Bischöfe der Demokratischen Republik Kongo: wir müssen Wunden heilen

Afrikanische Hirten setzen auf ganzheitliche Seelsorge

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ROM, 22. September 2008 (ZENIT.org).- „Wir haben einen Konflikt hinter uns, der tiefe Wunden verursacht hat, sowohl unter materiellen als auch unter geistlichen Gesichtspunkten“, so Bischof Oscar Ngoy wa Mpanda aus Kongolo (Demokratische Republik Kongo).

Bischof Mpanda nimmt zur Zeit am Fortbildungsseminar der Kongregation für die Evangelisierung der Völker für insgesamt 104 in den vergangenen zwei Jahren ernannten Bischöfen aus den Missionsländern teil.

Das Bistum Kongolo befindet sich im Süden des Kongo, wo bis vor wenigen Jahren Mai-Mai-Milizen ihr Unwesen trieben und Tod und Terror unter der Zivilbevölkerung verbreiteten. Diese Verbrechen haben die einheimischen Bischöfe immer wieder weltweit angeprangert.

 „Gott sei Dank gibt es heute keine Gewalt mehr und in unserer Diözese herrscht wieder Ruhe“, so Bischof Mpanda gegenüber der Päpstlichen Nachrichtenagentur Fides.

„Der Konflikt hat tiefe Wunden unter den Menschen und auf dem Territorium hinterlassen. Wir müssen die materiellen und die geistigen Schäden, die durch den Bürgerkrieg verursacht wurden, überwinden. Es gibt immer noch Menschen, die in Flüchtlingslagern leben und in die Dörfer zurückgeführt werden müssen“.

Die geistigen Schäden, so der Oberhirte von Kongolo seien am schlimmsten. „Viele Familien haben Angehörige verloren, viele Frauen wurden vergewaltigt. Dabei ist es nicht einfach zu sagen, wie viele Menschen tatsächlich noch unter den Folgen des Kriegs leiden, denn viele schämen sich und wollen nicht sagen, dass sie Opfer von Gewalt wurden. Doch diese Menschen sind traumatisiert und es gelingt ihnen nicht um Hilfe zu bitten“.

„Die Kirche blieb vor der Gewalt nicht verschont: Kirchen, Missionseinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen und Schulen wurden geplündert und zerstört. In insgesamt 50 katholische Schulen drangen Rebellen ein. Sie nahmen die Schulbänke mit und machten daraus Brennholz zum Kochen“, so der Bischof von Kongolo.

Vor dem Hintergrund der Zerstörung gelang es europäischen und amerikanischen Sekten, wie den Zeugen Jehovas insgesamt rund 2.500 Gebetssäle in der Diözese zu bauen. Die Sekten verteilen Geld und haben eine Reihe von Radio- und Fernsehsendern eingerichtet, mit denen sie ihren Glauben verbreiten.

Angesichts dieser Herausforderung setzt der Bischof von Kongolo auf eine ganzheitliche Seelsorge, die alle Aspekte des Lebens umfasst“. Priorität sei eine Rückkehr zur authentischen Berufung der Kirche, d.h. zum Zeugnis von der Liebe Christi durch die ganzheitliche Entwicklung der Menschen. „Wir haben zwar bisher keinen katholischen Radiosender, den wir aber gerne hätten, doch dafür haben wir viele Schulen und Gesundheitseinrichtungen, die für die Menschen ein wichtiger Bezugspunkt sind“.