Bischöfe bitten zum Auftakt ihres Jahrestreffens für Missbrauchopfer um Vergebung

Bußakt beim Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

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PADERBORN, 15. März 2011 (ZENIT.org/dbk.de).-Nach dem schwierigen vergangenen Jahr für die katholische Kirche in Deutschland setzten die deutschen Bischöfe zum Auftakt ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in Paderborn ein sichtbares Zeichen. In einem Bußakt baten sie gemeinsam um Vergebung und trugen ihre Bitte um einen guten Weg in die Zukunft vor Gott. Der Bußakt erinnerte in besonderer Weise an jene Menschen, denen durch sexuellen Missbrauch schweres Leid zugefügt wurde.
Zum Einzug führte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch,  die Prozession an. Er trug ein Holzkreuz aus der Pfarrkirche Hövelhof, das aus der Zeit um 1370 stammt. Das gotische Kreuz wurde vermutlich in Westfrankreich oder im Rheinland gefertigt. Mit seiner grünen Farbe symbolisiert das Kreuz in Form einer Astgabel einen Lebensbaum. Der daran befestigte Corpus ist mit allen Zeichen des Leidens dargestellt.

Erzbischof Zollitsch, der zu Beginn des Gottesdienstes auf die bischöflichen Insignien von Mitra und Stab verzichtet, blieb gestern mit dem Kreuz im Altarraum des Doms stehen. Alle Bischöfe knieten sich nieder und Erzbischof Zollitsch betete kniend vor dem Kreuz: "Gott, unser Vater, Du bist der Quell des Erbarmens und der Güte: Wir knien als Sünder vor dir und unser Gewissen klagt uns an. Sieh auf uns und lass uns Vergebung finden durch aufrichtige Reue, Gebet und Werke heilender Zuwendung".

Alle Bischöfe beteten gemeinsam in Stille um Vergebung bis zum Abschluss die Stimme von erzbischof Zollitsch erklang: "Gott, du Freund des Lebens, ein Sohn hat sich den Kranken und Schutzlosen zugewandt. Seine besondere Liebe galt den Schwachen. Wir empfinden tiefe Scham. Männer der Kirche haben junge Menschen, die ihnen anvertraut waren, missbraucht und ihrem Leben schweren Schaden zugefügt. Allzu oft haben die Verantwortlichen weggeschaut.
Demütig rufen wir zu dir: Bekehre uns, vergib die Sünden, schenke, Herr, uns neu dein Erbarmen".

Die zweite Vergebungsbitte bezog sich auf Eltern, Lehrer und Erzieher, denen der "Schutz junger Menschen in besonderer Weise anvertraut" ist. "Das Wissen um den Missbrauch lastet schwer auf uns.
Demütig rufen wir zu dir: Bekehre uns, vergib die Sünden, schenke, Herr, uns neu dein Erbarmen".

Während des Fürbittengebets im Eröffnungsgottesdienst wurde mit einer Fürbitte nochmals in besonderer Weise der Opfer gedenken. Sie lautet: „Wir beten für alle, die durch Vertreter der Kirche oder an anderen Orten Opfer eines Missbrauchs geworden sind: Hilf ihnen, die Verletzungen und Wunden heilen zu lassen und gib ihnen die Kraft, von neuem zu beginnen."