Bischöfe Europas bekräftigen: „Ohne Familie gibt es für Europa keine Zukunft“

Vollversammlung der Vorsitzenden der europäischen Bischofskonferenzen in Fatima (Portugal)

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FATIMA, 9. Oktober 2007 (ZENIT.org).- „Wenn es die Familie verliert, wird Europa seine Zukunft verlieren“, heißt es in einer Presseerklärung der Vorsitzenden der 36 europäischen Bischofskonferenzen, die vom 3. bis zum 7. Oktober in Fatima (Portugal) zusammengekommen sind, um über Ehe, Familie, Ökumene und die Europäische Union zu beraten.



Die Mitglieder des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), die aus Anlass der Marienerscheinungen vor 90 Jahren im portugiesischen Wallfahrtsort ihre diesjährige Vollversammlung abhielten, weihten am Samstagabend ganz Europa der Jungfrau Maria.

Kardinal Giovanni Battista Re, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, hatte zuvor daran erinnert, dass das Haus Europa auf tragfähigen Prinzipien erbaut werden müsse, „die es erhellen und ihm eine Seele geben können“. In Europa gebe es zahlreiche Probleme und es fehlten auch nicht die Kräfte, „die die Christen und ihre Werte an den Rand zu drängen versuchen“. Wenn Gott nicht wieder Zugang erhalte in das Leben dieses Kontinents; wenn nicht für eine religiöse Wiederbelebung, eine solide christliche Gewissensbildung und die Wiedererlangung der kulturellen Dimension des Glaubens gearbeitet werde, könnten die anstehenden Probleme nicht gelöst werden, mahnte Kardinal Re. Der Präfekt forderte daher die Bischöfe auf, ihre Europa-Initiativen auf nationaler Ebene miteinander in Einklang zu bringen, um dem pastoralen Handeln der Kirche mehr Wirksamkeit zu verleihen – sowohl hinsichtlich der Wahrung der menschlichen und christlichen Werte als auch zur Bewahrung des Erbes jener Christen, die den Kontinent geprägt haben. „Dies ist nicht die Stunde der Entmutigung. Dies ist die Stunde des Engagements!“

Die Vorsitzenden der europäischen Bischofskonferenzen beleuchteten in Fatima die Situation der Institution Ehe und Familie in den Ländern Europas aus rechtlicher, institutioneller, sozialer und pastoraler Sicht, berichtete CCEE. Das sich daraus ergebende Szenario „ist besorgniserregend und kontrastreich zugleich. Einerseits belegen Umfragen, dass die Ehe und stabile Familiensituationen zu den wichtigsten Prioritäten der Jugendlichen in Europa gehören, andererseits nehmen jedoch in der Realität religiöse wie zivile Eheschließungen ab. Es steigt die Zahl der Trennungen und Scheidungen, der Alleinerziehenden sowie die Zahl der außerehelich geborenen Kinder. Die traditionelle Form der Familie ist in Krise geraten. Die Familien leben heutzutage in einem Umfeld, das von Individualismus und Säkularisierung geprägt ist. Die Ehe wird häufig lediglich als ein Vertrag zwischen zwei Personen betrachtet. Die steigende Zahl von Gesetzen, welche die traditionelle, christliche Wirklichkeit von Ehe und Familie bedrohen, ist besorgniserregend. Wenn es die Familie verliert, wird Europa seine Zukunft verlieren.“

Weitere Herausforderungen, denen sich die Kirche in europa zu stellen hat, sind nach Angaben des CCEE die steigende Zahl von Mischehen sowie die Trennung von Familienmitgliedern und vermehrte Scheidungen aufgrund des Phänomens der Migration.

Zu den positiven Entwicklungen, die die Bischöfe ausmachten, gehöre die Tatsache, dass zahllose Familien „ihre Berufung mit Konsequenz und Freude“ leben. „Immer mehr junge Paare entscheiden sich zu einem Leben der Ehe in Fülle und möchten mehr Kinder. Auch seitens der Politik sind positive Zeichen und Aufmerksamkeit für die Situation der Familien zu beobachten. Vor allem die demographische Lage und der Beitrag der Familie zum gesellschaftlichen Zusammenhang und zur Erziehung der Kinder führen zu einem neuen Bewusstsein hinsichtlich der grundlegenden Bedeutung der Familie“, stellten die Hirten Europas fest.

Angesichts der aktuellen Lage von Ehe und Familie in Europa erinnerten sie an die „Pflicht“ der Kirche und der Christen, „in der Förderung und Verteidigung des wahren Wohls des Menschen aktiv zu werden, für die Achtung des einzigartigen Platzes der Institution Familie und der Ehe als erste und grundlegende Zelle der Gesellschaft einzutreten und gegen die Relativierung dieses Modells gegenüber allen, die sich für seine Gleichwertigkeit mit anderen Formen des Zusammenlebens aussprechen.“ Aufgabe der Kirche sei es zudem, „über Stabilität und Treue innerhalb der Ehe nachzudenken, ebenso wie über das Wohl und die Rechte der Kinder“.

Die beste Antwort, um den aktuellen Entwicklungen entgegenzusteuern, liegt nach Ansicht der Bischöfe „in der Wiederentdeckung des menschlichen Reichtums und der Tiefe der Ehe zwischen Mann und Frau. Die Kirche in Europa bekräftigt mit Entschiedenheit, dass die Zukunft der Gesellschaft Europas auf der Familie basiert. Hierzu sind Gewissensbildung notwendig, die Eröffnung neuer Seelsorge-Zentren, neue Seelsorge-Programme und die Zuhilfenahme der technischen Entwicklungen.“

Die Mitglieder des CCEE bekräftigten des Weiteren, dass Europa für den ganzen Planeten verantwortlich sei und dieser verantwortung gerecht werden müsse. Das betonten sie vor allem im Hinblick auf die Situation der Völker Afrikas. Die Hirten kündigten ihrerseits an, in Zukunft verstärkt mit den Bischöfen des Schwarzen Kontinents zusammenzuarbeiten.

Was den ökumenischen Dialog angeht, betonten die Bischöfe mit Blick auf die Ergebnisse der Dritten Ökumenischen Europäischen Versammlung (EÖV3) in Sibiu/Hermannstadt (Rumänien), „dass es an der Zeit ist, den Dialog mit den Kirchen zu vertiefen, das Christentum gemeinsam zu vertiefen, ebenso wie die Spiritualität der verschiedenen christlichen Konfessionen, vor allem aber auch die konfessionellen Identitäten – mit Mut zur Aufrichtigkeit.“ Die Begegnung in Sibiu habe aufgezeigt, „dass dem Christentum im säkularisierten Europa von heute eine große Rolle zu kommt. Der Wille zur Zusammenarbeit unter den Christen in dringlichen Themenbereichen – von der Umwelt bis zum Frieden – wurde gestärkt.“

Ökumene erfordere „Bekehrung, Heiligkeit, Reifung“ und sei daher ein langer, aber durchaus auch „begeisternder Prozess… Sie ist ein Weg, auf dem die Christinnen und Christen zur Nachfolge des gekreuzigten Christus in Mühe und Leid und des auferstandenen Christus gerufen sind.“

Im kommenden Jahr wird die Vollversammlung des CCEE vom 30. September bis zum 3. Oktober in Budapest (Ungarn) stattfinden.

Der Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) vereint die Vorsitzenden der derzeit 36 Bischofskonferenzen Europas. Vorsitzender ist Kardinal Péter Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest, Primas von Ungarn. Vizevorsitzende sind Kardinal Josip Bozanic, Erzbischof von Zagreb, und Kardinal Jean-Pierre Ricard, Erzbischof von Bordeaux. Generalsekretär des CCEE ist Msgr. Aldo Giordano. Das Sekretariat hat seinen Sitz in St. Gallen (Schweiz).