Bislang unveröffentlichte Aufzeichnungen der Fatima-Seherin Schwester Lucia dos Santos erscheinen am 10. Juni in Italien

Die Mutter Gottes sagte den Holocaust voraus

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ROM, 6. Juni 2006 (ZENIT.org).- Ein neues Buch mit bislang unveröffentlichten Aufzeichnungen der Fatima-Seherin Schwester Lucia ist ab dem 10. Juni im italienischen Verlag San Clemente (info@isitutosanclemente.it) erhältlich. Aus dem 64-seitigen Werk mit dem Titel "Die Botschaft von Fatima" geht hervor, dass Unsere Liebe Frau von Fatima (Portugal) den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust vorausgesehen hat.



Die Jungfrau Maria war der Ordensschwester Lucia dos Santos, die am 13. Februar 2005 im Alter von 97 Jahren starb, sowie den beiden mit ihr verwandten selig gesprochenen Hirtenkindern Francisco und Jacinta Marto ab dem 13. Mai 1917 mehrmals erschienen. 45 Jahre lang hatte der Heilige Stuhl den Inhalt des so genannten "dritten" Geheimnisses von Fatima geheim gehalten, in dem vom Attentat auf Papst Johannes Paul II. die Rede ist.

Die neuen, noch unveröffentlichten Texte wurden vom Karmel von Coimbra (Portugal) redigiert und vom Sekretariat der Kleinen Hirten herausgegeben. Der emeritierte Bischof Serafim de Sousa Ferreira e Silva von Leiria-Fatima erteilte am 13. Februar dieses Jahres das "Imprimatur", die Druckerlaubnis.

In der Einleitung offenbart Schwester Lucias Beichtvater, Pater Geremia Carlo Vechina, dass die Seherin bereits im Jahr 1955 auf Bitten des damaligen Generaloberen ihres Ordens hin, des späteren Kardinals Anastasio Alberto Ballestrero, mit diesen Aufzeichnungen begonnen habe. Auf Veranlassung Papst Pauls VI. wurden die Texte dann nach Rom gesandt. Dort gerieten sie nach Pater Vechina in den vatikanischen Archiven "in Vergessenheit".

Schwester Lucia schreibt, dass sie am 15. Mai 1982 von Pater Vechina, dem Provinzial des Ordens der unbeschuhten Karmeliten, eingeladen wurde, "alle Details, die sich auf die Botschaft von Fatima beziehen, von Anfang an aufzuschreiben". Die Seherin blieb nach eigenen Worten skeptisch, weil sie sich nicht sicher war, ob sie vom Heiligen Stuhl tatsächlich dazu autorisiert worden sei. Ihre Zweifel schwanden aber, als sie während seines Besuches der Ordensgemeinschaft am 9. September 1983 die Gelegenheit hatte, mit Kardinal Eduardo Pironio zu sprechen, dem damaligen Präfekten der vatikanischen Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gemeinschaften des apostolischen Lebens.

Der christliche Sinn des Leidens

Im ersten Teil ihres Buches fragt sich Schwester Lucia, warum sich der Herr zur Ausführung seiner Pläne "so arme und ungebildete Kinder" habe wählen können. Sie kommt zum Schluss, dass sich der Herr "reine Herzen wünscht, um in ihnen nach seinem Belieben wirken zu können", wie es ja auch im Evangelium heißt: "Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen" (Mt 5,8).

Schwester Lucia fährt sodann fort, von ihren Begegnungen mit der seligen Jungfrau Maria – von ihren Bitten, den Rosenkranz zu beten und die Gebote zu halten –, sowie von den Geheimnissen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, dem Empfang der heiligen Eucharistie und vor allem vom christlichen Sinn des Leidens zu berichten.

"Unsere liebe Frau", so erklärt sie, habe die Hirtenkinder dazu aufgefordert, sich Gott hinzugeben und "alles Leid, das er euch senden möchte, als einen Akt der Wiedergutmachung für die Sünden zu erdulden, mit denen er beleidigt wird, sowie als einen Akt des Flehens für die Bekehrung der Sünder".

Die Seherin erzählt weiterhin, dass die kleinen Hirten sich nicht um die Leiden kümmerten, die der Herr ihnen senden würde, "sondern sich ohne Vorbehalt dem Willen Gottes vollkommen anheim gaben und so – ohne es zu wissen, da sie die Schrift nicht kannten – wie Christus antworteten, als dieser sagte: 'Hier bin ich Vater, ich komme, um deinen Willen zu tun' (vgl. Heb 10,7)."

Erster und Zweiter Weltkrieg

Schwester Lucia teilt auch bislang unbekannte Details mit, wie zum Beispiel, dass die Muttergottes mit Blick auf den ersten Weltkrieg gesagt habe: "Der Krieg steht kurz vor seinem Ende. Wenn aber die Menschheit nicht aufhört, Gott zu beleidigen, dann wird während des Pontifikats von Pius XI. ein noch schlimmerer Krieg beginnen."

Die Seherin erläutert diesbezüglich, dass die Geschichte Zeuge des "Ausbruchs eines Krieges gegen den Glauben, gegen Gott und gegen das Volk Gottes" sein werde – "eines Krieges, der darauf abzielt, das jüdische Volk zu vernichten, aus dem Jesus Christus, die Jungfrau und die Apostel hervorgingen, die uns das Wort Gottes und die Gabe des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe weitergegeben haben; ein Volk, das von Gott von Anfang an auserwählt worden war: 'Das Heil kommt von den Juden.'"

Die Ordensfrau schreibt außerdem über das kommunistische Russland und die Kriege, die aufgrund der kommunistischen Ideen von Russland ausgingen, und sie erinnert in diesem Zusammenhang an die Bitte der allerseligsten Jungfrau Maria, "Russland dem Unbefleckten Herzen zu weihen".

"Wenn ihr auf meine Bitte hört", so habe die Jungfrau zu Schwester Lucia gesagt, "dann wird Russland bekehrt, und es wird Frieden herrschen. Wenn ihr aber nicht hört, dann wird es seine Irrtümer in der ganzen Welt verbreiten und Kriege und Kirchenverfolgungen hervorrufen. Die Guten werden zu Märtyrer werden, der Heilige Vater wird viel erleiden und mehrere Nationen werden zerstört werden." Nach alledem erkläre die Muttergottes aber: "Der Heilige Vater wird Russland mir weihen; es wird bekehrt und der Welt eine Zeit des Friedens gewährt werden. Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren." Diesen Teil der Botschaft erklärt Schwester Lucia mit der Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens durch Papst Johannes Paul II. am 25. März 1984 in Rom.

Das Buch, das am 10. Juni in Italien erscheint, wird auch ins Deutsche übersetzt werden.