicht korrekt sei, eine bestimmte religiöse Gruppe als Opfer von Angriffen zu nennen.

Der italienische Außenminister Franco Frattini sagte nach Treffen am Montag: „Diese Position ist ein Übermaß an Säkularismus, das der Glaubwürdigkeit Europas schadet. Der endgültige Text sah die Erwähnung der Christen nicht vor, als ob wir von etwas anderem redeten. Deshalb forderte ich, dass der Text widerrufen werden sollte."

Für die europäischen Bischöfe ist „diese diplomatische Unentschlossenheit umso unverständlicher, da unschuldige Menschen in grausamen Angriffen gegen Christen und andere Minderheiten auf der ganzen Welt ums Leben kommen."

In einer Erklärung der COMECE heißt es, dass die Bischöfe das Scheitern der europäischen Minister, eine gemeinsame Erklärung zu unterzeichnen, „sehr bedauern".

Die Bischöfe bemerkten, dass „die europäische Öffentlichkeit nach den jüngsten Anschlägen auf Kirchen im Irak und in Ägypten bereits Kenntnis von der besonderen Situation der Christen im Nahen Osten genommen hat."

Die Bischöfe fordern weiterhin von der Europäische Union konkrete Maßnahmen zum Schutz der Christen: „Die Verpflichtung der Europäischen Union, für Grundrechte und Religionsfreiheit einzustehen, ist eindeutig im EU-Vertrag und in der Charta der Grundrechte festgelegt worden und wurde in vielen Erklärungen bekräftigt. Deshalb erwarten wir nun, dass die Europäische Union konkrete Maßnahmen ergreifen wird, um diese allgemeinen Grundsätze in entscheidendes politisches Handeln umzusetzen."

[Übersetzung aus dem Englischen von Iria Staat]