Bischöfe in Eisleben: „Wir wollen die Einheit bezeugen“

Internationale ökumenische Begegnung vom 8.-14. September 2009

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ROM, 9. September 2009 (ZENIT.org).- „Meine Beziehung zu diesen Mitbrüdern anderer Kirchen ist intensiver und tiefer als zu vielen Kollegen meiner eigenen Kirche. Wir wollen mit dieser Begegnung vor allem die gelebte Einheit unter uns bezeugen.“ Das unterstrich der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des 28. Ökumenischen Bischofstreffens, zu dem die Bischöfe, die der Fokolar-Bewegung nahe stehen, eingeladen haben.

Elf der teilnehmenden 35 Bischöfe sind aus Deutschland, zehn kommen aus Brasilien, Indien und den USA. Die übrigen Hirten kommen aus neun verschiedenen Ländern Europas und gehören zu verschiedenen Patriarchaten der Orthodoxie, zur evangelischen, anglikanischen, zu den altorientalischen und der katholischen Kirche.

Die Frage nach der Herkunft sei der erste Schritt, wenn man sich kennen lernen wolle, erklärte Bischof Christian Krause, der sich dafür eingesetzt hatte, dass die Begegnung dieses Jahr in Deutschland stattfindet. „In der Lutherdekade und zehn Jahre nach der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre seitens der katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes hatten wir den Wunsch, diesmal an den bedeutenden Stätten der Reformation zusammen zu kommen. Der Besuch der Lutherstädte Eisleben und Wittenberg gibt uns die Gelegenheit, den Mitbrüdern der anderen Kirche zu vermitteln, was uns die Reformation bedeutet.“

Im Vordergrund der internationalen Begegnung von Bischöfen, die der Fokolar-Bewegung nahe stehen, stünden denn auch eher die verbindenden Elemente, betonte Kardinal Vlk. „Hier geht es nicht in erster Linie darum, die Unterschiede deutlich zu machen, sondern das miteinander zu leben, was uns verbindet. Wir erleben eine große Bereicherung in dem, was jede Kirche einbringt, und diesmal lassen wir uns von unseren evangelischen Mitbrüdern beschenken.“

Dafür machen sich die Bischöfe am Donnerstag auf den Weg nach Wittenberg, besuchen die Schlosskirche und das Lutherhaus und feiern gemeinsam Gottesdienst in der Stadtkirche. Am Sonntag steht dann Eisleben im Mittelpunkt - mit einem Besuch im Geburtshaus Luthers und einem Empfang im Rathaus durch Oberbürgermeisterin Jutta Fischer. Dort werden sich die Teilnehmer der Begegnung ins goldene Buch der Stadt eintragen.

„Wir sind eine bunte Mischung aus den verschiedensten Kirchen und inzwischen ist eine sehr herzliche Beziehung zu vielen gewachsen“ ergänzt Bischof Robin Smith von der Anglikanischen Kirche in England. Auch ihn verbinde eine tiefe Freundschaft zu seinen Kollegen anderer Bekenntnisse. Und die beschränke sich nicht auf die sechstägige Begegnung. „Wir wollen auch nach außen Zeugnis geben, dass die Einheit unter verschiedenen Kirchen schon jetzt möglich ist. Wir erleben das unter uns und möchten das auch in unsere Kirchen und Länder hineintragen.“

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 60 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten. Ihr Ziel ist, den Geist der Einheit und Geschwisterlichkeit verstärkt in Kirche und Gesellschaft und in alle Bereiche des menschlichen Lebens hinein zu tragen. Seit 30 Jahren treffen sich auch Bischöfe der verschiedenen Kirchen. Sie verbreiten diesen Geist der Einheit und der Geschwisterlichkeit vor allem durch ihr gelebtes Zeugnis des Miteinanders. Initiator der Bischofstreffen war der damalige Bischof von Aachen Klaus Hemmerle.