Blackout für das Konklave

Ein Artikel über die elektronische Abschirmung der Sixtinischen Kapelle, publiziert von der Zeitschrift Almanacco della Scienza (Almanach der Wissenschaft) des italienischen Consiglio nazionale delle Ricerche (CNR)

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Matteo Tombolato | 767 klicks

In Vergangenheit genügte es, die zum Konklave für die Wahl des neuen Papstes versammelten Kardinäle einzuschließen, um deren Isolation zu bewerkstelligen. Im Augenblick besteht die größte Schwierigkeit darin, angesichts der Kommunikationstechnologien Verschwiegenheit zu wahren. Diese waren bei der Wahl Johannes Pauls II. noch weitaus weniger ausgereift. Nur zum Zeitpunkt der Wahl Benedikts XVI. war die Kommunikationstechnik auf einem vergleichbaren Stand wie heute, wobei die Entwicklungen auf diesem Gebiet unaufhaltsam fortschreiten.

Nicht ohne Grund erinnerte Msgr. Juan Ignacio Arrieta, der von Benedikt XVI. bestellte Sekretär des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, an die Strafvorschriften zur Gewährleistung der Sicherheit und Verschwiegenheit des Konklaves. Demnach komme zur Vermeidung äußerer Einmischung – früher durch ausländische Mächte, heutzutage durch die Massenmedien oder Lobbygruppen   in vielen Fällen die Exkommunikation „latae sententiae“ zur Anwendung.

Doch wie soll Geheimhaltung über Vorgänge gewahrt werden, die sich hinter verschlossenen Türen abspielen?Wie können etwaige Kontaktaufnahmen verhindert werden?Laut Maurizio Aiello vom „Istituto di elettronica e di ingegneria dell’informazione e delle telecomunicazioni” (IEIIT, Institut für Elektronik, Computer und Telekommunikation Engineering) des CNR am Standort Genua gehe mit der Entwicklung der Kommunikationstechniken eine parallele Entwicklung der Abhörtechniken einher.

Aiello führt aus: „Vor allen Dingen stehen der immer größeren Verbreitung des Internets und der Mobiltelefone, die sich an jedem Ort verbinden können, sowie der Möglichkeit des Einsatzes technologisch ausgereifter Abhörgeräte „passive“ Schutzmechanismen gegenüber, z.B. der Faradaysche Käfig, der elektromagnetische Wellen wie ein regelrechter Panzer abschirmt und beispielsweise für wissenschaftliche Untersuchungen an Mobilfunkgeräten durch die Polizeikräfte zur Anwendung kommt.“

Auf komplexe Sphären wie die Versammlungs- und Wohnräumen der Kardinäle sind derartige Lösungen nicht eins zu eins übertragbar. In diesem Zusammenhang weist Aiello darauf hin, dass spezielle Arten von Gewebe mit Kupferfäden und Wolfram eingesetzt werden können. Diese seien dazu imstande, Radiowellen bis zu einem gewissen Grad abzufangen und in Vorhänge, Dekorationselemente oder Gipsplatten integrierbar. Für die Fenster schlägt Aiello das Ankleben abschirmender transparenter Folien oder das Anbringen von Fensterflügeln mit einer Gel-Abschirmung elektromagnetischer Wellen in den innenliegenden Isolierungskammern.

Die Pflicht zur Geheimhaltung erstreckt sich natürlich auch auf jene Vorrichtungen, die die Kommunikation unter den Kardinälen verhindern sollen: Erwähnt wurden in diesem Zusammenhang Metalldetektoren; Zeitungen berichteten über den Faradayschen Käfig und bezogen sich vermutlich auf die in der Sixtinischen Kapelle angebrachten Platten, die auf einigen Bildern zu sehen waren. Die am wenigsten invasive und daher vielversprechendste Lösung ist einer unserer Quellen zufolge der Einsatz von Jammers.

Deren Funktionsweise beschreibt der IEIIT-Forscher folgendermaßen: „Bei Jammers handelt es sich um Störsender, die elektromagnetische Wellen der gleichen Frequenz wie Sendegeräte aussenden. Durch das Geräusch wird Radiokommunikation innerhalb eines bestimmten Bereichs verhindert.“

Zwar verbiete die italienische Gesetzgebung den Einsatz von Jammers, doch der Vatikan sei extraterritorial, und es sei durchaus denkbar, dass mittels der Anwendung beider Methoden ein vollkommenes Blackout erreicht wurde: einerseits durch die passive Abschirmung, andererseits mittels aktiver Systeme zur Störung etwaiger Restübertragungen. Zur Abhörung oder Unterbrechung der Signale von Mobilfunkgeräten gebe es jedoch bereits technologisch ausgefeiltere Lösungen wie beispielsweise IMSI-Catcher, so Aiello.

Dies entwirft ein Szenario, das einem Spionagefall ähnelt, aber technisch realisierbar ist: Kardinäle, die Abhörgeräte für Aufnahmen am Körper tragen und Sendegeräte wie UMTS-Handys beispielsweise auf dem Weg von ihrer Unterbringung zur Sixtinischen Kapelle aktivieren. Als realistischeres Detail nennt der CNR-Experte die im Vorfeld zweifellos durchgeführte Sanierung des Areals.

„Es existieren Vorrichtungen zur Detektion nichtlinearer Bauelemente. Diese nutzen das Prinzip der Beantwortung festgelegter Signale: ein Halbleiterbauelement als Komponente des Transistors antwortet mit einer Reihe harmonischer Signale auf ein Signal. Die Vorrichtung ermittelt die Antwort, indem jegliche eingeschalteten, ausgeschalteten, kaputten oder funktionierenden elektronischen Geräte detektiert werden“, erläutert Maurizio Aiello abschließend. 

Quelle: Maurizio Aiello, Istituto di elettronica e di ingegneria dell’informazione e delle telecomunicazioni, Genova, email maurizio.aiello@ieiit.cnr.it