Bischöfe, Priester und Gläubige sollten näher zusammenrücken

Hirtenbrief von Bischof Küng zum Priesterjahr

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SANKT PÖLTEN, 3. Juli 2009 (ZENIT.org/DSP).- Wir veröffentlichen den Hirtenbrief, den der Sankt Pöltner Diözesanbischof DDr. Klaus Küng zum Priesterjahr verfasst hat. Er ermutigt darin die Seelsorger, dann und wann - wie Ehepaare, die ihre Beziehung pflegen möchten - aus dem Alltag auszubrechen, um sich ganz Gott zu widmen. Ihre Berufung bestehe vor allem darin, Christus zu vergegenwärtigen.

Das Jahr des Priesters lade „in vieler Hinsicht zum Nachdenken und zur Besinnung ein“, schreibt Bischof Küng - unter anderem über die tieferen Ursachen für den Rückgang der geistlichen Berufe.

„Eine konkrete Frucht dieses Priesterjahres könnte sein, dass sich in jedem Pfarrgemeinderat eine oder mehrere Personen gemeinsam mit dem Bereich Berufungspastoral befassen, dafür beten, andere zum Gebet anregen und Initiativen vorschlagen, die in der seelsorglichen Region bzw. im Dekanat bereits Bestehendes weiterführen und zur Entwicklung einer Jugend- und Berufungspastoral beitragen.“

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Liebe Mitbrüder im Priesteramt!

Ein säkularisiertes Land, in dem die Kirche zur Randerscheinung des wirklichen Lebens zu werden droht... Eine Pfarre, in der sich niemand mehr für Gott zu interessieren scheint...... und ein einsamer, harter Kampf um die Seelsorge angesichts wachsender Gleichgültigkeit...

Ein Bild der Kirche in unseren Tagen? Überraschenderweise nein. Ich dachte vielmehr an Johannes-Maria Vianney... er lebte in der Zeit unmittelbar nach der Französischen Revolution als „Pfarrer von Ars“, einem winzigen Dorf ähnlich mancher unserer Kleinstpfarren. Kommen die Probleme, denen er gegenüberstand, uns nicht vertraut vor? Sicher ist es kein Zufall, dass Papst Benedikt XVI. ausgerechnet ihn zum Begleiter für das Jahr des Priesters ausgewählt hat.

Ein Jahr des Priesters
Am Herz-Jesu-Fest 2009 wird es vom Heiligen Vater mit einer feierlichen Vesper, bei der die Reliquien des hl. Pfarrers von Ars präsent sind, eröffnet, und es endet 2010, ebenso am Herz-Jesu-Fest. Heuer begehen wir den 150. Todestag dieses bescheidenen und doch so großen Mannes. Er ist ein Vorbild für unsere Tage: unter schwierigsten Verhältnissen in einem nach der französischen Revolution in jeder Hinsicht verwüsteten Land hat er, der unscheinbare Priester, eine Seelsorge entfaltet, die ganz Frankreich verändert hat. Seine geistige Kraft stammte aus Gebet, Buße und dem Dienst am Heil der Menschen.

Doch wie sollen wir das Jahr in unserer Diözese angesichts der vielen Sorgen und Kämpfe, denen unsere Pfarren heute gegenüberstehen, gestalten? Die Zahl der Pfarrverbände nimmt zu, kleine Pfarren können keinen eigenen Priester mehr erhalten, der Altersdurchschnitt im Klerus steigt und vor allem ist die Seelsorge auf Grund der gesellschaftlichen Entwicklungen schwieriger geworden. Und das Priesteramt selber scheint einer Belastungsprobe ausgesetzt wie kaum zuvor in der Geschichte der Kirche.

Eckpunkte des Jahres
Für unsere Diözese habe ich mir als Auftakt zum Jahr des Priesters folgendes gedacht: schon vor längerer Zeit haben wir im Konsistorium den Beschluss gefasst, am Hochfest Peter und Paul auch in diesem Jahr im Dom – obwohl kein diözesaner Priesteramtskandidat geweiht wird – einen feierlichen Gottesdienst zu halten, zu dem wir alle Priester, Diakone und Gläubige herzlich einladen und besonders herzlich die Priesterjubilare. An diesem Beschluss des Konsistoriums möchte ich festhalten.

Deshalb soll das Jahr des Priesters in den Pfarren am Herz-Jesu-Fest (19. Juni) eröffnet werden; die Messe am Hochfest Peter und Paul ist dann der feierliche Abschluss des Paulus-Jahres und zugleich der gemeinsame Beginn für das Jahr des Priesters.

Das Fest des hl. Pfarrers von Ars, der 4. August, soll in diesem Jahr am Festtag selbst (oder am Sonntag davor oder danach) besonders festlich begangen werden. Es soll Anlass sein, um die Bedeutung des Priesters und die Rolle der Laien im Sinne des II. Vatikanischen Konzils neu darzulegen.

Am 12. Oktober 2009 findet für alle Priester eine Wallfahrt nach Maria Taferl statt. Die Details werden noch mitgeteilt werden. Auch bei dieser Gelegenheit wollen wir gemeinsam beten und feiern.

Inhaltliche Impulse
Ein Familienvater sagte mir einmal, jede Ehe brauche regelmäßig Zeiten, in denen die Partner, vom Alltag erschöpft und ausgelaugt, sich Zeit zur Erneuerung nehmen, um in ihrer Beziehung zu wachsen und sich gemeinsam zu fragen: Wo stehen wir jetzt? Wo wollen wir hin?

Mir scheint, das Jahr des Priesters kann eine solche Zeit sein. Es kann uns in die Tiefe unserer eigenen Berufung führen; und zugleich dürfen wir jene beiden großen Geschenke unserer Tage neu entdecken, auf die der Heilige Pfarrer von Ars nicht zurückgreifen konnte. Ich spreche von der Freundschaft, der Gemeinschaft mit anderen Priestern in unserer Umgebung; und von den vielen Laien, die uns in der Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil mittragen.

Christus vergegenwärtigen auf den Altären und in den Herzen
Für das ganze Jahr des Priesters würde ich mir wünschen, dass sich die Priester die möglichst würdige Feier der Liturgie als persönlichen Schwerpunkt vornehmen. Dazu möchte ich als besonderen Impuls anregen, dass Orte, welche von einem Priester gemeinsam betreut werden, sich dazu entschließen könnten, manche Gottesdienste – zB an hohen Feiertagen – gemeinsam abzuhalten, um sie besonders gut und festlich zu gestalten.

Schön wäre es, wenn an allen Orten die Eucharistische Anbetung – verbunden mit dem großen Verlangen nach dem Kommen des Herrn in unsere Kirchen, in unsere Häuser, in unsere Herzen – gepflegt und verstärkt die Möglichkeit zum Empfang des Bußsakramentes angeboten wird. Auch hierbei kann die Zusammenarbeit mit benachbarten Pfarren erleichternd wirken.

Freundschaft mit den Mitbrüdern....
Ich bin davon überzeugt, dass wir – Bischof und Priester, Priester untereinander, Priester und Gläubige - in Zeiten wie diesen näher zusammenrücken sollen. Dabei ist mir klar, dass heute vieles erschwerend wirkt. In den letzten Jahrzehnten sind durch unterschiedliche Interpretationen des Konzils und durch unterschiedliche Reaktionen auf die Entwicklungen der Gesellschaft nicht wenige Spannungen in der Kirche entstanden – manche davon wurden zu richtigen Spaltungen. Dazu kommt, dass eine größere Beschleunigung des Lebensrhythmus (auch bei Priestern), die größere Mobilität, die Vervielfältigung der Sitzungen, die Überflutung mit Papier und medialen Angeboten es schwerer machen, zusammenzukommen und die Gemeinschaft zu pflegen.

Es wäre daher sicher wertvoll, wenn wir uns für dieses Jahr des Priesters vornähmen, z. B. jede Woche wenigstens einmal mit dem Nachbarpriester oder mit mehreren Priestern aus der Umgebung etwas miteinander zu tun: gemeinsam zu essen, vielleicht einen Teil des Stundengebetes zusammen zu verrichten oder einfach gemeinsam Erholung zu suchen. Mit grundsätzlichem Wohlwollen aufeinander zugehen, aufeinander hören, miteinander Austausch pflegen – wie viel Kraft können wir daraus gewinnen! Die monatliche Dekanatskonferenz ist Bestandteil dieses Bemühens. Vergessen wir nicht: Nur weil der hl. Pfarrer von Ars notgedrungen eher ein Einzelgänger war, müssen wir es nicht auch sein! Wozu gibt es Handy und Email?

...und mit den Laien!
Wir selber spüren: der Priester fühlt sich am wohlsten, wenn die Seelsorge blüht. Und gerade deshalb, weil heute die Seelsorge schwierig geworden ist, können Niedergeschlagenheit und Resignation eine Gefahr sein. Umso wichtiger ist es, die Aufgabe gemeinsam anzugehen. Ich bin davon überzeugt, dass in der heutigen Zeit die Zusammenarbeit mit anderen unerlässlich ist.

Deshalb möchte ich alle Priester ermutigen, besonders das Miteinander mit Religionslehrer/innen, Pastoralassistent/innen und ehrenamtlichen Mitarbeitern zu pflegen. Sie benötigen Euer Vertrauen, Euer Mitdenken und Eure Ermutigung - und vor allem: sie können für Euch eine große Hilfe sein. Es wäre ein guter Vorsatz für das Jahr des Priesters, sich prioritär Zeit zu nehmen für jene, die in der Katechese tätig sind, sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren oder andere wichtige Aufgaben in der Pfarre wahrnehmen. Es ist hilfreich, miteinander zu reden, Visionen zu entwerfen, wie wir vorgehen können, z. B. damit sich junge Menschen nicht nur für die berufliche Arbeit vorbereiten, sondern auch für die anderen Aspekte des Lebens; damit junge Paare den Weg zur Entscheidung füreinander finden; die Familien den Glauben im Alltag umsetzen und die Probleme des Lebens mit der Hilfe Gottes bewältigen lernen. Ein anderes wichtiges Thema solcher Gespräche können Überlegungen sein, wie wir die Vielen aufsuchen und ansprechen könnten, die dem religiösen Leben und der Kirche fernstehen.

Das Jahr des Priesters lädt in vieler Hinsicht zum Nachdenken und zur Besinnung ein. Warum haben wir heute weniger geistliche Berufe? Welches sind die tieferen Ursachen? Eine konkrete Frucht dieses „Priesterjahres“ könnte sein, dass sich in jedem Pfarrgemeinderat eine oder mehrere Personen gemeinsam mit dem Bereich Berufungspastoral befassen, dafür beten, andere zum Gebet anregen und Initiativen vorschlagen, die in der seelsorglichen Region bzw. im Dekanat bereits Bestehendes weiterführen und zur Entwicklung einer Jugend- und Berufungspastoral beitragen.

Schluss
Uns ist mit dem Jahr des Priesters eine segensreiche Zeit geschenkt, die wir gemeinsam nützen wollen. Ich bitte Euch um Euer Wohlwollen für das Unterfangen einer herzhaften Neuevangelisierung in dieser unserer Zeit. „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, Dein Stock und Dein Stab geben mir Zuversicht.“ (Ps 23,1.4). Möge uns die Fürsprache des hl. Pfarrers von Ars beistehen, um gemeinsam die rechten Wege für eine fruchtbare Seelsorge in der heutigen Zeit zu erkennen und zu beschreiten.

Mit herzlichen Segensgrüßen
+ Klaus Küng