Bischöfe würdigen Engagement der katholischen Verbände

Aktivposten der Kirche in Deutschland

Bonn, (ZENIT.orgDBK PM) | 425 klicks

Die Verbände der katholischen Kirche in Deutschland tragen wesentlich zum Leben der Kirche und zur Gestaltung der Gesellschaft bei. Diese Auffassung haben heute Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz bei einem Treffen mit Vertretern katholischer Personalverbände in Frankfurt unterstrichen. Rund 70 katholische Verbandsvertreter aus mehr als 30 Personalverbänden trafen mit elf Bischöfen zusammen, um sich dem Thema „Die Sendung der Verbände aus Taufe und Charismen“ zu stellen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, würdigte die Verbände und freien Zusammenschlüsse von Katholiken als „Aktivposten unserer Kirche in Deutschland. Sie sind gelebte und praktizierte Bereitschaft, Kirche, Politik und Gesellschaft mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen im Geiste Jesu.“ Durch ihren Einsatz würden die Mitglieder der Verbände der Kirche ein lebendiges Gesicht verleihen: „So werden Ihre Gruppierungen und Vereinigungen zu Schnittstellen von Kirche und Welt, auf die die Kirche gerade in Zeiten des Umbruchs nicht verzichten kann.“ Ausdrücklich dankte Erzbischof Zollitsch für das oft ehrenamtliche Engagement. Gleichzeitig gehe es darum, die missionarische Dimension der Verbände vermehrt ins Bewusstsein zu rufen: „Die Verbände bezeugen dort, wo sie in der Gesellschaft stehen, Christus und seine Kirche. Sie sind mehr als ein zusätzlicher Fachverband. Sie lassen erfahrbar werden, dass ihr Tun der Liebe Gottes entspringt.“ Für viele Verbände käme es daher in Zukunft vermehrt darauf an, das Zusammenwirken in altbewährtem und in neuen Arbeitsformen in den Pfarreien und Seelsorgeeinheiten mit anderen kirchlichen Akteuren zu organisieren. „Für mich gibt es keinen Zweifel: Die Vielfalt der Charismen ist ein Reichtum der Kirche. Die Vielfalt der Verbände ist ein Reichtum der Kirche in Deutschland“, so Erzbischof Zollitsch.

Georg Hupfauer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Organisationen Deutschlands und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, unterstrich, dass Verbände Brückenfunktion hätten: „Ihre Mitglieder geben im konkreten Handeln Zeugnis von ihrem Glauben, der immer persönlich, aber nie privat ist, und Zeugnis von der Botschaft Jesu von sozialer Gerechtigkeit und für ein gutes Leben.“ Verbände seien Heimat für die Menschen. „Mit ihren Erfahrungen bieten die Verbände Chancen für eine zukunftsorientierte Pastoral. Als Teil der Kirche helfen sie, dass die Kirche auch in Zukunft ihrem Sendungsauftrag gerecht werden kann“, so Hupfauer.

Während des Treffens ermutigte Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst (Limburg), Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, die Verbände, den Wert der Ehe zu fördern: „Familien müssen in den katholischen Verbänden Unterstützung und Interessenvertretung finden, wenn es um den Eigenwert des Lebens in Familie und dessen Schutz geht.“ Die besondere Aufgabe sei es, „Ehe auch gegen so manche Zeitströmung als zukunftsfähiges und zukunftseröffnendes Lebensmodell stark zu machen“, so Bischof Tebartz-van Elst. Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger (München und Freising), Mitglied der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, lenkte den Blick auf das Zusammenwirken von Verbänden und Pfarreien: „Durch die Neustrukturierung der pastoralen Räume zu größeren Einheiten, sind auch die Verbände herausgefordert, ungeachtet ihrer grundsätzlichen Eigenständigkeit, nach ihrem Beitrag bei diesem Transformationsprozess zu suchen. Wenn Priester und hauptamtliche Mitarbeiter nicht mehr alle Bereiche der Pastoral abdecken können, dann sind die Gläubigen vor Ort dazu herausgefordert, selbstständig Aufgaben und damit Verantwortung zu übernehmen.“ Dazu müssten sie befähigt werden. Gerade die Verbände verfügten durch ihre Arbeit „über ein Reservoir engagierter Christen, die erfahren darin sind, ihre Charismen für die Sendung der Kirche aktiv einzusetzen“, so Weihbischof Haßlberger. 

Der Vorsitzende der Jugendkommission, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), betonte die Notwendigkeit der Verbände in einer Zeit der schwindenden Bedeutung des christlichen Glaubens: „Angesichts der gesellschaftlichen und innerkirchlichen Herausforderungen stehen die Verbände vor der Aufgabe, sich der Frage nach ihrem Auftrag und ihrem Selbstverständnis, nach ihrer Verortung innerhalb der Kirche und der Gesellschaft zu stellen“, so Bischof Wiesemann. „Die Jugendverbände stellten nach wie vor eine starke und vitale Seite kirchlicher Jugendpastoral dar. Als Schwerpunkte für die weitere Arbeit nannte Wiesemann die Vernetzung und Vertiefung aller Kräfte der Jugendpastoral. Dabei gehe auch um eine verbesserte Kooperation mit verbandlich organisierten Jugendlichen und kirchlichen Bewegungen und geistlichen Gemeinschaften.

Zum Abschluss der Tagung unternahm der Vorsitzende der Pastoralkommission, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), einen Ausblick in die gemeinsame Zukunft. Er betonte, dass die Verbände Schrittmacher einer zukunftsorientierten Pastoral sind. In Zukunft findet Seelsorge, so Bischof Bode, in vielen Formen und Gestalten und an sehr verschiedenen Orten statt. „Wir dürfen von den Verbänden erwarten, Nähe und Weite, das heißt Vortprinzip und den Blick aufs Ganze, in der Kirche in eine gute Balance zu bringen. Sie sollen dazu beitragen, dass wir hörfähig für die Lebenssituation der Menschen und dadurch sprachfähig werden, den Glauben ins Heute zu übersetzen.“

Das Treffen in Frankfurt stand im Kontext des Gesprächsprozesses der Deutschen Bischofskonferenz und ist auch ein Beitrag zum Jahr des Glaubens.