Bischöfe warnen vor möglicher Legalisierung der Euthanasie in England

Kritik an neuer Gesetzesvorlage der britischen Regierung

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LONDON, 11. November 2005 (ZENIT.org).- Katholische und anglikanische Bischöfe in Großbritannien haben in den vergangenen Tagen vor der Legalisierung der aktiven Sterbehilfe und der Beihilfe zum Selbstmord gewarnt.



Gemäß einem neuen Gesetzesentwurf, der am Mittwoch verabschiedet wurde, soll Ärzten erlaubt werden, jene Erwachsenen zu töten, die aufgrund einer unheilbaren Krankheit unerträglich leiden müssen und ausdrücklich um Beendigung ihrer Qual und ihres Lebens bitten. Die katholische Kirche sprach in diesem Zusammenhang von einer indirekten Zulassung der Euthanasie.

Erzbischof Peter Smith von Cardiff, der in der Bischofskonferenz von England und Wales für Gesellschaftsfragen zuständig ist, betonte, der Gesetzesentwurf erschüttere das Vertrauen der Patienten in die Ärzte, denn diese würden befugt, durch die Verabreichung entsprechender Medikamente Beihilfe zum Selbstmord von Schwerkranken zu leisten. \"Niemand sollte sich darüber Illusionen machen, was sich hinter dieser jüngsten Gesetzesvorlage von Lord Joffe verbirgt: Das ist der erste Schritt einer groß angelegten Aktion zur Legalisierung der Euthanasie. Ein Gesetz, das den Ärzten die Erlaubnis gibt, den Patienten \'Sterbehilfe\' zu gewähren, ist nicht weit davon entfernt, den Ärzten die Erlaubnis zu erteilen, die Patienten zu töten.\"

Erzbischof Smith gab zu Bedenken, dass es sowohl unter den Gläubigen als auch unter den Nichtgläubigen sehr viele Menschen gebe, die es nicht begrüßen würden, \"dass unsere Regierung die Tötung durch den Nationalen Gesundheitsdienst legalisiert, sei es in Form von Selbsttötung oder in Form der Beihilfe durch einen Arzt.\" Man müsse sich vor Augen führen, welchen Eindruck dieses Gesetz auf die alten und kranken Menschen mache – gerade zu einem Zeitpunkt, in dem es kein Geld mehr für die staatliche Gesundheitsvorsorge gebe.

Abschließend forderte der Erzbischof von Cardiff den Ausbau der Sterbebegleitung und der Palliativmedizin. \"Todkranke Menschen brauchen eine angemessene Unterstützung und sie müssen spüren, dass ihr Leben wertvoll ist und dass die Gesellschaft sie nicht aus dem Weg räumen will. Sie benötigen Unterstützung, nicht Vernichtung.\"

Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, erklärte in einer Stellungnahme, er sei entschieden gegen jede Aufweichung der derzeitigen Gesetzeslage, denn das Leben sei ein Geschenk Gottes. Deshalb stehe es dem Menschen auch nicht zu, frei über das Leben zu verfügen.