„Bleibt in der Schule Mariens“: Benedikt XVI. betet mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Diakonen den Rosenkranz

„Es lohnt sich zu glauben. Es lohnt sich, im eigenen Glauben beharrlich zu sein!“

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APARECIDA, 13. Mai 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. stand am Samstagabend im größten brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida einer Marienandacht vor, an der neben den Teilnehmern der V. Generalversammlung des lateinamerikanischen und karibischen Episkopats (13.-31. Mai) auch Priester, Ordensleute, Seminaristen, Diakone, Vertreter der Neuen Bewegungen und Gemeinschaften und christliche Familien teilnahmen.



Nachdem der Erzbischof der Ortskirche, Raymundo Damasceno Assis, den Heiligen Vater im Heiligtum „Nossa Senhora da Conceição Aparecida“ herzlich willkommen geheißen hatte, wurde der Rosenkranz gebetet. Benedikt XVI., der der Jungfrau Maria eine Rose aus Gold zum Geschenk machte, betonte während der Andacht: „Heute ist sie es, die unsere Meditation leitet. Sie bringt uns bei, wie man betet. Sie ist es, die uns zeigt, wie wir unseren Verstand und unser Herz für die Macht des Heiligen Geistes öffnen, der kommt, um der ganzen Welt mitgeteilt zu werden.“

Der Bischof von Rom verglich das Gebetstreffen in der Basilika des Wallfahrtsortes, der jedes Jahr von rund acht Millionen Menschen besucht wird, mit dem Obergemach in Jerusalem, wo die Jünger Jesu nach der Himmelfahrt Christi „zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“, einmütig im Gebet verharrten (vgl. Apg 1,12-14). Der Papst wies darauf hin, dass er insbesondere deshalb hierher gekommen sei, um allen zu sagen: „Bleibt in der Schule Mariens!“ Er nannte die allerseligste Jungfrau Maria „Schule des Glaubens“ und wies darauf hin, dass sie dazu bestimmt worden sei, „uns auf dem Weg, der uns zum Schöpfer des Himmels und der Erde führt, anzuleiten und Kraft zu geben“. Deshalb bekräftigte Papst Benedikt: „Lasst euch von ihren Lehren inspirieren! Trachtet danach, die Erleuchtungen, die sie euch im Auftrag Gottes vom Himmel her schickt, aufzunehmen und in euren Herzen zu bewahren.“

Der Heilige Vater würdigte die Arbeit der Orden, Bewegungen und katholischen Verbände und sprach allen Anwesenden seinen tiefen Dank aus: „Ich bin überglücklich, mit euch hier sein zu dürfen, mitten unter euch! Der Papst liebt euch! Der Papst grüßt euch aus ganzem Herzen! Er betet für euch! Und er erbittet vom Herrn die kostbarsten Segensschätze für die Bewegungen, Vereinigungen und neuen kirchlichen Einrichtungen, die lebendiger Ausdruck der immerwährenden Jugend der Kirche sind! Ihr möget reich gesegnet werden!“ Einen besonderen Gruß richtete er an die christlichen Familien in der ganzen Welt, mit denen er sich, wie er sagte, „im besonderen Maße“ freue.

Nachdem Benedikt XVI. die herzliche Gastfreundschaft der Brasilianer gelobt hatte, wandte er sich an die anwesenden Priester und, wie er bekräftigte, an die Priester in allen Teilen der Welt. Besonders den so genannten „Fidei-donum“-Priestern, die ihre Heimat verlassen, um in die Mission zu gehen, dankte er für ihren aufopferungsbereiten Dienst.

„Eure Treue bei der Erfüllung eures Amtes und des Gebetslebens, eure Suche nach Heiligkeit, eure vollkommene Selbsthingabe an Gott im Dienst eurer Brüder und Schwestern… – das alles spricht machtvoll mein seelsorgerisches Herz an. Das Zeugnis eines gut geführten priesterlichen Lebens adelt die Kirche, ruft unter den Gläubigen Bewunderung hervor und ist eine Quelle des Segens für die Gemeinde; es ist der beste Weg, um Berufungen zu fördern, die glaubhafteste Einladung an andere junge Menschen, mit einem Ja auf den Ruf des Herrn zu antworten; es ist wahre Mitarbeit beim Aufbau des Reiches Gottes.“

Benedikt XVI. bedankte sich auch bei den älteren und kranken Priestern und bekräftigte: „Eure Angleichung an den leidenden und auferstandenen Christus ist das fruchtbarste Apostolat!“

Anschließend richtete sich der Bischof von Rom mit Worten des Dankes an die Seminaristen und Diakone. Letzteren gab er den Rat, immerzu die Gestalt Jesu, des Guten Hirten, vor Augen zu haben, der nicht gekommen sei, „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). Er ermutigte sie, die ersten Diakonen der Kirche zum Vorbild zu nehmen und tiefgläubige „Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ zu sein (Apg 6,3-5).

Die Seminaristen rief er dazu auf, Gott für das Geschenk der Priesterberufung zu danken und nicht zu vergessen, dass das Priesterseminar die „Wiege“ ihrer Berufung und der erste Ort sei, wo sie die Erfahrung des gemeinschaftlichen Lebens machten. „Ich bitte euch: Seid dank der Hilfe Gottes heilige, treue und glückliche Priester im Dienst der Kirche!“

Benedikt XVI. widmete dann seine Aufmerksamkeit den Ordensleuten Brasiliens und aller Welt. Er dankte Gott für diese göttliche Gabe, die die Kirche von ihrem Herrn empfangen habe, und für das Zeugnis, das die Ordensleute von der treuen Liebe zu Gott und den Mitmenschen in der Welt gäben.

Diese alles umfassende, endgültige, bedingungslose und leidenschaftliche Liebe werde in den unterschiedlichsten Tätigkeiten sichtbar, die die Ordensmänner und Ordenfrauen insbesondere im Dienst an den Ärmsten in der Welt ausübten. Zusammen mit Papst Johannes Paul II. und dessen Nachsynodalem Apostolischen Schreiben Vita consecrata (1996) erklärte Benedikt XVI., dass all das in den jungen Menschen den Wunsch zur Nachfolge Christi wecke, um sein Leben für ihn hinzugeben als Zeugnis dafür, dass Gott die Liebe ist und dass es sich lohnt, sich von ihm erobern und bezaubern zu lassen und nur ihm zu gehören.

Das Ordensleben sei für das Werk der Evangelisierung von großer Bedeutung, und so sei es bereits in der Zeit der Kolonisation Brasiliens gewesen. Benedikt XVI. erinnerte seine Zuhörer in diesem Zusammenhang an die Heiligsprechung des ersten in Brasilien geborenen Heiligen Frei Antônio de Sant’Ana Galvão, der er am Freitag vorgestanden hatte, und empfahl diesen neuen Heiligen sowie die heilige Paulina, Gründerin der Kleinen Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis, als Vorbilder für ein Leben der Ganzhingabe.

In Bezug auf die heutige Eröffnung der V. Generalversammlung des lateinamerikanischen und karibischen Episkopats hob der Heilige Vater die Bedeutung der Zugehörigkeit zur Kirche hervor, die die wahre Brüderlichkeit unter den Christen schaffe, die sie als Kinder Gottes reifen und wachsen lasse.

„Die Kirche ist unser Haus! Das ist unser Haus!“, rief Benedikt XVI. den Gläubigen zu. „In der katholischen Kirche finden wir alles, was gut ist, alles, was Anlass zu Sicherheit und Erleichterung gibt.“ Wenn man Christus annehme – den Weg, die Wahrheit und das Leben –, dann sichere man sich den Frieden und das Glück in diesem Leben und auch im kommenden.

„Der Papst ist gekommen: um mit euch zu beten und zu bekennen: Es lohnt sich zu glauben. Es lohnt sich, im eigenen Glauben beharrlich zu sein!“

Da zum Glauben auch Bildung und Ausbildung in Lehre und Spiritualität vonnöten ist, legte Benedikt XVI allen den „Katechismus der Katholischen Kirche“ beziehungsweise das Kompendium ans Herz. Diese Werke seien eine große Hilfe, um den Glauben immer besser kennen zu lernen und tiefer zu verstehen.

Am Ende seiner Predigt richtete der Papst das folgende Gebet an Unsere Liebe Frau von Aparecida:

„Unsere Mutter, behüte die brasilianische und lateinamerikanische Familie!

Berge die Kinder dieses geliebten Landes, das uns aufgenommen hat, unter deinen Schutzmantel.

Du bist die Advocata, die Anwältin bei deinem Sohne Jesus.

Gib dem Volk Brasiliens immerwährenden Frieden und volles Aufblühen; gieße unseren Brüdern und Schwestern aller Länder Lateinamerikas echten missionarischen Eifer ein, der Glaube und Hoffung ausstrahlen lässt.

Mach, dass dein Ruf, der in Fatima zur Umkehr der Sünder erschallte, Wirklichkeit werde und das Leben unserer Gesellschaft verwandle.

Und du, die du vom Heiligtum von Guadalupe aus Fürsprache einlegst für das Volk des Kontinents der Hoffnung: Segne seine Lande und all seine Heimstätten.
Amen.“